Markenlexikon

Carrera Eyewear

Ursprungsland: Österreich

Der aus dem Sudetenland stammende Wilhelm Anger (1926 – 2014) und sein Schwager Arnold Schmied begannen 1947 in Donauwörth (Bayern) mit der Herstellung von Schweiß- und Hartlötmitteln (Angerit). Kurz darauf kamen Schweißerbrillen aus alten Gasmasken hinzu. Anton Anger (1929 – 2013), der Bruder des Gründers, entwickelte zahlreiche Maschinen und Technologien für die Kunststoffverarbeitung. Noch 1947 zog die Firma nach Traun bei Linz um.

Ab 1956 vermaktete die Firma Ski-, Sport-, und Sonnenbrillen unter dem Markennamen Carrera (span. Wettrennen, Rennen), der sich auf das erstmals 1950 ausgetragene mexikanische Automobilrennen »La Carrera Panamericana« bezog. Die über 3.200 Kilometer lange Strecke von Tuxtla nach Nuevo Lareda galt als die größte automobilsportliche Herausforderung der damaligen Zeit.

Daneben fertigte das Werk auch Designer-Brillenfassungen für Christian Dior, Dunhill, Porsche Design, Playboy und eine limitierte Auflage für den Flugzeughersteller Boeing. In den späten 1960er Jahren entwickelte Carrera den neuartigen Epoxidharz-Kunststoff Optyl, der besonders form- und alterungsbeständig sowie sehr hautverträglich ist. Eine Zeitlang produzierte die Firma auch Extrusionsmaschinen und Kunststoffprodukte wie Sandalen und Wasserrohre. Das Anger Kunststoffwerk war einer der größten europäischen Hersteller von Kunststoffrohren und Zubehör.

1978 verkaufte Wilhelm Anger das Unternehmen an den deutschen Zeitschriftenverlag Heinrich Bauer (Bravo, Kicker, Neue Revue, Neue Post, Playboy Deutschland, Quick, TV Hören und Sehen). Ab 1988 gab es auch Körperpflegeartikel (Deodorant, Eau de Toilette) mit dem Namen Carrera, die von der Kölner Firma Muelhens (4711, Janine D., Sir Irisch Moos, Tosca) hergestellt wurden. Wilhelm Anger entwickelte in den 1980er und 1990er Jahren die Brillen-Modulsysteme Eyemetrics (1988) und Eyephorics (1998).

Nach finanziellen Schwierigkeiten, die 1996 zum Konkurs führten, wurde Carrera von der italienischen Firma Safilo (Società Azionaria Fabbrica Italiana Lavorazione Occhiali) aus Padua übernommen. Safilo schloss das Werk in Traun 2004 und verlagerte die Produktion nach Italien und China. Safilo produziert u. a. auch Brillen für Modemarken wie Armani, Boss, Diesel, Dior, Gucci, Valentino und Yves Saint Laurent.

Text: Toralf Czartowski