Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Cosworth

Ursprungsland: Großbritannien

Michael (Mike) Charles Costin (* 1929) arbeitete ab 1950 als Ingenieur bei dem Flugzeughersteller De Havilland, ebenso wie sein älterer Bruder Frank Costin. Beide gingen bald darauf in den Motorsport, zunächst zum Renn- und Sportwagenbauer Lotus. Mike wurde 1956 Technischer Direktor von Lotus. Frank gründete 1959 Marcos Cars und war für Firmen wie Protos und Maserati als Konstrukteur tätig. Bei Lotus lernte Mike Costin auch den Ingenieur Keith Duckworth (1933 – 2005) kennen. 1958 gründeten beide in London die Firma Cosworth Engineering. Zunächst beschäftigte sich Cosworth mit der Motorenbetreuung für verschiedene Rennfahrer sowie mit dem Tuning von Ford-Motoren.

Für die Formel-1-Saison 1966 war die Hubraumgrenze der Saugmotoren von 1,5 Liter auf 3,0 Liter angehoben worden, was bedeutete, dass komplett neue Motoren entwickelt werden mussten. Das schafften nur Ferrari, Maserati und Repco. Deren Motoren waren aber nicht frei erhältlich, sondern wurden nur exklusiv an bestimmte Teams geliefert (Brabham-Repco, Cooper-Maserati, Scuderia Ferrari). Coventry Climax, einer der wenigen Anbieter von Kundenmotoren, hatte sich nach der Übernahme durch Jaguar gerade aus dem Motorsport zurückgezogen. So mussten die übrigen Rennställe mit Übergangslösungen auskommen (bis 2,5 Liter aufgebohrte Hubräume).

Daher wandte sich Colin Chapman, der Eigentümer von Lotus, an seine ehemaligen Angestellten Costin und Duckworth, mit der Bitte, einen leistungsstarken Motor zu entwickeln. Cosworth nahm die Herausforderung an, obwohl die Firma bisher nur Großserienmotoren von Ford für Rennzwecke modifiziert hatte. Da Lotus die notwendigen Investitionen nicht alleine stemmen konnte, holte man den Ford-Konzern mit ins Boot. Ford war damals schon im Motorsport vertreten (NASCAR, Langstreckenrennen), aber nicht in der Formel 1. Cosworth entwickelte auf Basis eines Ford-Cortina-Blocks einen Vierzylindermotor für die Formel 2 (Ford Cosworth FVA = Four Valve) und einen Achtzylindermotor für die Formel 1 (Ford Cosworth DFV = Double Four Valve).

Cosworth
Cosworth

Zunächst bekam Lotus den Motor in der Saison 1967 exklusiv. Aber schon ab der nächsten Saison setzte Ford durch, dass der Motor auch an andere Rennställe geliefert wurde, da so der Werbeeffekt für Ford größer war. Der relativ preiswerte Cosworth DFV dominierte von 1967 bis 1982 die Formel 1 und wurde von fast allen damals aktiven Rennställen eingesetzt. Mit Ausnahme der Jahre 1975 und 1979, in denen Ferrari F1-Weltmeister wurde, gewann von 1968 bis 1982 jedes Jahr ein Rennwagen mit Cosworth-Motor die WM. Erst mit dem Aufkommen der Turbomotoren in den 1980er Jahren wurden die Cosworth-Motoren allmählich in den Hintergrund gedrängt. Der DFV-Motor kam auch in der Formel 3000 (ab 1985 Nachfolger der Formel 2), in Sportwagenrennen (Variante DFL) und in den US-Serien CART und Champ Car (Varianten DFX und DFS) zum Einsatz, wo sie ähnlich erfolgreich waren.

1980 verkauften die Gründer Cosworth an United Engineering Industries (UEI), einen Zusammenschluss mehrerer mittelständischer Technologiefirmen. 1988 wurde das Medienunternehmen Carlton Communications neuer UEI-Eigentümer, das aber mehr an den UEI-Elektronikfirmen interessiert war. Carlton veräußerte Cosworth 1990 an den Vickers-Konzern (Rolls-Royce/Bentley). Nachdem Vickers Rolls-Royce/Bentley 1998 an den Volkswagen-Konzern verkauft hatte, wurde Cosworth in zwei Unternehmen aufgeteilt: Cosworth Technology mit Werken in Northampton, Wellingborough, Worcester und Novi/Michigan (Konstruktion und Entwicklung von Motoren) kam unter das Dach der VW-Tochter Audi und Cosworth Racing mit Werken in Northampton, Indianapolis/Indiana und Mooresville/North Carolina (Motoren für Rennwagen, Sportwagen und Drohnen, Prototypen-Entwicklung, Elektronische Systeme und Software für den Motorsport) übernahm Ford. 2004 verkaufte Audi Cosworth Technology an die Mahle-Gruppe aus Stuttgart, die das Unternehmen in Mahle-Powertrain umbenannte, und Ford veräußerte Cosworth Racing im gleichen Jahr an die Rennstallbesitzer Jerry Forsythe und Kevin Kalkhoven.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Public Domain