Markenlexikon

Branche: Musikinstrumente

Dobro

USA

Der Müller Jozef Dopjera aus Dolná Krupá (Slowakei) spielte nicht nur Geige, er baute auch eigene Instrumente, die sich in der Slowakei einen guten Ruf erwarben. 1908 emigrierte die Familie nach Los Angeles/California, wo sie zunächst Geigen und Banjos bauten und reparierten. Jozefs Sohn John Dopyera (1893 – 1988) entwickelte 1926/27 die erste Resonator-Gitarre. Diese Gitarren haben einen Holz- oder Metall-Korpus und die Schallöffnungen (Resonator) sind so konstruiert, dass sie wie Lautsprecher wirken. Zunächst wurden die Dobros von Jazzbands eingesetzt, in denen sich die Gitarren gegenüber den Bläsern Gehör verschaffen mussten (funktionsfähige E-Gitarren waren erst in den frühen 1930er Jahren verfügbar), später entwickelten sie sich zum bevorzugeten Instrument von Blues- und Country-Bands.

Zur Produktion gründeten John Dopyera und der damals bekannte Gitarist George Beauchamp 1927 die National String Instrument Company; die ersten Resonator-Gitarren mit Metallkorpus (Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, später auch Messing und Stahl) und drei kleinen Aluminium-Resonatoren (Tricones) wurden unter dem Markennamen National verkauft. Bereits ein Jahr später verließ John die National String Instrument Company wieder und gründete mit seinen Brüdern Rudy, Emile, Robert und Louis Dopyera die Dobro (DOpyera BROs.) Manufacturing Company, die nun Gitarren mit Holzkorpus und einem großen Resonator (Single-Cones) fertigte. 1935 kam es zum Zusammenschluss mit der National String Instrument Company zur National Dobro Company. 1941, als die USA in den 2. Weltkrieg eintraten und keine Metalle mehr für die Instrumentenproduktion zur Verfügung standen, wurde National Dobro aufgelöst. 1942 gründeten Louis Dopyera, Victor Smith und Al Frost die Valco Corporation, die zunächst Flugzeugteile produzierte. Nach dem Ende des Krieges nahm Valco die Gitarrenproduktion kurzzeitig wieder auf. Ab 1959 bauten Rudy und Emile Dopyera Gitarren unter dem Markennamen DB Original. 1961 erwarben beide von Valco den alten Markennamen Dobro, verkauften die Rechte aber schon 1966 wieder an Semie Moseley (Mosrite Guitars).

1967 gründeten Rudy, Emile und ihre Schwester Gabriela Lazar in Huntington Beach/California die Original Musical Instruments Company (O.M.I.) und begannen erneut mit der Gitarrenproduktion, nun unter den Markennamen Hound Dog (Gitarren) und Dopyera Bros. (Banjos). 1970, ein Jahr nachdem Mosrite Konkurs angemeldet hatte, erwarb O.M.I. die Dobro-Markenrechte zurück. 1993 wurde O.M.I. von der Gibson Guitar Corporation übernommen und in Gibson Original Acoustic Instruments Division (Dobro Resonator Guitars, Gibson und Flatiron Mandolins, Gibson Banjos) umbenannt.

Die in Europa wohl bekannteste Abbildung einer Dobro-Gitarre befindet sich auf dem Dire-Straits-Abum »Brothers in Arms«. Bei dieser Gitarre handelt es sich um eine National Dobro Style O aus dem Jahr 1937. Im Gegensatz zu herkömmlichen Gitarren werden Dobros häufig als Slide-Guitar mit Bottenlecks (Glas- oder Metallröhrchen) am Finger oder Steel Bars (massiver Metallstab) gespielt. Country-Musiker legen ihre Dobros beim Spielen gerne wie eine Hawaii-Gitarre auf die Oberschenkel.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 20.04.2020 | 14:42