Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Chess Records

USA

Die in Polen geborenen Brüder Leonard Chess (eigtl. Lejzor Czyz; 1917 – 1969) und Philip Chess (eigtl. Fiszel Czyz; 1921 – 2016) wanderten 1928 mit ihren Eltern nach Chicago aus, wo sie ab 1946 mehrere Clubs betrieben. 1947 beteiligte sich Leonard Chess an der gerade gegründeten Chicagoer Plattenfirma Aristocrat Records, die Charles und Evelyn Aron, Fred und Mildred Brount sowie Art Spiegel gehörte. Muddy Waters machte dort im August 1947 seine ersten Plattenaufnahmen. 1950 wurde auch Phil Chess Teilhaber von Aristocrat Records. Nachdem die anderen Eigentümer ihre Anteile an die Chess-Brüder verkauft hatten, wurde das Unternehmen 1950 in Chess Record Corporation umbenannt.

Chess Records sowie die Sublabels Checker Records (ab 1952), Argo Records (ab 1955) und Cadet Records (ab 1965) spezialisierten sich vor allem auf die Genres Blues, Gospel, Jazz, Rhythm and Blues und Rock ’n’ Roll. Zu den Stars des Labels gehörten Bobby Charles, Bo Diddley, Chuck Berry, Etta James, Gene Ammons, Howlin’ Wolf, Jimmy Rogers, John Lee Hooker, Little Walter, Minnie Riperton, Muddy Waters, Sonny Boy Williamson, The Flamingos, The Moonglows und Willie Dixon. In den 1950er Jahren entstanden die meisten Aufnahmen in den Tonstudios der Universal Recording Corporation in Chicago; die Produktionen übernahmen die Brüder selbst. 1957 zog Chess von der South Cottage Grove Avenue in die 2120 South Michigan Avenue um, wo es nun auch ein firmeneigenes Studio gab. Ab 1965 war Chess Records in der 320 E. 21st Street ansässig.

1969 verkauften die Brüder ihr Unternehmen an General Recorded Tape (GRT), einen 1965 gegründeten Hersteller von Magnetbändern, der Chess Records nach einer Insolvenz 1975 an All Platinum Records (ab 1979 Sugar Hill Records) weiterverkaufte. Das Chess Studio in Chicago – offiziell Ter-Mar Studios genannt (nach den Gründersöhnen Marshall und Terry Chess) – schloss 1979. Sugar Hill veröffentlichte unter Beteiligung von Marshall Chess, dem Sohn von Leonard Chess, in den frühen 1980er Jahren zahlreiche alte Chess-Aufnahmen neu, die sich sehr gut verkauften. Als Sugar Hill jedoch Mitte der 1980er Jahre selbst in finanzielle Schwierigkeiten geriet, verkaufte man den Chess-Katalog 1985 an den Vertriebspartner MCA Records (heute Universal Music Group).

1995 wurden Leonard und Phil Chess in die Blues Hall of Fame aufgenommen. Leonard Chess war schon 1987 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden.

Text: Toralf Czartowski

Chess Records Logo
Chess Records Logo
Letzte Änderung der Seite: 15.12.2020 | 10:33