Markenlexikon

Branche: Bauindustrie

Dyckerhoff

Deutschland

Wilhelm Gustav Dyckerhoff (1805 – 1894) betrieb ab 1835 einen Porzellan- und Steingut-Großhandel in Mannheim, der sich vor allem mit dem Vertrieb von Produkten des Keramik-Herstellers Villeroy & Boch beschäftigte. 1850 gab er seine erste Firma auf und wurde Prokurist in der Mannheimer Verkaufsniederlassung von Villeroy & Boch. Ab 1861 fand er im Handel mit Zement ein neues Tätigkeitsfeld. Im Juni 1861 gründete er gemeinam mit Carl Brentano in Hattenheim im Rheingau das Zementwerk Dyckerhoff & Brentano. 1863 errichtete die Firma in Mainz-Amöneburg (heute ein Stadtteil von Wiesbaden) den ersten Ringofen zum Brennen von Ziegeln, Tonwaren, Kalk und Gips. Das Unternehmen erwirtschaftete jedoch nur Verluste, sodass Dyckerhoff 1864 den Vertrag mit Bretano auflöste und mit seinen Söhnen Gustav Dyckerhoff und Rudolf Dyckerhoff (1842 – 1917) in Mainz-Amöneburg die Portland-Cementfabrik Dyckerhoff & Söhne ins Leben rief.

Der Begriff Portland-Zement wurde von dem Erfinder Joseph Aspdin (1778 – 1855) geprägt und lehnt sich an einen farblich ähnlichen Kalkstein an, der auf der Halbinsel Portland an der englischen Kanalküste abgebaut wird (Portland Stein).

Rudolf Dyckerhoff, ein Maschinenbauer und Chemiker, war als technischer Leiter für die Produktion verantwortlich, Gustav übernahm die kaufmännische Leitung. Die neue Zementfabrik wuchs schon in den ersten Jahren rasant. Bereits 1886 wurde der Dyckerhoff-Zement in über 100 Länder exportiert; er fand u.a. beim Bau der Metropolitan Opera (New York), des Waldorf Astoria Hotels (New York) und des Fundaments der Freiheitsstatue Verwendung.

1865 gehörte Wilhelm Gustav Dyckerhoff zusammen mit dem Kaufmann Heinrich Lang und dem Bauinspektor Franz Serger zu den Gründern der Cementwarenfabrik Lang & Cie. in Karlsruhe. Die Firma stellte anfangs Betonwaren wie Skulpture, Behältern, Rohre und Pflasterungen her. Nachdem Dyckerhoffs Sohn Eugen Julius Richard Dyckerhoff (1844 – 1924) und dessen Schwiegervater Gottlieb Widmann (1817 – 1894) in das Unternehmen eingetreten waren, wurde es 1869 in Dyckerhoff & Widmann KG (ab 1907 AG) umbenannt. Unter Eugen Dyckerhoffs Leitung entwickelte sich die Dyckerhoff & Widmann AG (DYWIDAG) zu einer Baufirma.

Die Dyckerhoff & Söhne GmbH Wiesbaden (ab 1911 unter diesem Namen) entwickelte sich in den nächsten Jahrezehnten zu einem weltweit führenden Zementhersteller. In den Niederlanden entstand 1921 das Vertriebsunternehmen N.V. Dyckerhoff's Cement Handelsmaatschappij. 1931 schloss sich Dyckerhoff & Söhne mit der Wicking'schen Portland-Cement und Wasserkalkwerke AG (Münster) zur Portland-Zementwerke Dyckerhoff-Wicking AG zusammen. Die Wicking-Werke besaßen ein 1930 in Betrieb genommenes Zementwerk auf dem Gelände der ehemaligen Krupp-Hermannshütte in Neuwied (Rheinland-Pfalz). Ebenfalls 1931 entwickelte Walter Dyckerhoff (1897 – 1977) den Weißzement (Dyckerhoff Weiß), der aufgrund seines geringeren Eisenoxidgehalts und einer speziellen Herstellung weißer ist, als herkömmlicher Portlandzement. 1936 wurde das Unternehmen in Dyckerhoff Portland-Zementwerke AG (ab 1956 Dyckerhoff Zementwerke AG, ab 1985 Dyckerhoff AG) umbenannt.

1959 stieg das Unternehmen in das Geschäft mit Transportbeton ein. In den 1960er Jahren besaß Dyckerhoff sechs Zementwerke in Deutschland (Wiesbaden/Mainz-Amöneburg, Neuwied, Lengerich/Westfalen, Mark/Westfalen, Göllheim/Pfalz, Oberkassel), 1972 kam noch ein weiteres Werk in Neubeckum hinzu. 1963 begann die Expansion ins europäische Ausland (Spanien), zehn Jahre später folgte der Markteintritt in Luxemburg.

Als die Nachfrage nach Zement zwischen 1975 und 1985 zeitweise zurückging, erschloss sich Dyckerhoff mit neue Märkte, u.a. Heimwerkerprodukte wie Gips, Farben, Lacke, Dämmstoffe und Klebstoffe, Bauchemikalien und Eisenwaren. Dazu wurden mehrere neue Tochtergesellschaft gegründet (Dyckerhoff Sopro GmbH, Dytec Beteiligungs-Verwaltungsgesellschaft mbH, ispo GmbH, Eduard Dyckerhoff GmbH).

Ab Ende der 1980er Jahre expandierte Dyckerhoff durch Übernahmen, Beteiligungen und Tochtergesellschaften verstärkt auch ins Ausland (1988 Glens Falls Cement Company/USA, Sucholoschskzement/Russland, 1994 Ciments Luxembourgeois/CIMALUX, 1997 Cement Hranice/Tschechien, 1999 Lone Star Industries/USA). Außerdem erwarb Dyckerhoff 1991 das ehemalige DDR-Zementwerk in Deuna (ein Ortsteil der Gemeinde Niederorschel im thüringischen Landkreis Eichsfeld).

1995 wurde die Dyckerhoff AG in eine Management-Holding umgewandelt. Das operative Geschäft übernahmen nun Tochtergesellschaften wie Dyckerhoff Zement GmbH, Dyckerhoff Baustoffsysteme GmbH, Dyckerhoff Beton GmbH (Transportbeton) oder Dyckerhoff Ausbauprodukte GmbH.

Zwischen 2001 und 2013 übernahm der italienische Zement- und Baustoffhersteller Buzzi Unicem S.p.A. aus Casale Monferrato 100 Prozent der Dyckerhoff AG, die anschließend von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt wurde. 2004 schlossen Buzzi Unicem (RC Cement) und Dyckerhoff (Lone Star) ihre US-Aktivitäten in dem Unternehmen RC Lonestar Inc. (Wilmington/Delaware; Werke in Cape Girardeau/Missouri, Chattanooga/Tennessee, Festus/Missouri, Greencastle/Indiana, Maryneal/Texas, Pryor/Oklahoma und Stockertown/Pennsylvania) zusammen. An der neuen Gesellschaft hielt Buzzi Unicem einen Anteil von 51,5 Prozent und Dyckerhoff den Rest.

Die Dyckerhoff GmbH (Wiesbaden) betreibt heute (2020) Zement-, Mahl- und Kieswerke sowie Zementterminals in Deutschland (Berlin, Deuna, Erwitte, Geseke, Göllheim, Hamburg, Lengerich, Leubingen/Sömmerda, Neuss, Neuwied, Trebur-Geinsheim, Wiesbaden/Mainz-Amöneburg), Luxemburg (Esch-Sur-Alzette, Rumelange), Polen (Nowiny), den Niederlanden (Nieuwegein), in Russland (Korkino, Omsk, Suchoi Log), der Tschechischen Republik (Hranice) und der Ukraine (Rivne, Mykolajiv). Darüber hinaus gibt es in Europa über 200 Transportbeton-Werke (Deutschland, Niederlande, Polen, Russland, Tschechische Republik, Ukraine).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 17.03.2020 | 23:51