Markenlexikon
Die Elektroingenieure Charles Franklin Kettering (1876 – 1958) und Edward Andrew Deeds (1874 – 1960) arbeiteten zunächst in der Entwicklungsabteilung der National Cash Register Company (NCR) in Dayton/Ohio. Gemeinsam mit mehreren weiteren NCR-Ingenieuren begannen sie 1907 in ihrer Freizeit mit der Entwicklung eines elektrischen Anlassers für Automobile, der bald darauf die nicht ganz ungefährliche Handkurbel ablöste. 1909 gründeten Kettering und Deeds die Dayton Engineering Laboratories Company (Delco). 1911 war der Elektroanlasser serienreif. Der erste Autohersteller, der ihn in seinen Automobilen einbaute, war Cadillac.
1916 wurde Delco von der United Motors Company übernommen, die der General-Motors-Gründer Bill Durant gerade erst ins Leben gerufen hatte. Zu United Motors gehörten mehrere Fahrzeugzulieferer (Harrison Radiator, Hyatt Roller Bearing, Klaxon, New Departure, Perlman Rim, Remy Electric). Nachdem Durant die Kontrolle über GM wiedererlangt hatte, ging United Motors 1918 in den Besitz von General Motors über. Kettering wurde daraufhin für viele Jahre Entwicklungschef und Vizepräsident der General Motors Research Corporation. Er war zusammen mit Thomas Midgley Jr. Anfang der 1920er Jahre auch der Erfinder des verbleiten Benzins, das das Motorklopfen beseitigen sollte. Ihm zu Ehren wurde 1955 ein Vorort von Dayton/Ohio, in dem er bis zu seinem Tode lebte, in Kettering umbenannt.
Von 1917 bis 1923 baute die Delco-Tochter Dayton-Wright in den Werken Dayton/Ohio (ursprünglich ein Wright-Werk), Moraine/Ohio und Miamisburg/Ohio Flugzeuge. Der Flugpionier Orville Wright fungierte nur als Berater. Bei den von Dayton-Wright gebauten Flugzeugen handelte es sich um Fremdmodelle, die in Lizenz hergestellt wurden (Airco De Havilland DH.4, Standard J).
Neben elektrischen Systemen für Automobile (Airbags, Antriebs- und Motorsteuerungen, Autoradios, Bremssteuerungen, Lichttechnik, Vergaser, Zündkerzen) beschäftigte sich Delco ab den frühen 1960er Jahren auch mit elektronischen Verteidigungssystemen. Der von Albert Champion 1908 gegründete Zündkerzenhersteller AC Spark Plug, der ab 1927 zu GM gehörte, wurde 1974 mit der Zündkerzensparte von United Delco zusammengeschlossen (AC-Delco).
1969/1970 entwickelte Delco gemeinsam mit Boeing und dem Marshall Space Flight Center der NASA die elektrisch betriebenen Mondmobile (Lunar Roving Vehicle), die bei den letzten drei Apollo-Mondlandungen 1971 und 1972 (Apollo 15, 16, 17) zum Einsatz kamen, um die Beweglichkeit der Astronauten zu erhöhen. Die drei LRV stehen bis heute auf dem Mond.
1985 erwarb General Motors die Hughes Aircraft Company und schloss sie mit seiner Tochter Delco Electronics (Fahrzeugelektronik) zur Hughes Electronics Corporation (Hughes Aircraft, Delco Electronics, Hughes Space and Communications, Hughes Network Systems) zusammen. 1997 verkaufte General Motors Teile von Hughes Electronics (Hughes Aircraft) an Raytheon. Delco wurde 1998 in den drei Jahre zuvor gegründeten GM-Fahrzeugzulieferer Delphi Automotive Systems eingegliedert.
1999 verselbstständigte GM sein Autozuliefergeschäft. Nach der Delphi-Insolvenz 2005 erwarb GM Teile seiner früheren Tochter wieder zurück (u. a. die Werke in Kokomo/Indiana). Die Marke ACDelco wird heute von General Motors für die Fahrzeugteile-Sparte verwendet.
Text: Toralf Czartowski