Markenlexikon

Branche:

Embraer

Brasilien

Die Empresa Brasileira de Aeronáutica S.A. (Embraer) wurde 1969 vom brasilianischen Staat zur Förderung der nationalen Luftfahrt gegründet. Zunächst übernahm die Firma den Bau des zweimotorigen Turbopropflugzeugs IPD-6504/YC-95 (Erstflug 1968), das seit 1965 unter der Führung der staatlichen Organisationen CTA (Centro Técnico de Aeronáutica) und IPD (Instituto de Pesquisa e Desenvolvimento) in São José dos Campos entwickelt worden war. Das IPD-Projekt wurde von dem französischen Flugzeugkonstrukteur Max Holste (IPD) und dem brasilianischen Ingenieur und früheren Militärpiloten Ozires Silva (CTA) geleitet; Ozires Silva war von 1969 bis 1986 auch Chef des Unternehmens. Das nun Embraer EMB 110 »Bandeirante« genannte Flugzeug war anfangs vor allem für militärische Anwendungen gedacht gewesen, aber schon 1972 bekam es auch die zivile Zulassung. Von 1968 bis 1990 entstanden in São José dos Campos 501 Exemplare, von denen viele an US-Regionalfluggesellschaften geliefert wurden. Embraer übernahm auch die Produktion des Agrarflugzeugs EMB-200 »Ipanema« (Erstflug 1970), das von Ingenieuren des Instituto Tecnológico de Aeronáutica (ITA) entwickelt worden war.

Von 1974 bis 2000 baute Embraer neben den eigenen Maschinen (1977 – 1987 Embraer EMB 121 »Xingu«, 1983 – 2007 Embraer EMB 120 »Brasilia«) verschiedene Modelle des US-Kleinflugzeugherstellers Piper Aircraft in Lizenz. Das für die damalige Zeit außergewöhnlich moderne Turboprop-Flugzeug CBA-123 »Vector« (Erstflug 1990), das Embraer gemeinsam mit der argentinischen Firma FMA entwickelte, scheiterte jedoch an den hohen Kosten, sodass nur zwei Prototypen gebaut wurden. Embraer schlitterte anschließend in eine schwere Krise, die tausende Arbeitsplätze vernichtete und 1994 zur Privatisierung des Staatskonzerns führte.

Mit der zweistrahligen ERJ-145, dem ersten in Südamerika hergestellte Flugzeug mit Strahlantrieb, konnte das Unternehmen wieder Boden gutmachen. Zur ERJ-145-Familie (37 – 50 Sitze) gehören die ERJ 135 (1998), die ERJ 140/EMB 135KL (Erstflug 2000), die ERJ 145 (Erstflug 1995), die Legacy 450/500 (Erstflug 2013) und die Legacy 600/650 (Erstflug 2001). Etwas größer ausgelegt ist die ebenfalls zweistrahlige E-Jet-Familie (80 – 122 Sitzplätze), deren erste Variante, die Embraer 170, ihren Jungfernflug 2002 absolvierte. 2003 folgte die Embraer 175, 2004 die Embraer 190 und die Embraer 195.

Embraer gehört heute neben ATR (Airbus Group, Alenia-Aermacchi) und Bombardier/Canadair zu den weltweit führenden Herstellern von Regionalverkehrsflugzeugen. Mit der EMB-500/Phenom 100 (Erstflug 2007) stieg Embraer auch in den Sektor der strahlgetriebenen Geschäftsreiseflugzeuge ein, der von Unternehmen wie Textron (Beechcraft, Cessna, Hawker), Gulfstream und Dassault (Falcon) dominiert wird.

Daneben entwickelte Embraer gemeinsam mit den italienischen Unternehmen Aeritalia/Alenia und Aermacchi (seit 2012 Alenia-Aermacchi) das militärische Mehrzweckkampfflugzeug AMX »Ghibli« (Erstflug 1984; Produktion: 1986 – 1999), das einmotorige Trainingsflugzeug EMB 312 »Tucano« (Erstflug 1980) und das leichte einmotorige Kampfflugzeug EMB 314 »Super Tucano« (Erstflug 1993). Produktionsstätten befinden sich in Brasilien (Botucatu, Eugênio de Melo, Gavião Peixoto, São José dos Campos), Portugal (Évora) und den USA (Melbourne/Florida).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 26.02.2019 | 00:38