Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Dot Records

Ursprungsland: USA

Randolph Clay (Randy) Wood (1917 – 2011) gründete 1945 in Gallatin/Tennessee in der Nähe von Nashville ein Elektrogeschäft, das auch Schallplatten verkaufte. Bald darauf rief er zusammen mit den Radio-DJs Gene Nobles und Bill (Hoss) Allen einen Versandhandel für Schallplatten ins Leben (Randy's Record Shop), der seltene Rhythm & Blues-Platten, die im regulären Handel nur schwer zu bekommen waren, an die zumeist jugendlichen Kunden verschickte. Nachdem Wood Miteigentümer einer lokalen Radiostation geworden war, rief er Anfang 1950 zusammen mit Gene Nobles die Plattenfirma Dot Records ins Leben. Zunächst veröffentlichte das neue Label vor allem Cover-Versionen von R&B-Hits, die von weißen Sängern für ein jugendlich weißes Publikum gesungen wurden. 1956 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Los Angeles.

Den ersten Pop-Hit hatte Dot Records 1952 mit dem Titel »Tryin« von den Hilltoppers. Zum größten Dot-Star entwickelte sich der Balladen-Sänger und Schauspieler Pat Boone, dessen Popularität nur noch von Elvis Presley übertroffen wurde. Er bescherte dem Label sechs Nummer-Eins-Hits: »Ain't That a Shame« (1955), »I Almost Lost My Mind« (1956), »Don't Forbid Me« (1957), »Love Letters In The Sand« (1957), »April Love« (1957) und »Moody River« (1961). Nachdem in den 1960er Jahren die Beatmusik aufgekommen war, ließ sein Erfolg jedoch nach. Große Erfolge feierte das Label auch mit Billy Vaughn, dem früheren Pianist und Sänger der Hilltoppers. Vaughn, der auch als musikalischer Direktor und Produzent bie Dot Records arbeitete, hatte mit seinem Orchester bis Anfang der 1960er Jahre zahlreiche Hits (»Aloha Oe«, »Blue Hawaii«, »La Paloma«, »Melody Of Love«, »Sail Along, Silv’ry Moon«, »Wheels«), nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

1957 verkaufte Wood seine Firmen (Dot Records, Randy's Record Shop, Randy-Smith Publishing, Wood-Spina Künstleragentur) an die Filmgesellschaft Paramount Pictures, blieb aber noch bis 1967 Präsident von Dot Records und wurde gleichzeitig Vizepräsident von Paramount Pictures. Die Paramount-Tochter Famous Music veröffentlichte auf dem Dot-Label anschließend auch Soundtrack-Platten aus den eigenen Filmen. Paramount Pictures konnte den eigenen Firmennamen nicht für den Musikbereich verwenden, da sich die 1949 abgespaltene Kinokette United Paramount Theatres, die sich 1953 mit der Rundfunk-Gesellschaft ABC zusammengeschlossen hatte, seit 1955 das Plattenlabel ABC-Paramount verwendete. 1968 wurde Dot Records in ein Country-Label umgewandelt und der Firmensitz nach Nashville/Tennessee verlegt.

Nachdem Randy Wood Dot Records verlassen hatte, gründete er gemeinsam mit dem Bandleader Lawrence Welk, der ebenfalls bei Dot unter Vertrag gestanden hatte, die Plattenfirma Ranwood Records, aus der 1979, als Wood ausgestiegen war, die Welk Music Group entstand.

1974 verkaufte Paramount Pictures den gesamten Musikbereich (Blue Thumb Records, Dot Records, Paramount Records) – mit Ausnahme des Musikverlags Famous Music – an ABC Records (vormals ABC-Paramount Records). ABC gab das Label Dot 1978 auf. Ein Jahr später wurde ABC Records von dem Unterhaltungskonzern MCA/Universal (heute Universal Music Group) übernommen. MCA reaktivierte das Label 1985/1986 kurzzeitig für die Veröffentlichung einiger Country-Alben. Von 2014 bis 2017 wurde es von einem Jointventure aus Big Machine Records und Republic Records (Universal Music) verwendet.

Text: Toralf Czartowski