Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

E.ON

Ursprungsland: Deutschland

Der Freistaat Bayern gründete 1921 die Bayernwerk Aktiengesellschaft, die in den nächsten Jahren zahlreiche der bereits bestehenden privaten Stromproduzenten Bayerns übernahm. Im Vordergrund stand die Nutzbarmachung der Wasserkraft in Bayern. Ab Mitte der 1960er Jahre errichtete Bayernwerk, teilweise in Kooperation mit anderen Energiekonzernen (Isar-Amperwerke, RWE), auch Kernkraftwerke in Bayern (Gundremmingen, Isar 1, Grafenrheinfeld, Isar 2). 1939 beteiligte sich die staatliche Holdinggesellschaft VIAG (Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG) an der Bayernwerk AG.

Der Freistaat Preußen, das flächenmäßig größte und politisch dominierende Land im Deutschen Reich, fasste 1927 seine Beteiligungen an privaten Elektrizitätsunternehmen in der Preußischen Elektrizitäts AG (PreussenElektra) zusammen. PreussenElektra baute in der Folgezeit die Energieversorgung in Nord- und Mitteldeutschland (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen) durch die Errichtung neuer Kraftwerke und zahlreicher Übernahmen regionaler Energieversorger kontinuierlich aus. 1947 wurde der PreussenElektra-Hauptsitz von Berlin nach Hannover verlegt. PreussenElektra war ebenfalls am Bau und Betrieb mehrerer Kernkraftwerke beteiligt (Brokdorf, Brunsbüttel, Grohnde, Krümmel, Stade, Unterwese, Würgassen).

1929 schlossen sich vier preußische Staatsunternehmen (Bergwerks AG, Hibernia, PreussenElektra, Preussag) zur staatlichen Holdinggesellschaft Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG (VEBA) zusammen. VEBA und VIAG erwarben im Laufe der Jahre Beteiligungen an zahlreichen deutschen Industrieunternehmen (Aral, BSW, Degussa, Gelsenberg, Gerresheimer Glas, Hüls, Klöckner, Kühne & Nagel, Raab-Karcher, Schmalbach-Lubeca, Stinnes, Th. Goldschmidt, VAW). Beide Holdinggesellschaften wurden später privatisiert (VEBA 1965 – 1987, VIAG 1986 – 1988). 1994 übernahm VIAG die Bayernwerk AG vollständig, woraufhin der VIAG-Hauptsitz von Bonn nach München verlegt wurde.

Nach dem Untergang der DDR übernahmen Bayernwerk und PreussenElektra eine Reihe von regionalen Energieversorgern in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die bis zur Jahrtausendwende zu größeren Einheiten zusammengefasst wurden (Avacon, E.DIS, Hansewerk, TEAG). Den Versuch, in der Telekommunikationsbranche Fuß zu fassen, gaben VEBA und VIAG bereits Ende der 1990er Jahre weitgehend auf; diese Aktivitäten (E-Plus, O.tel.o, Vebacom, VIAG-Interkom) wurden an andere Telekom-Konzerne veräußert.

E.ON
E.ON

Im Jahr 2000 schlossen sich die beiden Mischkonzerne VEBA und VIAG zur E.ON AG (Verwaltungssitz: Essen, rechtlicher Sitz: Düsseldorf) zusammen. Der Buchstabe E steht für das Kerngeschäft Energie, ON für die Entschlossenheit, diese für Innovation, Expansion und neues Wachstum zu nutzen. Die Schreibweise mit dem Punkt signalisiert die Verankerung in der Gegenwart. Darüber hinaus ist Eon die englische Variante des griechischen Wortes Aion (Ewigkeit). Der Energiebereich wurde daraufhin in die neue E.ON Energie AG (München) integriert. Alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmen wurden nach und nach verkauft oder an der Börse platziert.

2003 erwarb E.ON den Essener Gaskonzern Ruhrgas, den damals größten deutschen Erdgasversorger. Das Unternehmen importierte vor allem Erdgas aus Russland, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden. Mit der Tochtergesellschaft E wie einfach stieg E.ON 2007 in den Discountbereich ein.

Infolge eines EU-Kartellverfahrens verkauften die deutschen Energiekonzerne E.ON, RWE und Vattenfall 2010 ihre Hochspannungsnetze an neue Eigentümer. Daraus entstanden die unabhängigen Unternehmen Amprion (RWE), Tennet (E.ON) und 50Hertz Transmission (Vattenfall). Infolge der gesetzlichen Vorgabe, den Energievertrieb und den Netzbetrieb voneinander zu trennen, wurden die Netzbetreiber 2013 in selbstständige Tochtergesellschaften umgewandelt (Avacon, Bayernwerk, E.DIS, Schleswig-Holstein Netz). Das Hamburger Gasnetz musste infolge eines Volksentscheids von 2013 an die Stadt Hamburg verkauft werden. Ebenfalls 2013 wurden die Beteiligungen an mehreren Energiedienstleistern in Hessen, Ostwestfalen, Südniedersachsen, Thüringen und Westfalen Weser an mehrere Städte und Landkreise veräußert.

2012 änderte die E.ON AG ihre Rechtsform von der Aktiengesellschaft deutschen Rechts in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea/SE). 2016 wurde der Firmensitz von Düsseldorf nach Essen verlegt. Im selben Jahr spaltete E.ON das traditionelle Energiegeschäft (Kohlekraftwerke, Wasserkraftwerke, Gasfelder und Stromerzeugung in Russland, Nord-Stream-Pipeline, globaler Energiehandel) vom Konzern ab (Uniper). Der Bereich Kernkraftwerke führt seit 2016 den Namen PreussenElektra und gehört direkt zur Muttergesellschaft E.ON SE. E.ON Energie war damit nur noch in den Geschäftsfeldern Energieerzeugung (Wind-, Solar- und Bioenergie), Vertrieb und Verteilnetze für Strom und Gas tätig.

2019/2020 erwarb E.ON die RWE-Tochter Innogy (Stromerzeugung, Stromvertrieb, Verteilnetze). Daraufhin tauschten E.ON und RWE mehrere Geschäftsbereiche untereinander aus. RWE erhielt alle wesentlichen Energieerzeugungsaktivitäten sowie das Gasspeichergeschäft von E.ON und Innogy, während E.ON den Vertrieb und die Netzaktivitäten von Innogy (EnviaM, Eprimo, Lechwerke, Süwag, Syna, VSE, Westenergie, Westnetz) behielt.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain

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