Markenlexikon

Branche: Transport

Deutsche Bahn

Deutschland

Aufgrund der Weimarer Verfassung von 1919 wurden die Länderbahnen von Baden, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Preußen, Sachsen und Württemberg im April 1919 der Hoheit des Deutschen Reiches unterstellt und 1924 in die halbstaatliche Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (DRG) eingebracht. Diese Gesellschaft wurde mit einer Schuldverschreibung zugunsten der Sieger des 1. Weltkriegs in Höhe von elf Milliarden Goldmark belastet. Erst das Lausanne-Abkommen befreite die DRG 1931 von diesen Reparationsleistungen. 1933 gründete die DRG das »Unternehmen Reichsautobahn«, das für die Planung, den Bau und den Betrieb der deutschen Autobahnen zuständig war. Als das Saarland wieder zum Deutschen Reich gehörte, übernahm die DRG 1935 auch die Saar-Eisenbahnen. Ab 1937 befand sich die DRG in alleinigem Besitz des deutschen Staates, der die Bahn für den bevorstehenden Krieg benötigte. Das Unternehmen firmierte nun wieder als Deutsche Reichsbahn. Während des 2. Weltkriegs übernahm die Deutsche Reichsbahn auch die Eisenbahngesellschaften der unterworfenen Staaten (Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Jugoslawien, Sowjetunion).

1945 ging die Deutsche Reichsbahn in den Besitz der jeweiligen Besatzungsmächte über. Die Teile, die sich außerhalb der neuen Grenzen Deutschlands befanden, wurden den Staaten übereignet, auf deren Territorium sie sich nun befanden. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) blieb der Name Deutsche Reichsbahn aus juristischen (Zugriff auf ausländisches Reichsbahnvermögen, Erhalt der DR-Betriebsrechte für den Eisenbahn- und S-Bahnverkehr in West-Berlin) und wirtschaftlichen Gründen (Kosten einer Namensumstellung) erhalten. In der Bundesrepublik Deutschland entstand 1949 die Deutsche Bundesbahn.

Deutsche Bahn
Deutsche Bahn

1954 gehörte die Deutsche Bundesbahn neben weiteren europäischen Staatsbahnen zu den Gründungsmitgliedern der Trans-Europ-Express-Kommission in Den Haag. 1957 nahm der TEE, ein komfortabler Schnellzug mit nur einer Klasse, den Betrieb zwischen den großen europäischen Städten auf. 1968 führte die Deutsche Bundesbahn den InterCity (IC) ein, der ab 1971 den F-Zug (Fernzug) ablöste und die wichtigsten Wirtschaftszentren Deutschlands (Hamburg, Hannover, Rheinland, Ruhrgebiet, München) und Basel (Schweiz) im Zwei-Stunden-Takt miteinander verband. Anfangs gab es im IC nur Plätze der 1. Klasse. Nachdem sich jedoch die Hauptzielgruppe der Geschäftsreisenden mehr und mehr dem Flugzeug zuwandte, führte man ab 1976 auch die 2. Klasse ein, um neue Kunden für den IC zu gewinnen.

1973 übernahm die Deutsche Bundesbahn den ersten Hochgeschwindigkeitszug des Typs ET 403 (fahrplanmäßiger Einsatz ab 1974). Dieser erste ICE (InterCity Express), der von mehrerern Unternehmen entwickelt und gebaut worden war (AEG, Brown Boveri, Siemens, MAN, MBB, LHB), kam von 1982 bis 1993 als Lufthansa-Airport-Express zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Frankfurt/Main zum Einsatz. Am 2. Juni 1991 nahmen 23 ICE-I-Züge der Baureihe 401 den regulären Liniendienst zwischen Hamburg-Altona über Hannover, Göttingen, Kassel, Fulda, Frankfurt/Main, Mannheim, Stuttgart, Augsburg nach München auf.

Im Zuge der Wiedervereigung Deutschlands schlossen sich die Deutschen Bundesbahn und die Deutschen Reichsbahn im Januar 1994 zur Deutsche Bahn AG mit Sitz in Frankfurt am Main zusammen. 1996 wurde der Hauptsitz nach Berlin verlegt. Am 3. Juni 1998 kam es in der Nähe des niedersächsischen Ortes Eschede zum bis dahin weltweit schwersten Unfall mit einem Hochgeschwindigkeitszug. Ein ICE der Baureihe 401 entgleiste aufgrund eines gebrochenen Radreifens bei einer Geschwindigkeit von rund 200 km/h. 101 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, 88 wurden schwer verletzt. 2002 erwarb die Deutsche Bahn AG das Transport und Logistik-Unternehmen Stinnes AG (inkl. der Schenker AG).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 20.04.2020 | 12:39