Markenlexikon

Emtec

Deutschland

Der deutsche Chemiekonzern BASF (Badische Anilin- und Soda Fabrik) aus Ludwigshafen – damals ein Teil des IG-Farben-Konzerns – entwickelte 1935 das weltweit erste Kunststoffband mit einer magnetisierbaren Eisenoxidbeschichtung (Magnetophon-Band). Gleichzeit brachte AEG-Telefunken das erste Tonbandgerät (Magnetophon) auf den Markt. Um das Magnetophon-Band optimal vermarkten zu können, finanzierte BASF Aufnahmen mit klassischer Musik. Die erste Aufnahme entstand im November 1936 in der BASF Konzerthalle in Ludwigshafen mit dem London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Sir Thomas Beecham (Mozart, Rimsky-Korsakof, Dvorak).

1966, drei Jahre nachdem Philips die Compact-Cassette auf den Markt gebracht hatte, eröffnete BASF in Willstätt bei Kehl eine neue Magnetbandfabrik. 1969 erwarben BASF und Sony von DuPont (USA) Lizenzen für das Chromdioxid-Verfahren, das der DuPont-Chemiker Norman L. Cox 1956 entwickelt hatte; beide Unternehmen brachten daraufhin die ersten HiFi-fähigen Chromdioxid-Compact-Cassetten auf den Markt. 1973 kamen Computer-Disketten dazu und 1977 Videokassetten. Um dieses Geschäft noch zu forcieren, verkaufte BASF ab 1971 Kassetten-Decks und andere HiFi-Komponenten, die allerdings von Aiwa, Canton, JVC, Lenco und NEC stammten.

Zur gleichen Zeit baute BASF eine eigene Plattenfirma auf (BASF Cornet Mannheim), die vor allem klassische Musik, Jazz und Schlager veröffentlichte (u.a. Cindy & Bert, Freddy Breck, Manuela, Cliff King/Ricky King, Renate Kern). Doch bereits 1976 zog sich das Unternehmen aus der Musikbranche wieder zurück. 1986 gab es nochmal ein kurzes Comeback, als BASF mehrere Musik-Kassetten mit Ausschnitten aus den ersten Klassikaufnahmen von 1936 wiederveröffentlichte.

1991 übernahm BASF den Magnetbandbereich von Agfa-Gevaert und gründete daraufhin die BASF Magnetics GmbH (Mannheim). Da man jedoch mit Cassetten im Zeitalter der CD kaum noch Gewinne machen konnte, zumal zu dieser Zeit auch die ersten CD-Brenner auf den Markt kamen, wurde die BASF Magnetics GmbH mit Standorten in Ludwigshafen, Willstätt, München, Obenheim (Frankreich), Avranches (Frankreich), Manaus (Brasilien) und Jakarta (Indonesia) an den südkoreanischen Chemiekonzern Kohap verkauft, der die Firma 1997 in Emtec (European Multimedia Technologies/Emtec Magnetics GmbH) umbenannte. Emtec verwendeten die Marke BASF noch bis 2000, danach nur noch das frühere BASF-Logo.

2002 verkaufte Kohap Emtec an die britische Versicherungsgesellschaft LGV (Legal & General Ventures). Im April 2003 musste die Emtec Magnetics GmbH Insolvenz anmelden. Teile der Magnetbandabteilung übernahm daraufhin Imation (vormals 3M). 2004 wurde die französische Firma MPO (Moulages Plastiques de l'Ouest) neuer Eigentümer. Seit 2006 gehört Emtec der französischen Dexxon Group (Marke: Intuix), eine weltweit tätige Vertriebsfirma für Computer-Zubehör (Speichermedien, Hardware, Druckerzubehör).

Emtec produziert heute u.a. Audiokassetten, Bluetooth-Dongles, CD-/DVD-Hüllen, CDs, Druckerpapier, Druckerpatronen, DVB-T-Dongles, DVB-T-Receiver, DVDs, Fernbedienungen, Floppy Discs, Headsets, Mousepads, MP3/4-Player, Multimedia-Festplatten, Speicherkarten, USB-Sticks, Videokassetten und Webcams.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 22.04.2020 | 09:36