Markenlexikon

Deutsche Bank

Deutschland

Das heute führende deutsche Kreditinstitut wurde im Januar 1870 von mehreren Handelsfirmen und Bankiers (u.a. Georg Johann von Siemens, Adelbert Delbrück, Ludwig Bamberger) in Berlin gegründet, um den internationalen Geldtransfer des deutschen Handels abzuwickeln, der bis dahin über den englischen Markt gelaufen war. Zwischen 1872 und 1874 entstanden Niederlassungen in London, Paris, New York, Buenos Aires, Montevideo, Shanghai und Yokohama. Durch die Übernahme des Berliner Bank Vereins und der Deutschen Union Bank stieg die Deutsche Bank AG 1876 zur größten Bank des Deutschen Reichs auf (vor der Disconto-Gesellschaft). 1888 bekam die Deutsche Bank die Konzession zum Bau und Betrieb der Anatolischen Eisenbahn und ab 1902 finanzierte sie die Bagdad-Bahn, die die Anatolische Bahn von Konya (Türkei) bis nach Bagdad verlängern sollte. Das Geldinstitut war u.a. an der Gründung und der Finanzierung mehrerer deutscher Großunternehmen beteiligt (AEG, BASF, Bayer, BMW, Daimler-Benz, IG Farben, Krupp, Mannesmann, Siemens, UFA). 1929 schloss sich die Deutsche Bank AG mit dem großen Rivalen Disconto-Gesellschaft (Berlin) zur Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft zusammen. Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Deutsche Bank an der Arisierung jüdischer Unternehmen beteiligt (Zwangsenteignung), außerdem an der Finanzierung des Konzentrationslagers Auschwitz.

1948 wurde die Deutsche Bank in zehn kleinere Regionalbanken aufgeteilt, die sich 1952 erst zu drei mittelgroßen Banken zusammenschlossen (Norddeutsche Bank AG Hamburg, Rheinisch-Westfälische Bank AG Düsseldorf, Süddeutsche Bank AG München) und dann 1957 wieder zur Deutschen Bank AG, nun mit Sitz in Frankfurt am Main. Zur gleichen Zeit beteiligte sich die Deutsche Bank an der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Wertpapiersparen mbH (heute DWS Investment GmbH); seit 2004 gehört DWS Investment, die größte deutsche Fondsgesellschaft, ganz zur Deutsche Bank Gruppe. 1989 übernahm die Deutsche Bank die britische Investment Morgan-Grenfell, 1990 das Filialnetz der DDR-Staatsbank, 1995 den Finanzbereich des US-Konzerns ITT und 1999 die US-Investmentbank Bankers Trust Corporation.

Deutsche Bank
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1995 gründete die Deutsche Bank die Bank 24 AG (Bankdienstleistungen per Telefon und Internet), in die 1999 auch das gesamte Privatkundengeschäft und der Filialbereich der Deutschen Bank integriert wurden. Gleichzeitig benannte sich die Bank 24 AG in Deutsche Bank 24 AG um. Vermögende Privatkunden (Private Banking, Privat Wealth Management) blieben von der Ausgliederung ausgenommen. Zu dieser Zeit wurde das Filialgeschäft als zu wenig ertragreich angesehen, sodass sich die Deutsche Bank vorrangig auf das Vermögens-, Unternehmens- und Investmentgeschäft konzentrieren wollte. 2002 kam es jedoch zu einem Strategiewechsel. Die Deutsche Bank 24 AG wurde um den Geschäftskundenbereich der Deutschen Bank erweitert und anschließend in Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG umbenannt.

In den 1990er Jahren leistete sich die Deutsche Bank durch die Vernachlässigung ihrer Aufsichtsratspflichten einige grobe Schnitzer (Affäre um den Immobilienunternehmer Jürgen Schneider, die Insolvenz der Klöckner-Humbold-Deutz AG, der Beinahe-Zusammenbruch der Metallgesellschaft AG, die von der Deutschen Bank initierten feindlichen Übernahmeversuche von Thyssen durch Krupp sowie Philipp Holzmann durch Hochtief).

2006 erwarb die Deutsche Bank AG die Berliner Bank AG (14.000 Firmen- und 318.000 Privatkunden), zuvor eine Tochter der Bankgesellschaft Berlin, und von der DZ Bank AG (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank) die Norisbank AG mit 334.000 Privatkunden sowie 98 Filialen in 58 Städten. Die Norisbank war 1954 als Tochtergesellschaft des Versandhauses Quelle gegründet worden. Von 1998 bis 2003 gehörte die Norisbank zur Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG. Ende 2008 erwarb die Deutsche Bank eine Beteiligung von knapp unter 30 Prozent an der Postbank AG.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 03.11.2019 | 16:11