Markenlexikon

Deutsche Telekom

Deutschland

Obwohl die Deutsche Telekom ein relativ junges Unternehmen ist, lassen sich ihre Ursprünge bis 1877 zurückführen, als die Deutsche Reichspost die erste deutsche Telefonverbindung in Betrieb nahm (innerhalb Berlins). Seit dieser Zeit war das Fernmeldewesen in Deutschland – wie auch in den meisten anderen europäischen Ländern – ein Teil der staatlichen Post-Organisation. 1924 wurde in Berlin die Deutsche Reichs-Postreklame gegründet, die die Vermarktung von Werbeflächen der Post übernahm, u.a. in Telefonbüchern und Postgebäuden, auf Briefkästen und an Telefonzellen. 1958 nahm die Deutsche Bundespost das öffentliche Mobilfunknetz A1 in Betrieb – die Gespräche mussten bei diesem Netz noch handvermittelt werden. 1970 führte die Post den Selbstwählferndienst ein. Zu dieser Zeit war A1 das größte Mobilfunknetz der Welt. 1972 folgte das B-Netz, in dem die Teilnehmer das Ziel selbsttätig anwählen konnten, 1979 der Telefonfernkopierdienst (Telefax), 1983 der Bildschirmtext (BTX) und 1986 das C-Netz (der Anrufer musste nun nicht mehr wissen, wo sich sein gewünschter Gesprächspartner gerade befand, um ihn zu erreichen). 1986 eröffnete die Deutsche Bundespost in Fernmeldeämtern und Postämtern die ersten Telefonläden. 1988 wurden die ersten acht deutschen Großstädte an das Integrated Services Digital Network (ISDN) angeschlossen, das die Übermittlung unterschiedlicher Informationsarten wie Sprache, Text, Daten und Bildern in einem Netz ermöglichte.

1990 teilte man die Deutsche Bundespost in drei selbstständige öffentliche Unternehmen auf: Deutsche Bundespost – Postdienst, Deutsche Bundespost – Postbank und Deutsche Bundespost – Telekom. 1992 nahm die Telekom das digitale Mobilfunknetz D1 in Betrieb, das bessere Sprachqualität, kleinere Mobiltelfone und zusätzliche Dienste wie Fax oder Internetzugang ermöglichte. Im März 1994 ging die erste SMS-Kurznachricht (Short Message Service) über das D1-Netz. 1997 brachte DeTeMobil erstmals in Deutschland eine Prepaid-Karte für Mobilfunktelefone auf den Markt (T-D1 Xtra).

Im Januar 1995 wurde die Deutsche Bundespost Telekom in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Deutsche Telekom AG); die Anteile befanden sich jedoch weiterhin vollständig in Staatshand. Kurz darauf stellte die Telekom auf der Internationalen Funkaustellung in Berlin den Onlinedienst T-Online vor. Aus dem von zwei quadratischen Punkten eingeschlossen magentafarbenen Buchstaben »T«, der in ähnlicher Weise schon in der früheren Telekom-Schrift verwendet wurde, machte man zu dieser Zeit das Markenzeichen der Deutschen Telekom. Die Verwendung nur eines Buchstabens und der Farbe Magenta führte später zu mehreren gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen der Deutschen Telekom und anderen Telekommunikationsunternehmen, die ebenfalls ein »T« im Namen führen oder die Farbe Magenta benutzen.

Am 18. November 1996 ging die Deutsche Telekom AG an allen deutschen Börsenplätzen sowie in New York und Tokyo an die Börse. Aufgrund des damaligen Internet-Booms investierten auch viele Privatleute in die T-Aktie. Weitere Börsengänge folgten im Juni 1999 und im Juni 2000. Nach anfänglichen Höhenflügen stürzte die überbewertete T-Aktie nach der Jahrtausendwende deutlich ab. Die internationalen Mobilfunkaktivitäten wurden im Januar 2000 in der T-Mobile International AG zusammengefasst. Im April 2000, gerade noch rechtzeitig vor dem Niedergang des Neuen Marktes, platzierte die Deutsche Telekom ihre Internet-Tochter T-Online International AG an der Nemax 50 (der größte Börsengang des Neuen Markts). Im Juni 2006 wurde die T-Online International AG nach längerem Widerstand der freien Aktionäre wieder in die Deutsche Telekom AG eingegliedert.

Ab der Jahrtausenwende übernahm die Deutsche Telekom, die 1999 in Tokyo ihre erste Auslandsniederlassung eröffnet hatte, zahlreiche in- und ausländische Telekommunikationsunternehmen (1999 One2One/GB, Hrvatske Telekomunikacije/Kroatien, Siris/Frankreich, MaxMobil/Österreich; 2000/2002 Debis Systemhaus, Ben/Niederlande; 2001 RadioMobil/Tschechien; VoiceStream Wireless/USA; Powertel/USA; 2004 Matáv Hungarian Telecommunications; 2005 Telering/Österreich, Slovenské Telekomunikácie/EuroTel Bratislava, Gedas AG). Das Internet-Portal T-Online sowie InteractiveMedia CCSP, der Digitalvermarkter der Telekom, wurden 2015 an das Kölner Werbeunternehmen Ströer SE verkauft. Unter der Marke Congstar (bis 2007 Congster) vermarktet die Telekom-Tochter Congstar GmbH seit 2004 Mobilfunk- und Internet-Tarife, außerdem Handys/Smartphones und Tablet-PCs.

Seit 2014 versuchten die T-Mobile US Inc., die US-Tochter der Deutschen Telekom, und der US-Telekom-Konzern Sprint sich zusammenzuschließen, was jedoch immer wieder auf wettbewerbsrechtlichen Widerstand stieß. Zudem gab es unterschiedliche Preis- und Besitzvorstellungen. Erst 2020 kam es dann tatsächlich zu einer Fusion, nachdem das US-Justizministerium und die Branchenaufsicht FCC dem Zusammenschluss unter Auflagen zugestimmt hatten und Klagen von mehreren US-Bundesstaaten abgewiesen worden waren. Das vereinigte Unternehmen New T-Mobile ist nach AT&T und Verizon der drittgrößte Mobilfunkanbieter der USA.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 20.04.2020 | 12:51