Markenlexikon

Chevron / Texaco / Caltex / Unocal

USA

Kurz nachdem Edwin Laurentine Drake (1819 – 1880) 1859 in Titusville/Pennsylvania die ersten größeren unterirdischen Erdölvorkommen der USA entdeckt hatte, stieß man auch in Kalifornien auf Öl. Aber erst um die Jahrhundertwende nahmen die Funde größere Ausmaße an. Die neuen Ölquellen zog auch Rockefellers Standard Oil Company in den sonnigen Bundesstaat am Pazifik. 1900 erwarb der Standard-Oil-Konzern die 1879 von Charles Felton, Frederick Taylor und Demetrius Scofield gegründete Pacific Coast Oil Company, die ein ergiebiges Ölfeld im Pico Canyon, nördlich von Los Angeles besaß.

1906 nahm das Unternehmen den Namen Standard Oil Company (California) an. Nach der Zerschlagung des Standard-Oil-Konzerns 1911 wurde die kalifornische Teilgesellschaft wieder selbstständig – ab 1926 unter dem Namen Standard Oil Company of California (SOCAL). 1931 führte SOCAL ein rot-weiß-blaues Logo in Form eines doppelten »V« ein, woraus der Markenname Chevron entstand. Als Chevron werden pfeilspitzenartige Verbindungen zweier Schrägbalken sowie V- und Fischgrätenmuster bezeichnet. Das Wort »chevron« geht auf das hebräische »chibur« (Verbindung) zurück.

1933 erwarb die SOCAL von König Abdul Aziz Bin Abdul Rahman Al-Saud eine Konzession zur Ölförderung in Saudi-Arabien. Als dafür zuständige Tochtergesellschaft wurde die California Arabian Standard Oil Company (Casoc) gegründet, die ab 1944 als Arabian American Oil Company (ARAMCO) firmierte. Weitere Casoc-/Aramco-Teilhaber waren Texaco (ab 1936), die Standard Oil Company of New Jersey/Esso (ab 1948) und Socony-Vacuum/Mobiloil (ab 1948). 1948 nahm ARAMCO das bis heute weltgrößte Ölfeld Ghawar im Nordosten des Landes in Betrieb. Zwischen 1973 und 1980 übernahm der saudi-arabische Staat 100 Prozent der Aramco-Anteile. 1988 wurde ARAMCO in Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco) umbenannt.

Zur gemeinsamen Ölförderung und Produktvermarktung außerhalb Nordamerikas gründeten SOCAL und Texaco im Juni 1936 in New York die California Texas Oil Company (seit 1998 Caltex Corporation ). In Europa löste man diese Verbindung 1967 auf; Socal und Texaco traten nun wieder unter ihren eigenen Namen auf. In Asien, Teilen Afrikas, Australien und Neuseeland blieb das Jointventure aber bestehen. Seit 1999 befindet sich der Hauptsitz der Caltex Corporation in Singapur (von 1983 bis 1998 in Dallas/Texas).

1984 erwarb Socal die Gulf Oil Corporation und benannte sich daraufhin in Chevron Corporation um. Nach der Fusion musste Chevron Teile des US-Tankstellenetzes von Gulf aufgrund einer Kartellauflage verkaufen (an BP und Cumberland Farms, einen Betreiber von Tankstellen, Tankstellenshops und Tankstellen-Restaurants).

2001 schlossen sich Chevron und Texaco zur ChevronTexaco Corporation zusammen (ab 2005 nur noch Chevron Corporation). Chevron wurde nun die Hauptmarke in Nordamerika, Texaco in Lateinamerika, Europa und Westafrika und Caltex in Asien, Australien, Neuseeland und Ostafrika. Durch die Übernahme der Unocal Corporation (2005), der früheren Union Oil Company of California, stieg Chevron zum viertgrößten Ölkonzern der Welt auf (nach ExxonMobil, BP und Shell).

Übernommene Unternehmen, Tochtergesellschaften, Beteiligungen (Auswahl)

Caltex

Zur gemeinsamen Ölförderung und Produktvermarktung außerhalb Nordamerikas gründeten die beiden US-Ölkonzerne Standard Oil Company of California (SOCAL) und The Texas Company (Texaco) im Juni 1936 in New York die California Texas Oil Company (Caltex; seit 1998 Caltex Corporation). In Europa löste man diese Verbindung 1967 auf; Socal und Texaco traten nun wieder unter ihren eigenen Namen auf. In Asien, Teilen Afrikas, Australien und Neuseeland blieb das Jointventure aber bestehen. Seit 1999 befindet sich der Hauptsitz der Caltex Corporation in Singapur (von 1983 bis 1998 in Dallas/Texas). 2001 schlossen sich Chevron (seit 1984 neuer Firmenname der Standard Oil Company of California) und Texaco zur ChevronTexaco Corporation zusammen (ab 2005 nur noch Chevron Corporation). Chevron wurde nun die Hauptmarke in Nordamerika, Texaco in Lateinamerika, Europa und Westafrika und Caltex in Asien, Australien, Neuseeland und Ostafrika.

Texaco

Joseph Stephen Cullinan (1860 – 1937), ein ehemaliger Angestellter von Rockefellers Standard-Oil-Konzern, der in Texas seit Jahren vergeblich nach Öl gebohrt hatte, gründete im März 1901 in Corsicana/Texas die Texas Fuel Company, ein Unternehmen, das sich mit der Lagerung und dem Transport von Erdöl beschäftigte. 1902 rief Cullinan aus rechtlichen und finanziellen Gründen in Beaumont/Texas eine neue Gesellschaft mit dem Namen The Texas Company ins Leben, die die Vorgängergesellschaft kurzerhand übernahm. Im gleichen Jahr erwarb Cullinan in der Nähe von Beaumont ein Stück Land, auf dem 1903 größere Ölvorkommen entdeckt wurden, sodass seine Firma nun auch über eigenes Öl verfügte. Kurz darauf führte man den Markenamen Texaco und das noch heute gebräuchliche Stern-Logo ein (von 1963 bis 1981 benutzte die Firma ein anderes Logo in Form eines Hexagons).

Texaco wuchs schnell zu einem der großen US-Ölkonzerne heran, kaum kleiner als die Standard Oil Company (Exxon/Esso). Bereits 1910 expandierte Texaco mit Vertriebsgesellschaften nach Europa, 1917 eröffnete in Houston die erste eigene Tankstelle, nach der Übernahme der California Petroleum Corporation (1928) verkaufte der Konzern als erste Ölgesellschaft seine Produkte in allen US-Bundesstaaten und 1931 übernahm Texaco die seit 1904 existierende Schmierölmarke Havoline, die auf die Havemeyer Oil Company zurückgeht.

1936 beteiligte sich Texaco mit 50 Prozent an der California Arabian Standard Oil Company (Casoc), die ab 1944 als Arabian American Oil Company (ARAMCO) firmierte; die Casoc war 1933 von der Standard Oil Company of California (SOCAL, Chevron) gegründet worden, nachdem das Unternehmen vom damaligen König Abd al-Aziz ibn Saud eine Konzession zur Ölförderung in Saudi-Arabien erhalten hatte. 1948 kamen noch zwei neue ARAMCO-Anteilseigner hinzu: die Standard Oil Company of New Jersey (Esso) und Socony-Vacuum (Mobiloil). Im gleichen Jahr nahm ARAMCO das bis heute weltgrößte Ölfeld Ghawar im Nordosten des Landes in Betrieb. Zwischen 1973 und 1980 übernahm der saudi-arabische Staat 100 Prozent der ARAMCO-Anteile; das Unternehmen firmiert heute als Saudi Arabian Oil Company – kurz Saudi-Aramco.

Texaco
Texaco

Zur gemeinsamen Ölförderung und Produktvermarktung außerhalb Nordamerikas gründeten Texaco und SOCAL im Juni 1936 in New York die California Texas Oil Company (seit 1998 Caltex Corporation). In Europa löste man diese Verbindung 1967 auf; SOCAL und Texaco traten nun wieder unter ihren eigenen Namen auf. In Asien, Teilen Afrikas, Australien und Neuseeland blieb das Jointventure aber bestehen.

1966 expandierte der Konzern, der seit 1959 als Texaco Inc. firmierte, mit dem Erwerb der Deutschen Erdöl AG (DEA) nach Deutschland; ab 1970 firmierte das Unternehmen als Deutsche Texaco AG (Hamburg).

1984 erwarb Texaco die Getty Oil Company, obwohl zwischen Pennzoil und Getty bereits ein mündlicher Kaufvertrag bestand. Daraufhin wurde Texaco 1985 von einem texanischen Gericht verurteilt, die gigantische Schadenersatzsumme von 11,1 Milliarden Dollar an Pennzoil zu zahlen. Das Getty-Tankstellennetz in den Bundesstaaten Connecticut, Delaware, District of Columbia, Maine, Massachusetts, New Hamphshire, New Jersey, New York, Pennsylvania, Rhode Island, Vermont, Virginia und West-Virginia musste Texaco aus kartellrechtlichen Gründen 1985 an die Firma Power Test verkaufen, die sich daraufhin in Getty Petroleum umbenannte.

1987 legte der Konzern mit einer Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Dollar den bis dahin größten Konkurs einer US-Firma hin; erst 2001 bzw. 2002 wurde dieser Rekord, der sogar im »Guinness-Buch der Rekorde« vermerkt ist, von Enron (63 Mrd. Dollar) und Worldcom (104 Mrd. Dollar) übertroffen. Das war auch einer der Gründe weshalb Texaco die Deutsche Texaco AG 1988/1989 an den deutschen Stromkonzern RWE und das kanadische Tankstellennetz an die kanadische Exxon-Tochter Imperial Oil verkaufte. Die Deutsche Texaco AG wurde anschließend in RWE-DEA Aktiengesellschaft für Mineraloel und Chemie umbenannt; die Tankstellenkette trat nun wieder unter dem alten Namen DEA auf.

2001 schlossen sich Texaco und die Chevron Corpoartion (bis 1984 Standard Oil Company of California) zur ChevronTexaco Corporation zusammen (ab 2005 nur noch Chevron Corporation). Chevron wurde nun die Hauptmarke in Nordamerika, Texaco in Lateinamerika, Europa und Westafrika und Caltex in Asien, Australien, Neuseeland und Ostafrika.

Unocal / Union Oil California

Die kalifornischen Ölfirmen Hardison & Stewart Oil Company (1883 von Wallace Libby Hardison und Lyman Stewart gegründet), Sespe Oil Company (1886 von Lyman Stewart, Wallace Hardison und Thomas Robert Bard gegründet) und Torrey Canyon Oil Company (1889 von Thomas Robert Bard gegründet) schlossen sich 1890 zur Union Oil Company of California zusammen. Der Haupsitz befand sich zunächst in Santa Paula/California und ab 1901 in Los Angeles. 1919 wurde die Union Oil Company of Delaware als Holdinggesellschaft für die Union Oil Company of California gegründet.

1922 beteiligte sich der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch/Shell mehrheitlich an der Union Oil Company of Delaware, was zur Gründung der Shell Union Oil Corporation (ab 1949 Shell Oil Company) führte. Eine vollständige Übernahme der Union Oil California durch Shell konnte jedoch auf Initiative von Lyman Stewart (1840 – 1923) und zwei weiteren Union-Oil-California-Direktoren (Henry Robinso, Isaac Milbank) mit Hilfe der Aktionäre verhindert werden. 1924 verkaufte Shell seine Union-Aktien auf dem freien Markt.

Bis in die 1960er Jahre hinein blieb Union Oil vor allem eine kalifornische Ölgesellschaft; zwei Drittel der Ölförderung stammte aus den Ölfeldern bei Los Angeles (Torrey-Canyon, Ventura). Erst danach enengierte sich der Konzern auch im Ausland und anderen US-Regionen (u.a. Indonesien, Alaska, Golf von Mexiko). Vermarktet wurde das Benzin und das Schmieröl unter der Marke Union 76. Die Zahl 76 bezieht sich auf ein 76-Oktan-Benzin, das Union Oil 1932 auf den Markt gebracht hatte. Die blaue 76 in der orangefarbenen Kugel ist bis heute eines der bekanntesten amerikanischen Markenzeichen.

1959 begann die Phillips Petroleum Company aus Oklahoma (Phillips 66) mit dem Kauf von Union-Aktien und wurde im Folgejahr mit 15 Prozent der größte Anteilseigner. Eine Gericht stoppte jedoch weiter Aktienkäufe durch Phillips Petroleum; den Anteil übernahm 1963 der Reeder Daniel Keith Ludwig, der damals die größte US-Tankerflotte besaß. 1965 erwarb Union Oil die Pure Oil Company aus Palatine/Illinois, die über ein eigenes Tankstellennetz im Mittelwesten und Südosten der USA verfügte.

Im Januar/Februar 1969 flossen zehn Tage lang rund 14.000 Tonnen Öl aus einer leckgeschlagene Union-Ölquelle im Dos Cuadras Offshore Oil Field und verschmutzen große Teile des Santa-Barbara-Kanals, die Strände des Santa Barbara Countys in Südkalifornien und mehrere Channel Islands. Als Folge verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten 1972 den Marine Protection, Research und Sanctuaries Act, der die Bildung von Meeresschutzgebieten erlaubte. Der Tanker Torrey Canyon, der der Union-Oil-Tochter Barracuda Tanker Corporation gehörte, war zwei Jahre zuvor auf ein Riff am Südende des Ärmelkanals aufgelaufen und hatte große Umweltschäden an den Küsten Englands und Frankreichs verursacht; allerdings war er bei der Unglücksfahrt am 18. März 1967 von BP gechartert.

1983 wurde die Union Oil Company of California eine Tochtergesellschaft der neuen Holdinggesellschaft Unocal Corporation. 1997 verkaufte Unocal ihr Tankstellenetz im westlichen Teil der USA und die Marke 76 an die Tosco Corporation, das damals größte unabhängige Raffinerie-Unternehmen der USA. 2001 wurde Tosco von der Phillips Petroleum Company übernommen. Aus dem Zusammenschluss von Conoco (Conoco, Jet) und Phillips Petroleum (Philips 66, Union 76) entstand 2002 die ConocoPhillips Company.

2005 wurde Unocal durch die Chevron Corporation übernommen, die dadurch zum viertgrößten Ölkonzern der Welt aufstieg (nach ExxonMobil, BP und Shell).

2012 brachte ConocoPhillips sein Mid- und Downstream-Geschäft (Transport, Raffination, Endprodukte, Vermarktung, Vertrieb, Conoco-, Jet-, Phillips-66-, 76-Tankstellen) als selbstständiges Unternehmen an die Börse. Das neue Unternehmen firmiert als Phillips 66 Company mit Sitz in Houston/Texas.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Übernommene Unternehmen, Tochtergesellschaften, Beteiligungen (Auswahl)

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Letzte Änderung der Seite: 05.10.2019 | 11:27