Markenlexikon

Branche: Nahrungsmittel

Caro

Deutschland

Das was man heute als Malzkaffee, Landkaffee, Kaffee-Surrogat, Kaffee-Ersatz oder Muckefuck (Mocca Faux) bezeichnet, hatte seinen Ursprung im strengen Preußen. König Friedrich der Große belegte Bohnenkaffee erst mit hohen Einfuhrzöllen, dann wurde er schließlich ganz verboten. Als Folge dieser Prohibition kam der »Preußische Kaffee« auf, der aus den Wurzeln der Zichorie bestand. Eine der Firmen, die diesen Kaffee herstellte, war 1828 von dem Konditormeister Johann Heinrich Franck (1792 – 1862) in Vaihingen an der Enz gegründet worden. Seine Söhne begannen 1868 in einem neuen Werk in Ludwigsburg bei Stuttgart mit der fabrikmäßigen Herstellung von Zichorienkaffee.

Bald gab es auch Niederlassungen und Werke in anderen Ländern (1879 Linz; 1883 Komotau, Mailand; 1887 Bukarest; 1892 Zagreb; 1895 Flushing/New York), die jedoch infolge der beiden Weltkriege später wieder verlorengingen. 1913 wurde ein weiteres Werk in Neuss bei Düsseldorf eröffnet, in dem seit 1956 Thomy-Produkte hergestellt werden (die Schweizer Niederlassung in Basel hatte 1929 mit dem Senfhersteller Helvetia AG/Thomy fusioniert). Aufgrund des zunehmenden Rohstoffmangels schlossen sich die beiden großen deutschen Landkaffee-Hersteller Heinrich Franck Söhne GmbH und Kathreiners Malzkaffee Fabriken GmbH (München) 1943 zur Franck & Kathreiner GmbH zusammen. Ab 1964 firmierte dieses Unternehmen als Unifranck Lebensmittelwerke GmbH.

1954 brachte Franck & Kathreiner den Caro-Instant-Kaffee aus Gerste, Malz, Zichorie und Roggen auf den Markt. Caro war der erste sofortlösliche Malzkaffee in Deutschland. 1971 kam es zum Zusammenschluss der Interfranck Holding AG (Unifranck; Thomy, Caro-Landkaffee) mit der Ursina AG (Allgäuer Alpenmilch AG; Alete, Bärenmarke) zur Ursina Franck AG (Bern), die 1973 von der Nestlé Alimentana AG übernommen wurde. Nestlé vermarktete den Caro-Kaffee daraufhin weltweit, teilweise unter anderen Namen.

Da die Nachfrage nach Malzkaffee in den letzten Jahren immer mehr zurückging und das Werk in Ludwigsburg nicht mehr ausgelastet war, wurde es Ende 2019 geschlossen. Nestlé verteilte die Caro-Produktion auf mehrere europäische Standorte, u.a. in das Werk Avanco (Portugal), wo auch mehrere andere Kaffeesorten auf Getreidebasis hergestellt werden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 18.01.2021 | 11:08