Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Charisma Records

Großbritannien

Tony Stratton-Smith (1933 – 1987) arbeitete in den 1950er Jahren als Sportjournalist bei den Zeitungen Daily Sketch und Daily Express. Beeinflusst von den Beatles und ihrem Manager Brian Epstein stieg er in den 1960er Jahren ins Musikgeschäft ein. Von Brian Epstein übernahm er das Management für die Liverpooler Band The Koobas und 1968 wurde er Manager der britischen Progressive-Rock-Band The Nice, nachdem sich die Band von dem früheren Rolling-Stones-Manager Andrew Loog Oldham getrennt hatte, dem auch die Plattenfirma Immediate Records gehörte, die die erste Nice-Platte veröffentlicht hatte. 1969 traf Stratton-Smith die Mitglieder der Progressive-Rock-Band Van der Graaf Generator, deren Management er fortan ebenfalls übernahm.

Ende 1969 gründete er in London seine eigene Plattenfirma Charisma Records (The Famous Charisma Label). Label-Managerin wurde Gail Colson, die zuvor persönliche Assistentin des Produzenten Shel Talmy (The Kinks, The Who, The Easybeats) gewesen war. Die erste Veröffentlichung war Anfang 1970 das Van-der-Graaf-Generator-Album »The Least We Can Do Is Wave To Each Other«. Zunächst verwendete das Label eine zirkushafte weiße Schmuckschrift auf einem pinken Untergrund. 1972 erschien das bekannte Logo mit der von Sir John Tenniel gezeichneten Figur The Hatter (Der Hutmacher; auch als Mad Hatter bekannt) aus Lewis Carrolls Roman »Alice im Wunderland« erstmals auf einer Platte. Auf manchen Platten wurde der Hatter auch noch mit weiteren Figuren aus »Alice im Wunderland« kombiniert.

Neben The Nice (1970 »Five Bridges«, 1971 »Elegy«), Van der Graaf Generator, der Folkrockband Lindisfarne (1970 »Nicely Out Of Tune«, 1971 »Fog On The Tyne«, 1972 »Dingly Dell«, 1973 »Lindisfarne Live«), der Rockband Hawkwind (1976 »Astounding Sounds, Amazing Music«, 1977 »Quark, Strangeness and Charm«, 1978 »25 Years On«, 1979 »PXR5«) und den Platten der Komikergruppe Monty Python entwickelte sich vor allem Genesis zum großen Erfolg für Charisma. Die Genesis-Platten »Trespass« (1970), »Nursery Cryme« (1971), »Foxtrot« (1972), »Genesis Live« (1973, »The Lamb Lies Down On Broadway« (1974), »A Trick Of The Tail« (1976), »Wind & Wuthering« (1976), »And Then There Were Three« (1978), »Duke« (1980), »Abacab« (1981), »Genesis« (1983) und »Invisible Touch« (1986) erschienen alle bei Charisma Records, ebenso die Solo-Werke der Genesis-Mitglieder Peter Gabriel (1977 »Peter Gabriel I«, 1978 »Peter Gabriel II«, 1980 »Peter Gabriel III«, 1982 »Peter Gabriel IV«, 1986 »So«), Mike Rutherford (1980 »Smallcreep's Day«), Tony Banks (1979 »A Curious Feeling«, 1983 The Fugitive) und Steve Hackett (1975 »Voyage Of The Acolyte«, 1978 »Please Don't Touch!«, 1979 »Spectral Mornings«, 1980 »Defector«, 1981 »Cured«).

Da Charisma keinen eigenen Vertrieb besaß, wurden die Platten in Europa von B&C Records und Phonogram (Vertigo) vertrieben, in den USA von Arista Records, Atlantic/Atco, Buddah Records, Mercury Records sowie Polydor und in Kanada von GRT und PolyGram Canada.

1983 verkaufte Stratton-Smith Charisma Records an Richard Bransons Plattenfirma Virgin Records, die das Label noch bis 1986 weiterführte. Ein Jahr später starb Stratton-Smith im Alter von 53 Jahren an einer Krebserkrankung. Virgin selbst wurde 1992 vom Mischkonzern Thorn-EMI übernommen, der 2011 in der Universal Music Group aufging.

Text: Toralf Czartowski

Charisma Records Logo
Charisma Records Logo
Letzte Änderung der Seite: 16.04.2020 | 08:55