Markenlexikon

Case

USA

Jerome Increase Case (1819 – 1891) begann 1842 in Rochester/Wisconsin mit dem Bau von Dreschmaschinen. 1844 ließ er in Racine/Wisconsin am Ufer des Lake Michigan eine Fabrik zur Produktion der Dreschmaschinen errichten. 1863 gründeten Jerome Case, Massena Erskine, Robert Baker und Stephen Bull die Firma J.I. Case & Co. 1869 produzierte das Unternehmen die erste Dampfmaschine (Old No. 1); sie war auf Rädern montiert, wurde aber noch von Pferden zu den entsprechenden Einsatzorten gezogen. Wenige Jahre später war Case der größte Dampfmaschinenhersteller der Welt. 1880 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ab 1892 baute man Benzintraktoren und von 1910 bis 1927 sogar Automobile. Da sich Traktoren gut als Zugmaschinen für Grader und Scarper eigneten und auch dementsprechend eingesetzt wurden, stellte das Unternehmen ab 1912 auch Baumaschinen wie Dampfwalzen und Grader her. Mit der Übernahme der Grand Detour Plow Company (1919) wurde die Produktpalette um Pflüge und Ackergeräte erweitert. Ab 1923 lösten moderne Mähdrescher die Dreschmaschinen ab – sie wurden aber noch bis 1953 weitergebaut.

1957 übernahm Case die American Tractor Corporation aus Churubusco/Indiana, einen Hersteller von Raupenschleppern und Baggern. Besonders erfolgreich wurden die Baggerlader von Case. Ende der 1960er Jahre erwirtschafteten die Baumaschinen genausoviel Umsatz wie die Landmaschinen. 1966 wurde Case von der Kern County Land Company aus San Francisco übernommen, die ein Jahr später in den Besitz des Mischkonzerns Tenneco (Bay Petroleum, Del-Key Petroleum, Heyden Newport Chemical Corporation, Houston Oil and Minerals, Packaging Corporation, Walker Manufacturing Company, Newport News Shipbuilding & Drydock Company, Sterling Oil, Tenneco Gas, Tenneco Oil) überging.

1968 erwarb Tenneco die beiden Unternehmen Drott Manufacturing (Hydraulikbagger, Kräne) und Davis Manufacturing (Grabenfräsen, Bohrausrüstungen, Kippanhänger, Verlegemaschinen), die beide als Geschäftsbereiche bei Case eingegliedert wurden. 1972 übernahm Tenneco/Case die Steiger Tractor Company, 1972 den britischen Traktorenhersteller David Brown Tractors, 1977/1988 den französischen Baumaschinenhersteller Poclain (Hydraulikbagger, Mobilkräne), 1985 den Erntemaschinenbereich der International Harvester Corporation (IHC) und 1996 die die Steyr-Landmaschinenproduktion der Steyr-Daimler-Puch AG (Österreich).

Aus dem Zusammenschluss der Case Corporation (David Brown Tractors, Poclain, Case-IH, Steyr Traktoren), die 1995 aus dem Tenneco-Konzern wieder ausgegliedert worden war, und der Fiat-Tochter New Holland, zu der seit 1998 auch O&K (Orenstein & Koppel) gehörte, entstand 1999 die CNH Global N.V.

Case
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Die Anfänge der Fiat-Land- und Baumaschinensparte Fiat Trattori S.p.A. gehen ins Jahr 1919 zurück, als das Unternehmen mit der Produktion von Traktoren begann und damit die Motorisierung der italienischen Landwirtschaft einleitete. 1932 folgten Raupenschlepper, 1945 Planierraupen und 1958 Radlader. 1932 wurde die Traktoren-Produktion von Turin nach Modena verlegt. 1974 gründeten Fiat (88 Prozent) und der US-Baumaschinenhersteller Allis-Chalmers das Jointventure Fiat-Allis (ab 1985 Fiatallis), das Teile des Allis-Chalmers-Programms auch nach Europa brachte. Gleichzeitig wurde die Landtechniksparte ausgegliedert (Fiat Trattori; ab 1984 Fiatagri). Durch die Übernahme der Firmen Laverda S.p.A. (1975 – 1981), Hesston Corporation/USA (1977) und Braud/Frankreich (1984) konnte Fiat Trattori auch Mähdrescher anbieten. 1977 erwarb Fiat Trattori die Toselli-Sparte Agrifull, einen Hersteller von Kleintraktoren. 1986 entstand ein weiteres Jointventure: Fiatallis (inzwischen in alleinigem Besitz von Fiat) und Hitachi Constructions Machinery (Japan) gründeten das Unternehmen Fiat-Hitachi Excavators, das im Fiat-Werk San Mauro bei Turin Hitachi-Raupenbagger fertigte. 1988 schloss Fiat die beiden Tochtergesellschaften Fiatagri und Fiatallis zu einem Unternehmen zusammen (FiatGeotech). 1991 verkaufte Ford sein gesamtes Traktoren- und Landmaschinengeschäft (Ford New Holland) an FiatGeotech; das neue Unternehmen firmierte zunächst als N.H. Geotech und ab 1993 als New Holland. Dieser 1895 von Abraham Martin Zimmermann in New Holland/Pennsylvania gegründete Landmaschinenhersteller (Futtermühlen, Stationärmotoren, Steinbrechermobile, Ballenpressen, Futtererntemaschinen, Mähdrescher, Traktoren) gehörte seit 1986 zu Ford. Nach der Auflösung des Jointventures Fiat-Hitachi Excavators 2002 gründeten CNH und Kobelco Construction Machinery (Japan), eine Tochter von Kobe Steel, für die Produktion von Raupenbaggern ein neues Gemeinschaftsunternehmen (Fiat-Kobelco Machinery). Fiat-Kobelco umfasst das frühere Vertriebsnetzwerk von Fiat-Hitachi und das Europageschäft von Kobelco.

2010 spaltete sich der Fiat-Konzern in die beiden Teile Fiat S.p.A. (Automobile) und Fiat Industrial S.p.A. (Bau- und Landmaschinen, Nutzfahrzeuge). 2013 benannte sich die Fiat Industrial S.p.A. in CNH Industrial N.V. um. CNH produziert unter den Markennamen Case, Case-IH, Kobelco, New Holland, O&K und Steyr Baumaschinen (Baggerlader, Grader, Minibagger, Mobilbagger, Planierraupen, Radlader, Raupenbagger) und Erntemaschinen (Ballenpressen, Grundstückspflegemaschinen, Lader, Mähdrescher, Selbstfahrer-Häcksler, Traktoren), außerdem seit 2010, als der Industriebereich von Fiat abgespalten wurde, auch Nutzfahrzeuge (Iveco, Iveco Astra, Magirus, Heuliez Bus).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49