Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

DJM Records

Großbritannien

Dick James (eigtl. Richard Leon Isaac Vapnick; 1920 – 1986) war in den 1940er und 1950er Jahren zunächst Sänger in verschiedenen Tanzorchestern und Bands. 1952 startete er eine vielversprechende Solokarriere. Der von ihm gesungene und von George Martin für EMI-Parlophone produzierte Titelsong zur britischen TV-Serie »Die Abenteuer von Robin Hood« verkaufte sich 1956 über 500.000 Mal. Da er jedoch schon früh seine Haare verlor, beendete er seine Karriere als Sänger bald darauf.

Bereits von 1953 bis 1958 hatte für den Musikverlag von Sidney Bron, den Vater des Bronze-Records-Gründers Gerry Bron, gearbeitet. 1961 gründete er seinen eigenen Musikverlag Dick James Music Publishing Ltd. Über George Martin und Parlophone kam er mit den Beatles in Verbindung, denen er einen Song anbot, der zwar aufgenommen, aber nie veröffentlicht wurde. Zu dieser Zeit suchte der Beatles-Manager Brian Epstein gerade einen neuen Musikverlag, da er mit den Marketing-Maßnahmen des EMI-Musikverlags Ardmore & Beachwood unzufrieden war. Über den Beatles-Produzenten George Martin kam der Kontakt zwischen Dick James und Brian Epstein zustande. Nachdem es James gelungen war, die Beatles mit ihrer neuen Single »Please Please Me« in der populären TV-Sendung »Thank Your Lucky Stars« unterzubringen, war Epstein überzeugt, den richtigen Musikverlag gefunden zu haben.

1963 wurde der neue Musikverlag Northern Songs Ltd. gegründet, der Dick James (50 Prozent), den Beatles (40 Prozent) und Brian Epstein (10 Prozent) gehörte. Der Verlag verwaltete ab sofort alle von den Beatles-Mitgliedern geschriebenen Songs. Die ungewöhnlichen Beteiligungsverähltnisse führten dazu, dass Dick James den größen Teil der Verlagseinnahmen bekam, während die Hauptkomponisten John Lennon und Paul McCartney anstatt der üblichen 50 Prozent nur 20 Prozent Verlagstantiemen erhielten (in den USA sogar nur 15 Prozent). Der alte Vertrag mit Ardmore & Beachwood hatte westlich bessere Bedingungen geboten.

Obwohl die Beatles-Mitglieder dagegen waren, setzte sich Dick James mit dem Vorschlag durch, Northern Songs 1965 aus steuerlichen Gründen an die Börse zu bringen. Die Eigentumsverhältnisse änderten sich dadurch erneut. Dick James hielt nun 37,5 Prozent, Lennon und McCartney je 15 Prozent, die Beatles-Managementgesellschaft NEMS Enterprises 7,5 Prozent, Harrison und Starr je 0,8 Prozent und 28,2 Prozent gelangten in den Streubesitz, der von mehreren Londoner Investmentbanken gehalten wurde.

1967 gab Dick James in der britischen Musikzeitschrift New Musical Express ein Inserat auf, in dem er neue Talente für seinen eigenen Musikverlag DJM Music suchte. Darauf meldete sich ein gewisser Reginald Kenneth Dwight. Unter dem Namen Elton John sollte er schon bald weltberühmt werden. Zur Vermarktung der Elton-John-Platten gründete Dick James 1969 das Label DJM Records, das einen Vetrag mit dem Sänger schloss, der bis 1976 lief. Genauso lange lief auch der Verlagsvertrag mit DJM Music. Den Vertrieb der DJM-Platten übernahmen u.a. Pye Records (Großbritannien) und MCA Records (Nordamerika).

Als die Beatles 1969 den windigen Ex-Buchhalter Allen Klein, der schon die Rolling Stones betrogen hatte, als Finanzverwalter verpflichteten, fürchtete Dick James um seine Pfründe. Schließlich räumte Klein auch bei der chaotisch geführten Beatles-Firma Apple Corps kräftig auf. Schließlich verkaufte er seine Northern-Songs-Anteile ohne Absprache mit den Beatles 1969 an den britischen TV-Sender ATV (Associated Television), der kurz darauf auch die Anteile der Banken übernahm und so zum Hauptaktionär von Northern Songs aufstieg. Dick James wurde durch den Verkauf zum mehrfachen Millionär.

Elton John gründete 1973 mehrere eigene Firmen (Rocket Records, Big Pig Music), die zunächst andere Künstler betreuten, während seine eigenen Platten erst ab 1976 bei Rocket veröffentlicht werden konnten, als der Vertrag mit DJM ausgelaufen war. 1982 verklagte er DJM auf Rückgabe der Nutzungsrechte an seinen Komposition während der DJM-Zeit, außerdem wegen fehlerhafter Abrechnung von Tantiemen. Den Prozess gewann Elton John 1985. Nur drei Monate nach dem Urteil starb Dick James 1986 an einem Herzinfarkt. Noch im gleichen Jahr verkaufte sein Sohn den DJM-Katalog an den PolyGram-Konzern, der 1998 in der Universal Music Group aufging.

Den Musikverlag ATV Music (vorm. Northern Songs), dem damals rund 4000 Songs gehörten, erwarb 1985 Michael Jackson für 47,6 Millionen US-Dollar, nachdem Paul McCartney nicht bereit gewesen war, diese hohe Summe alleine zu zahlen. Mit John Lennons Witwe Yoko Ono konnte er sich nicht auf ein gemeinsames Angebot einigen. Ironie des Schicksal: Michael Jackson, der Anfang der 1980er Jahre mit Paul McCartney zwei gemeinsame Songs aufgenommen hatte (»Say Say Say«, »The Girl Is Mine«), erfuhr erst durch die detaillierten Erklärungen des Ex-Beatles, wie man mit Musikverlagen Geld verdienen kann. Seit 1994 gehört ATV Music zu Sony Music.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 05.12.2020 | 00:05