Markenlexikon

Branche: Bauindustrie

DYWIDAG

Deutschland

Wilhelm Gustav Dyckerhoff (1805 – 1894), der seit 1864 gemeinsam mit seinen Söhnen Gustav Dyckerhoff und Rudolf Dyckerhoff eine Zementfabrik in Wiesbaden (Mainz-Amöneburg) betrieb (Portland-Cementfabrik Dyckerhoff & Söhne; die heutige Dyckerhoff GmbH Wiesbaden) gehörte 1865 neben dem Kaufmann Heinrich Lang und dem Bauinspektor Franz Serger auch zu den Gründern der Cementwarenfabrik Lang & Cie. in Karlsruhe. Die Firma stellte anfangs Betonwaren wie Skulpturen, Behälter, Rohre und Pflasterungen her. Nachdem Dyckerhoffs Sohn Eugen Julius Richard Dyckerhoff (1844 – 1924) und dessen Schwiegervater Gottlieb Widmann (1817 – 1894) in das Unternehmen eingetreten waren, wurde es 1869 in Dyckerhoff & Widmann KG (ab 1907 AG) umbenannt. Unter Eugen Dyckerhoffs Leitung entwickelte sich die Dyckerhoff & Widmann AG (DYWIDAG) zu einer Baufirma. Eines der bekanntesten frühen Bauprojekte von Dyckerhoff & Widmann war die von 1911 bis 1913 erbaute Jahrhunderthalle in Breslau (Wrocław), eine Veranstaltungshalle aus Stahlbeton, die seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

1935 verlegte die Dyckerhoff & Widmann AG ihren Hauptsitz nach Berlin. 1937 erwarb der Rechtsanwalt Erich Ferdinand August Lübbert (1883 – 1963), der seit 1928 im Aufsichtsrat der Firma saß, über die Dr. Lübbert & Co. KG die D&W-Aktien und wandelte das Unternehmen in eine Kommandidgesellschaft um, deren persönlich haftender Gesellschafter er neben Hans Kreißelmeier, Eugen Schulz und Gustav Wolff wurde. Lübbert war in den frühen 1920er Syndikus und Aufsichtsratsmitglied verschiedener Diamantenminen in Süd- und Südwest-Afrika gewesen. Nach seiner Rückkehr aus Afrika wurde er 1924 Generaldirektor der Aktiengesellschaft für Verkehrswesen, einer Holdinggesellschaft für mehrere kleinere Eisenbahn-Aktiengesellschaften.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs war das nun in München ansässige Unternehmen als Generalunternehmer im schlüsselfertigen Ingenieurbau, Hochbau, Industriebau, Untertagebau sowie als Fertigteilhersteller tätig. Im Jahr 1972 fusionierte DYWIDAG mit der Siemens Bauunion (SBU), eine 1921 gegründete Tochtergesellschaft der Siemens & Halske AG und der Siemens-Schuckert-Werke GmbH, die Bauvorhaben für den Siemens-Konzern übernahm. 1970 wurde die KG wieder in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

1991 erwarb DYWIDAG von der Treuhandanstalt die Union-Bau AG (Hoyerswerda), das damals größte ostdeutsche Bauunternehmen (vormals VEB BMK Kohle und Energie). Im gleichen Jahr übernahm die WB - Walter Bau AG, ein ab 1978 unter der Leitung des Bauingenieurs und Architekten Ignaz Walter aus dem Zusammenschluss der Thosti Bau AG (Thormann + Stiefel) und Boswau & Knauer AG entstandener Baukonzern aus Augsburg, 51 Prozent der Dyckerhoff & Widmann-Aktien und 1993 weitere 25 Prozent. 2001 wurde DYWIDAG mit der finanziell bereits angeschlagenen Walter Bau AG zur »Walter Bau AG vereinigt mit Dywidag« (inkl. der Ed. Züblin AG) verschmolzen. 2005 musste dieses Unternehmen schließlich Insolvenz beantragen, nachdem mehrere Banken und Versicherungen bereits im Jahr 2000 die vorhandene Bürgschaftslinie um mehr als 50 Prozent herabgesetzt hatten. Als Gründe für die Insolvenz wurden u.a. die Krise der deutschen Bauwirtschaft, fehlerhafte Bilanzierung, Vernachlässigung des Auslandsgeschäfts und ein verlustreicher Schlüsselfertigbau genannt.

Wesentliche Teile der Walter-Gruppe (Dywidag SF und Ing.-Bau GmbH, Dywidag International GmbH, Walter Heilit Verkehrswegebau GmbH, Ed. Züblin AG) wurden anschließend von der österreichischen STRABAG SE übernommen. Die österreichische Dywidag wurde von der G. Hinteregger & Söhne Baugesellschaft m.b.H. aus Salzburg erworben und als eigenständiges Unternehmen mit Sitz in Linz (Dyckerhoff & Widmann Gesellschaft m.b.H.) weitergeführt. DYWIDAG-Systems International München (DSI; Berg- und Tunnelausbau, Concrete Accessories) wurde 2005 an den Finanzinvestor Industri Kapital verkauft.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.01.2020 | 21:56