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Markenlexikon

Elektra Records

Ursprungsland: USA

Jac(k) Easton Holzman (* 1931) interessierte sich bereits in der Schule mehr für elektronische Basteleien als für den Schulstoff. Am St. John 's College in Annapolis/Maryland gab es zudem ein Elektroniklabor, wo er sich häufig aufhielt. 1946 bekam er von seinem Vater, einem Arzt, zum fünfzehnten Geburtstag einen Meissner Phono Recorder geschenkt, mit dem er selbst Tonaufnahmen anfertigen konnte.

1950 besuchte er an seiner Schule ein Konzert der Sopranistin Georgiana Bannister, die, begleitet von dem Pianisten John Gruen, Gedichte von Rainer Maria Rilke, Friedrich Hölderlin und E. E. Cummings vortrug. Holzman fragte Gruen und Bannister, ob sie diese Songs für seine Plattenfirma aufnehmen könnten, die zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht existierte. Sie willigten ein und im Dezember 1950 fanden die Aufnahmen im New Yorker Studio von Peter Bartók (der Sohn des Komponisten Béla Bartók) statt. Die Bänder wurden bei RCA in New York auf Schallplatte gepresst und im März 1951 unter der Nummer Elektra EKLP-1 veröffentlicht (»John Gruen, Georgiana Bannister – New Songs«).

Inzwischen hatte Holzmann auch seine Firma gegründet, die nach der griechischen Sagenfigur Elektra benannt war. Von der ersten Elektra-Platte wurde allerdings lediglich ein Exemplar verkauft. Anschließend eröffnete Holzman einen Plattenladen im New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village (The Record Loft), wo er vor allem Platten mit Folkmusik verkaufte. Eines Tages kam der Fotograf George Pickow in den Laden und erzählte von seiner Frau, der bereits recht bekannten Folksängerin Jean Ritchie, die schon zusammen mit Folkgrößen wie The Weavers und Woody Guthrie aufgetreten war. Holzman war begeistert und nahm sie unter Vertrag, wobei der Vertrag noch von seinem Vater mitunterschrieben werden musste, da er noch keine 21 Jahre alt war. Von der zweiten Elektra-Platte EKLP-2 »Jean Ritchie Singing The Traditional Songs Of Her Kentucky Mountain Family« (1952) wurden zweitausend Stück verkauft. Von dem Geld, das er mit dieser Platte verdiente, schaffte er eine Bandmaschine (Magnecord PT-6) und ein Aufnahmemikrophon (Electro-Voice) an.

In den 1950er und 1960er Jahren nahm Elektra Records vor allem Folksänger unter Vertrag, u. a. die Butterfield Blues Band, Cynthia Gooding, Hally Wood, Frank Warner, Josh White, Judy Collins, Shep Ginandes, Theodore Bikel, Tim Buckley und Tom Paley.

1964 rief Elektra Records das Label Nonesuch Records ins Leben, das Klassikaufnahmen zu einem wesentlich geringeren Preis verkaufte, als das bei den großen Plattenfirmen der Fall war (Slogan: »Quality Recordings at the Price of a Quality Paperback«). Bald darauf widmete sich Nonesuch auch anderen Genres wie World Music (Caetano Veloso, Gipsy Kings, Le Mystère des Voix Bulgares, Buena Vista Social Club), Minimal Music (John Adams, John Zorn, Kronos Quartet, Philip Glass, Steve Reich, Ry Cooder), Jazz (Wayne Horvitz, World Saxophone Quartet), Avantgarde (Laurie Anderson), Folk (Emmylou Harris, Shawn Colvin) und Rock (Randy Newman, The Black Keys).

Ab Mitte der 1960er Jahre begann Elektra auch Musiker anderer Genres unter Vertrag zu nehmen, u. a. die kalifornische Rockband Love um den Gitarristen und Sänger Arthur Lee, die Softrock-Band Bread aus Los Angeles und die ebenfalls aus Kalifornien stammenden The Doors (Jim Morrison, Ray Manzarek, Robby Krieger, John Densmore), eine der einflussreichsten Bands der 1960er Jahre. Produziert wurde die Doors-Platten von Paul A. Rothchild (1935 – 1995), seit 1963 der Elektra-Hausproduzent.

1970 verkaufte Jac Holzman Elektra/Nonesuch Records an den Mischkonzern Kinney National Services, dem bereits die Medienunternehmen Ashley-Famous, Atlantic Recording, DC Comics, Panavision, Reprise Records, Warner Bros. Pictures und Warner Bros. Records gehörten, blieb aber bis 1973 mit der Leitung der Firma betraut. In dieser Zeit verpflichtete er noch Carly Simon und Harry Chapin für Elektra Records und wirkte beim Aufbau der internationalen Vertriebsorganisation WEA (Warner-Elektra-Atlantic) mit. Später hatte er verschiedene Führungspositionen innerhalb des Warner-Konzerns inne (Senior Vice President, Chief Technologist).

1973 erwarb der inzwischen in Warner Communications umbenannte Kinney-Konzern David Geffens Plattenfirma Asylum Records (Jackson Browne, Joni Mitchell, Linda Ronstadt, The Eagles, Tom Waits), die daraufhin mit Elektra Records zusammengeschlossen wurde. David Geffen blieb bis 1975 Chef von Elektra/Asylum Records, dann wechselte er in die Führungsetage von Warner Bros. Records.

In den 1970er Jahren nahm Elektra u. a. Popmusiker wie Neil Sedaka, Tony Orlando & Dawn, The Sparks und The Cars unter Vertrag, außerdem den früheren Rock-'n'-Roll-Musiker Jerry Lee Lewis, der damals vor allem Country-Musik aufnahm. Von 1973 bis 1982 veröffentlichte Elektra die neun Parlophone-Alben der britischen Rockband Queen in den USA (1973 »Queen«, 1974 »Queen II«, 1974 »Sheer Heart Attack«, 1975 »A Night At The Opera«, 1976 »A Day At The Races«, 1977 »News Of The World«, 1980 »The Game«, 1981 »Flash Gordon«, 1982 »Hot Space«). In den 1980er und 1990er Jahren gehörten die Heavy-Metal Band Metallica, The Cars, Third Eye Blind, Luna, Anita Baker, Stereolab, Teddy Pendergrass und Tracey Chapman zu den erfolgreichen Elektra-Musikern.

In den 1980er Jahren wurde das Label Asylum immer seltener verwendet und 1989 kam es zur Umbenennung von Elektra/Asylum Records in Elektra Entertainment.

2003 verkaufte der Mutterkonzern Time-Warner (bis 1989 Warner Communications) die Warner-Musiksparte – seit 1990 Warner Music – an eine internationale Investorengruppe. 2004 wurde die Atlantic Records Group gebildet, zu der neben Atlantic Records, Atco Records und East West Records auch Elektra Records gehörte. Auf dem Label Elektra wurden in dieser Zeit Platten von Björk, Charlotte Gainsbourg, Tracey Chapman und Yolanda Adams veröffentlicht.

2018 wurde die Elektra Music Group (Black Cement, Elektra, FBR, Low Country Sound, Roadrunner Records) von der Atlantic Records Group abgespalten. Aus dem Zusammenschluss der Elektra Music Group mit dem 2012 gegründeten Label 300 Entertainment, das Warner Music 2021 übernommen hatte, entstand 2022 300 Elektra Entertainment (3EE).

Text: Toralf Czartowski