Markenlexikon

Branche: Nutzfahrzeuge

DAF

Niederlande

Hubertus Josephus (Hub) Van Doorne (1900 – 1979), der Sohn eines Dorfschmieds, gründete 1928 mit vier Mitarbeitern in Eindhoven die Firma Machinefabriek en Reparatieinrichting Hub van Doorne, die zunächst Schweiß- und Schmiedearbeiten für Schifffahrtsunternehmen und den ebenfalls in Eindhoven beheimateten Elektrokonzern Philips ausführte. Nachdem man sich dazu entschlossen hatte Lkw-Anhänger zu bauen, wurde die Firma, an der inzwischen auch Hubs jüngerer Bruder Wilhelmus (Wim) Antonius Vincentius van Doorne (1906 – 1978) beteiligt war, 1932 in Van Doornes Aanhangwagenfabriek (DAF) umbenannt. Da DAF bereits während des 2. Weltkriegs schwere Artillerieschlepper für das Militär gebaut hatte, wandte sich das Unternehmen nach Kriegsende dem Bau von zivilen Lastwagen und Bussen zu, was 1948 zum neuen Firmennamen Van Doorne's Automobiel Fabriek führte. Die ersten DAF-Lastwagen, ein 3-Tonner und ein 5-Tonner, kamen 1949 auf den Markt. Die Motoren bezog man zunächst vom britischen Lkw-Hersteller Leyland, ab 1957 wurden sie in Lizenz gefertigt.

DAF
DAF

1959 brachte DAF den DAF 600 auf den Markt, ein kleines zweitüriges Wägelchen mit luftgekühltem 590-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Reihenmotor (22 PS, Höchstgeschwindigkeit: 96 km/h). Eine Neuheit war das stufenlos stellbare vollautomatische Getriebe (Variomatic). Die ganzen 1960er Jahre über baute das Unternehmen verschiedene Kleinwagen (1961 – 1963 DAF 750, 1961 – 1967 DAF 30/31/32 Daffodil, 1967 – 1974 DAF 33, 1966 – 1974 DAF 44, 1968 – 1972 DAF 55), doch zwischen 1972 und 1975 verkaufte man die Pkw-Produktion und das 1966/1967 errichtete Pkw-Werk in Born (Limburg) an den schwedischen Volvo-Konzern, der den DAF 66, der 1972 auf den Markt gekommen war, in Volvo 66 umbenannte und bis 1980 weiterbaute. DAF konzentrierte sich daraufhin wieder ganz auf die Nutzfahrzeugproduktion.

1987 erwarb DAF die Nutzfahrzeugsparte von British Leyland (Leyland Vehicles, Freight-Rover) sowie das dazugehörige Werk in Leyland/Lancashire. 1989 ging die DAF Trucks N.V. in Amsterdam und London an die Börse. Anfang der 1990er Jahre kam das Unternehmen jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, die 1993 zum Konkurs führten, und 1996 zur Übernahme durch den US-Konzern Paccar (Pacific Car and Foundry Company), zu dem bereits Foden aus Großbritannien sowie die US-Truckhersteller Kenworth und Peterbilt gehörten. Ein Jahr später übernahm Paccar auch Leyland Trucks, woraufhin die 1980 nördlich von Leyland neuerrichtete Fabrik direkt Paccar angegliedert wurde. Die Transporter-Sparte LDV (Leyland-DAF Vans) war bereits 1993 verselbstständigt worden. Die in Großbritannien verwendete Marke Leyland-DAF wurde im Jahr 2000 zugunsten von DAF aufgegeben, lediglich die Firma heißt noch Leyland Trucks.

Die DAF Trucks N.V. produziert in ihren beiden Werken in Eindhoven und Westerlo (Belgien) sowie bei Paccar/Leyland Trucks in Leyland die drei Lkw-Baureihen LF (leichte Lkw), CF (mittelschwere Lkw) und XF (schwere Lkw).


Leyland

James Sumner (1860 – 1924), der Sohn eines selbstständigen Schmieds, und die Brüder George und Henry Spurrier, zwei Finanziers aus Manchester, gründeten 1896 in Leyland, einem kleinen Ort in der englischen Grafschaft Lancashire (nördlich von Liverpool), die Lancashire Steam Motor Company. Zunächst bauten sie Dampffahrzeuge, ab 1904 gab es auch benzinbetriebene 1,5 Tonnen Lastwagen. 1907 wurde Leyland Motors Ltd. gegründet, ein Unternehmen, das sich anfangs nur dem Bau von Lastwagen widmete, von 1920 bis 1923 jedoch auch große luxeriöse Limousinen herstellte. Hauptstandbein blieb jedoch stets die Produktion von Lastwagen und Bussen, die Leyland das Geld brachten, während die Personwagen kaum zum Gewinn beitrugen.

Dank staatlicher Unterstützung und dem riesigen ehemaligen Kolonialreich, das seit 1948 im Commonwealth of Nations zusammengefasst war, wurde Leyland Mitte der 1950er Jahre zum weltgrößten Lastwagenexporteur. In dieser Zeit übernahm Leyland auch mehrere andere Nutzfahrzeughersteller (1951 Albion, 1955 Scammell Lorries, 1960 Pegaso, 1962 ACV/Associated Commercial Vehicles inkl. AEC und Thornycroft, 1965 Bristol Commercial Vehicles) und Pkw-Hersteller (1961 Standard-Triumph, 1967 Rover/Land-Rover/Alvis). Leyland war neben Royal Ordnance Factories und Vickers auch an der Produktion der britischen Panzer Cromwell, Centaur, Centurion und Chieftain beteiligt.

1968 schloss sich die Leyland Motor Corporation mit der British Motor Holdings (Austin, Mini, MG, Morris, Riley, Vanden Plas, Wolseley) zur British Leyland Motor Corporation zusammen. Die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre, langwierige Streiks, gravierende Qualitätsmängel und Markenverwässerung im Pkw-Bereich setzten dem Konzern jedoch schwer zu. Ende 1974 war British Leyland pleite und musste im Jahr darauf verstaatlicht werden (British Leyland Ltd.; ab 1978 BL Limited).

1979, als die konservative Thatcher-Regierung an die Macht kam, machte man sich in staatlichen Kreisen zunehmend Gedanken über eine Privatisierung des maroden Konzerns. 1981 verkaufte BL zunächst Alvis (Armeefahrzeuge) an United Scientific Holdings und Pegaso (Spanien) an die International Harvester Company (USA). 1982 wurde BL in drei Bereiche aufgeteilt: Austin-Rover Group (Austin, Land-Rover, MG, Mini), Jaguar Cars und Leyland Vehicles (Nutzfahrzeuge, Busse). Jaguar Cars schied 1984 aus dem Konzern aus (Platzierung an der Börse). Zu diesem Zeitpunkt waren viele BL-Marken endgültig vom Markt verschwunden (Albion, MG, Morris, Riley, Thornycroft, Triumph, Vanden Plas, Wolseley). Mit der Umbenennung der BL Limited in Rover Group (1986) endete die Existenz des British-Leyland-Konzerns. Die Leyland-Bus-Produktion ging zunächst in den Besitz des damaligen Managements über, das es 1988 schließlich an den schwedischen Volvo-Konzern verkaufte. Ashok-Leyland, einer der größten indischen Lastwagenhersteller, wurde von Iveco und der indischen Hinduja Group übernommen.

1987 erwarb DAF die Nutzfahrzeugsparte von British Leyland (Leyland Vehicles, Freight-Rover) sowie das dazugehörige Werk in Leyland/Lancashire.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 25.11.2019 | 21:21