Markenlexikon

Cliff

Deutschland

Cliff ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, was passiert, wenn das Marketing auch einer zunächst erfolgreichen Marke sträflich vernachlässigt wird. Bestenfalls landet man in den untersten Supermarkt-Regalen, im schlechtesten Fall verschwindet man ganz vom Markt.

Das Duschbad und Deodorant Cliff wurde 1988 als Konkurrenzprodukt zu der drei Jahre zuvor von Unilever/Elida-Gibbs lancierten Herrenpflegeserie Axe auf den Markt gebracht. Das Neue am Cliff-Duschbad war der Eukalyptus-Zusatz, der die Haut beim Duschen kühlte. Die dazugehörigen Werbespots wurden im Luxus-Badeort Acapulco an der mexikanischen Pazifikküste mit Hilfe von echten Acapulco-Cliffspringern (Clavadistas) gedreht – genauer gesagt am 42 Meter hohen Feslsen La Quebrada, von dem sich die Clavadistas kopfüber in die enge Meeresbucht stürzen. Selbstredend hieß eine Duftvariante dann auch Cliff Acapulco. Dank eines gelungenen Komplettpakets (Duft, Verpackungsgestaltung, Werbespots) erreichte das neue Duschbad bereits ein Jahr später die Marktanteile des damals fast 20 Jahre alten Platzhirschs Fa von Henkel.

Unglücklicherweise wurde die vor allem im deutschssprachigen Raum tätige Herstellerfirma Blendax aus Mainz (Blend-A-Med, Blendax Anti-Belag, Credo, Kamill, Litamin, Shamtu) damals gerade vom US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (Ariel, Dash, Lenor, Pampers, Wick) übernommen. Da solch eine Übernahme eine Menge organisatorisches Wirrwarr mit sich bringt, waren die Verantwortlichen beider Firmen einige Jahre hautsächlich mit der Integration von Blendax in den US-Konzern sowie Standortverlagerungen und Neupositionierungen beschäftigt. Zudem interessierte sich P&G mehr für die Zahnpflegeprodukte von Blendax. Die erfolgreichen Cliff-Werbespots verschwanden in den frühen 1990er Jahren aus dem TV, die Duftvarianten wurden immer ausstauschbarer und die Verpackungen sahen aus, als hätten alle daran beteiligten Designer und Gestalter bei der Entwicklung gerade Urlaub gehabt.

Mitte der 1990er Jahren war Cliff ganz unten in den Supermarkt-Regalen angekommen. Hätte man die Marke damals vom Markt genommen, wäre es vermutlich kaum jemandem aufgefallen. 1998 verkaufte P&G die alten Blendax-Marken Cliff, Credo, Kamill und Litamin dann schließlich an den deutschen Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Burnus (Burnus, Burti, Gysolid, Hirsch, Sibonet, Tuppix), der die Marke mühsam wieder neu aufbauen musste.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.04.2020 | 16:43