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Markenlexikon

Capitol Records

Ursprungsland: USA

Der Komponist und Texter John (Johnny) Herndon Mercer (1909 – 1976), der Songschreiber und Musical-Produzent George Gard (Buddy) DeSylva (1895 – 1950) sowie Glenn Everett Wallichs (1910 – 1971), Besitzer des damals größten Plattenladens in Los Angeles (Wallichs Music City), gründeten im März 1942 in Los Angeles die Plattenfirma Liberty Records. Kurz darauf änderten sie den Namen in Capitol Records, weil es eine Firma mit dem Namen Liberty bereits gab. Namensgeber war das United States Capitol, der Sitz des Kongresses der USA (Senat, Repräsentantenhaus) in Washington. Die Bezeichnung Capitol leitet sich von einem der sieben Hügel Roms ab (Kapitolinischer Hügel, Mons Capitolinus), wo sich das Capitolium, der wichtigste Tempel des antiken Roms, befand. Das Unternehmen produzierte nun im Eiltempo Hunderte von neuen Aufnahmen, die jedoch nicht veröffentlicht wurden.

Wenige Monate später, am 1. August 1942, begann in den USA ein Streik der Musikergewerkschaft AFM (American Federation of Musicians), der sich bis November 1944 hinzog. Die etablierten Plattenfirmen wie CBS/Columbia, Decca Records und RCA-Victor konnten während dieser Zeit keine neuen Platten produzieren, sondern mussten sich mit alten Aufnahmen über Wasser halten. Während des Streiks kam Capitol mit seinem vorproduzierten Material auf den Markt und machte ordentlich Kasse, denn eine nennenswerte Konkurrenz gab es nicht. Binnen weniger Jahre stieg Capitol zur vierten großen Plattenfirma der USA auf. Capitol war zudem die erste große Plattenfirma an der Westküste; alle anderen Musikkonzerne hatten ihren Sitz in New York City (Columbia, Decca) und Camden/New Jersey (RCA-Victor). 1949 entstand die erste Auslandsniederlassung in Kanada.

1955 übernahm der britische EMI-Konzern Capitol und machte daraus seine US-Niederlassung. Capitol veröffentlichte nun neben seinen eigenen Produktionen (Al Martino, Bing Crosby, Bob Seger, Dr. Hook, Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Fats Domino, Frank Sinatra, Joe Cocker, Judy Garland, Kingston Trio, Les Baxter, Les Paul, Nat King Cole, Shirley Bassey, The Band, The Beach Boys, The Stranglers, Tina Turner) auch die EMI-Platten in den USA (David Bowie, Duran Duran, Pet Shop Boys, Pink Floyd, Queen, Roxette, The Beatles).

Capitol
Capitol

1956 zog Capitol Records in den berühmten runden Capitol-Tower in der Vine Street, in der Nähe des Hollywood Boulevards, der einen Stapel Schallplatten auf einem Plattenspieler darstellen soll. Der von dem Architekten Welton Beckett entworfene dreizehn Stockwerke hohe Tower war eines der ersten erdbebensicheren Gebäude und gleichzeitig das erste runde Bürogebäude der Welt.

1957 wurden Capitol Records und Angel Records, ein 1953 von EMI gegründetes US-Klassiklabel, zusammengeschlossen. 1978 und 1984 gründete Capitol zwei weitere Labels: EMI America Records und Manhattan Records; beide wurden später unter dem Namen EMI-Manhattan Records (ab 1990 nur noch EMI) vereinigt. Manhattan Records war in den 1980er Jahren für die Verwertung der 1979 von EMI übernommenen Kataloge von United Artists Records und Liberty Records zuständig. Ab 2006 gehörte Manhattan Records zur Blue Note Label Group (Klassik, Jazz) von EMI.

1997 übernahmen Capitol Records und Virgin Records America (seit 1992 ebenfalls eine EMI-Tochter) alle EMI-Aktivitäten in den USA. 2001 schloss EMI Capitol mit dem 1998 übernommenen US-Label Priority Records (Eazy-E, Ice Cube, Ice-T, Mack 10, Master P, N.W.A, Snoop Dogg, Westside Connection) zusammen. 2007 kam es zu einer weiteren Fusion mit Virgin Records America zur Capitol Music Group (Blue Note, Capitol, EMI, Harvest, Motown, Virgin America). Der Capitol-Tower wurde 2006 an eine New Yorker Immobilienfirma verkauft.

Durch die Zerschlagung der EMI Group (2011/2012) wurde die Universal Music Group neuer Eigentümer der Capitol Music Group. Seit 2024 gehören alle Universal-Music-Labels aus Los Angeles (A&M, Capitol, Geffen, Interscope) zur Interscope Capitol Labels Group.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain

www.capitolrecords.com