Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Deram

Großbritannien

Stereo-Platten klangen in den frühen 1960er Jahren noch nicht optimal; man hörte die Klänge entweder nur links, in der Mitte oder rechts. Die britische Plattenfirma The Decca Record Co. Ltd. entwickelte daher ein neuartiges Aufnahmeverfahren zur Verbesserung von Stereoaufnahmen. Anstatt vier einzelnen Mono-Spuren eines 4-Spur-Recorders zu überspielen und zu mischen, setzten die Toningenieure nun zwei 4-Spur-Maschinen (professionelle 8-Spur-Rekorder waren erst ab 1968 verfügbar) ein, um mehrere 2-Kanal-Stereo-Aufnahmen zu mischen. Dadurch konnten nun die einzelnen Instrumente besser im Stereofeld verteilt werden. Decca nannte die neu Aufnahmetechnik Decca Panoramic Sound (Deramic).

Zur Vermarktung des Deramic-Sounds gründete Decca 1966 die Plattenfirma Deram, die Platten mit dieser neuen Aufnahmetechnik veröffentliche. Zu den Musikern, deren Platten bei Deram erschienen, gehörten u.a. Cat Stevens (1966 »Matthew And Son«, 1967 »The First Cut Is The Deepest«), David Bowie (1967 erstes Album »David Bowie«), The Move (1966 »Night Of Fear«), Procol Harum (1967 »A Whiter Shade Of Pale«), The Moody Blues (1967 »Nights in White Satin«), Whistling Jack Smith (1967 »I Was Kaiser Bill's Batman«), The Flower Pot Men (1967 »Let's Go To San Francisco«), White Plains (1970 »My Baby Loves Lovin'«), Frijid Pink (1970 »The House of the Rising Sun«), Ten Years After (1970 »Love Like A Man«) und Brotherhood of Man (1970 »United We Stand«, »Where Are You Going To My Love«).

Deram galt wegen Bands wie The Move, Procol Harum und The Moody Blues anfangs als Progressive-Rock-Label, doch im Gegensatz zu Harvest (EMI) und Vertigo (Philips/Phonogram) hatte Deram zahlreiche Musiker aus anderen Stilrichtungen unter Vertrag (Folk, Pop, Jazz, Rock. Blues-Rock, Hard-Rock). Ab Mitte der 1970er Jahre wurden die Veröffentlichungen immer spärlicher und zwischen 1981 erschienen nur noch eine Handvoll Platten auf diesem Label, u.a. 1982 einige Titel von Bananarama; die Band wurde dann aber zur Decca-Tochtergesellschaft London Records transferiert. London Records war bis Ende der 1970er Jahre auch für den Vertrieb der Decca- und Deram-Platten auf dem amerikanischen Kontinent zuständig.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 20.04.2020 | 12:33