Markenlexikon

Fairchild

USA

Sherman Mills Fairchild (1896 – 1971) gründete 1920 ein Unternehmen, das sich mit dem Anfertigen von Luftbildern für Messzwecke beschäftigte. Da die meisten Flugzeuge für diese Zwecke nicht geeignet waren, richtete er 1925 in Farmingdale auf Long Island eine eigene Fabrik ein, die Flugzeuge speziell für die Luftbildfotografie konstruieren und bauen sollte. Die erste Fairchild FC-1, ein einmotoriger Hochdecker mit extra großen Fenstern für die Luftbildkameras, flog Mitte 1926. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich bald eine recht erfolgreiche Flugzeugfirma, die vor allem durch Übernahmen expandierte (1929 Kreider-Reisner Aircraft, 1963 Hiller Helicopters, 1965 Republic Aviation, 1979 Swearingen Aviation).

Daneben finanzierte Fairchild auch branchenfremde Firmen, u.a. 1957 die Fairchild Semiconductor Corporation in Mountain View/California; Fairchild wurde in den 1960er Jahren zum Ausgangspunkt für eine ganze Reihe von Neugründungen im Silicon Valley (AMD, Intel, National Semiconductor, Signetics), sodass man bald von der »Fairchild-Familie« sprach.

Von 1967 bis 1975 entwickelte Fairchild-Republic die A-10A »Thunderbolt II«, ein Kampfflugeug zur Luftnahunterstützung. Von 1977 bis 1983 lieferte die Firma rund 720 Exemplare der A-10A an die U.S. Air Force. In den 1960er Jahren fertigte Fairchild auch mehrere Lizenzvarianten der Fokker F27 »Friendship« für den amerikanischen Markt. Die Hubschrauber-Produktion gab Fairchild-Hiller Ende der 1960er Jahre auf; die Herstellungsrechte und Produktionsausrüstung des UH-12 und des FH-1110 übernahm 1973 die Firma Heliparts, die sich daraufhin in Hiller Aviation umbenannte.

1972 wurden die vielen Einzelunternehmen, die unter dem Namen Fairchild firmierten, unter dem Dach der Holdinggesellschaft Fairchild Industries zusammengefasst. 1979 verkaufte Fairchild Industries die Halbleiterfirma Fairchild Semiconductor an den französischen Konzern Schlumberger, einen Hersteller von Ölförderausrüstungen. In den 1980er und 1990er Jahren baute die zivile Flugzeugabteilung Fairchild Aircraft vor allem Geschäftsreiseflugzeuge (Merlin) und Turboprop-Regionalverkehrsflugzeuge (Metro/Metroliner), die ursprünglich von Swearingen Aviation stammten.

1987 verkaufte der Mutterkonzern Fairchild Industries die Flugzeugsparte Fairchild Aircraft und das Metro-Werk in San Antonio/Texas an die Investmentgesellschaft GMF Investments. Das A-10-Programm übernahm Grumman. 1989 wurde Fairchild Industries von Banner Industries, einem Zulieferer für die Flugzeugindustrie, übernommen und ein Jahr später in The Fairchild Corporation umbenannt. 1990 musste Fairchild Aircraft Antrag auf Gläubigerschutz stellen. Carl Albert, ein früherer Chef der Fluggesellschaft Wings West, die zahlreiche Metros betrieb, übernahm das strauchelnde Unternehmen daraufhin zusammen mit weiteren Investoren. 1996 wurde Fairchild Aircraft in Fairchild Aerospace umbenannt.

Fairchild Aerospace erwarb 1996 den deutschen Flugzeughersteller Dornier Luftfahrt GmbH, der anschließend in Fairchild Dornier GmbH umbenannt wurde. In Oberpfaffenhofen baute das Unternehmen weiterhin die Do 328 sowie die davon abgeleitete Do 328-300/Do 328 Jet (Erstflug 1998) mit zwei Strahltriebwerken. Darüber hinaus begann Fairchild-Dornier mit der Entwicklung von zwei verlängerten Versionen (428, 528) und des zweistrahligen Kurzstreckenverkehrsflugzeugs Do 728. Das dafür benötige Geld stellten die US-Investmentfirma Clayton Dubilier & Rice sowie die Allianz-Tochter Capital Partners bereit – rund 400 Millionen Euro. Beide Firmen übernahmen 1999/2000 auch die Mehrheit bei Fairchild-Dornier. Die Produktion der Geschäftsreiseflugzeuge der Merlin-/Metro-Reihe, die Fairchild von Swearingen Aviation übernommen hatte, wurde 2001 nach 1053 Maschinen eingestellt.

2002 verkaufte The Fairchild Corporation den Bereich Befestigungstechnik (Schrauben, Bolzen, Nieten, Ventile und Werkzeuge für die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie) an den Aluminiumkonzern Alcoa. 2003 erwarb Fairchild die insolvente Eurobike AG aus Düsseldorf, einen Hersteller und Händler von Motorradbekleidung, zu dem der Polo Expressversand für Motorradbekleidung und Sportswear, Intersport Fashions West Inc. (USA) und Hein Gericke gehörten.

Infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 und der damit verbundenen Luftfahrtkrise musste Fairchild-Dornier im März 2002 Konkurs anmelden; direkte Auslöser waren stagnierende Verkäufe des Modells 328 und zurückgezogene Kaufoptionen beim 728-Programm (u.a. von der Lufthansa, die eine Option auf 60 Maschinen gezeichnet hatte). Da es dem Insolvenzverwalter nicht gelang einen Käufer für das Gesamtunternehmen zu finden, wurde einzelne Bereiche an verschiedene Firmen verkauft: das 328-Programm ging an AvCraft Aviation (USA), das 728-Programm an den chinesischen Mischkonzern D'Long (AvCraft und D'Long mussten kurze Zeit später ebenfalls Insolvenz anmelden). Die Flugzeugwartung, die Airbus-Komponentenfertigung sowie die Rechte an der Do 228, die von 1981 bis 1998 in Oberpfaffenhofen produziert worden war, übernahm der Schweizer RUAG-Konzern. Im Februar 2005 wurden die Firmenreste von Fairchild-Dornier versteigert, u.a. zwei Prototypen der Dornier 728.

Im März 2009 musste The Fairchild Corporation (McLean/Virginia), zu der damals die Tochtergesellschaften Fairchild Sports USA Inc. (Tustin/California), Polo Expressversand Gesellschaft für Motorradbekleidung und Sportswear mbH (Jüchen; 49 Prozent; der Rest gehört seit 2008 dem Polo-Mitgründer und früheren Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser) und Banner Aerospace Holding Company gehörten, Insolvenz anmelden; kurz darauf wurde Banner Aerospace (Handel mit Flugzeugteilen und -ausrüstungen, Reparatur-Dienstleistungen) an die Greenwich AeroGroup Inc. verkauft.

Fairchild Semiconductor mit Sitz in South Portland/Maine und San José/California ist weiterhin als Halbleiterhersteller tätig. Das Unternehmen gehörte von 1979 bis 1987 zu Schlumberger und von 1987 bis 1997 zu National Semiconductor. Seit 1999 werden die Aktien der Fairchild Semiconductor Corporation an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 13.04.2019 | 00:39