Markenlexikon

English Electric

United Kingdom

Die English Electric Company (Preston/England) entstand 1919 aus dem Zusammenschluss der Firmen Dick Kerr & Company, Williams & Robinson und Phoenix Dynamo Manufacturing Company sowie den Stafford-Werken von Siemens Brothers. Neben Wasser- und Dampfturbinen, Transformatoren, Dieselmotoren, Elektro- und Diesel-Lokomotiven, Straßenbahnen, Schiffen, Walzwerken und Flugmotoren (1942 Übernahme der Firma D. Napier & Son) produzierte das Unternehmen in mehreren Werken (Bradford, Samlesbury, Warton) auch Flugzeuge, neben Fremdprodukten (Handley Page Hampden, Handley Page Halifax, De Havilland Vampire) u.a. den ersten britischen Strahlbomber Canberra (Erstflug 1949) und den Abfangjäger Lightning (Erstflug 1954).

1946 erwarb English Electric die Marconi Wireless Telegraph Company, die damals eine Monopolstellung auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikation innehatte (Marconi hatte die meisten britischen Schiffe mit Funk ausgerüstet).

In den späten 1950er Jahren übte die britische Regierung großen Druck auf die heimischen Flugzeughersteller aus, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, wenn sie weiter staatliche Aufträge bekommen wollten; ähnlich wie es auch in Frankreich praktiziert wurde. So entstanden um 1959/1960 zwei Gruppen: die bereits 1935 gegründete Hawker-Siddeley Group (Armstrong-Siddeley, Avro, Gloster Aircraft, Hawker Aircraft) übernahm noch Blackburn Aircraft (B-103 Buccaneer), De Havilland Aircraft (D.H. 106 Comet, D.H.121 Trident, DH.125 Jet Dragon) und Folland Aircraft (Fo. 141 Gnat).

Aus dem Zusammenschluss von Bristol Aircraft (Britannia), English Electric Aviation (Canberra, Lightning) und Vickers-Armstrong Aircraft (VC-10, Viscount) entstand die British Aircraft Corporation (BAC), die kurz darauf noch Hunting Aircraft (BAC-111/One Eleven) übernahm. BAC befand sich zunächst im Besitz von Vickers (40 Prozent), English Electric (40 Prozent) und Bristol (20 Prozent).

1967 erwarb English Electric die Computer- und Avionikfirma Elliott Automation, die später unter Namen wie Marconi-Elliott Avionics Systems (1969), Marconi Avionics (1978), GEC Avionics (1984), GEC-Ferranti (1990), Marconi Electronic Systems/Marconi Avionics (1998) und BAE Systems Avionics (1999) auftrat. Andere Elliott-Sparten firmierten u.a. als Marconi-Elliott Computer Systems (ab 1969) und GEC Computers (ab 1972).

1968 wurde English Electric von der General Electric Company (G.E.C.) übernommen. Die englische General Electric Company, die meist unter dem Kürzel G.E.C. auftrat und nichts mit dem gleichnamigen US-Konzern zu tun hatte, war 1886 von Hugo Hirst und Gustav Binswanger (später nannte er sich Gustav Byng) gegründet worden. Zunächst produzierte GEC Elektroartikel wie Schalter, Klingeln, Lampen, Glühlampen und Elektromotoren. Die beginnende Elekrifizierung ließ das Unternehmen rasant wachsen. GEC eröffnete überall auf der Welt Niederlassungen, vor allem innerhalb des britischen Kolonialreiches. Während der beiden Weltkriege war GEC ein Hauptlieferant von elektrische Ausrüstungen für die britische Armee.

Durch eine ganze Reihe von Übernahmen (1961 Radio & Allied Industries, 1967 Associated Electrical Industries, 1968 English Electric/Marconi, 1974 Yarrow Shipbuilders, 1979 Avery, 1981 Picker International, 1990 Teile von Ferranti, 1995 Vickers Shipbuilding and Engineering, 1998 Tracor) wuchs G.E.C. zu einem der größten europäischen Elektronik- und Rüstungskonzerne heran (Flugzeug- und Schiffselektronik, Kraftwerksturbinen, Schiffe, Atom-U-Boote, Torpedos, Hochgeschwindigkeitszüge, elektrische Hausgeräte, Computer, medizinische Ausrüstungen, Klimaanlagen, Aufzüge).

Von 1989 bis 1998 betrieben GEC und Alcatel-Alsthom (Hersteller des französischen Hochgeschwindigkeitszuges TGV) das Jointventure GEC-Alsthom, das in dieser Zeit für den Bau der TGV-Züge und -strecken zuständig war. 1987 wurde The Marconi Company in GEC-Marconi umbenannt und 1998 in Marconi Electronic Systems (MES).

1999 übernahm British Aerospace schließlich Marconi Electronic Systems und damit den gesamten militärischen Bereich von GEC (einschließlich der Werften und der Avionik-Sparte). British Aerospace benannte sich anschließend in BAE Systems plc. um. Gleichzeitig gab sich der verbliebene GEC-Konzern, der sich nun nur noch mit Telekomausrüstungen beschäftigte, den Namen Marconi plc.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 13.04.2019 | 00:37