Markenlexikon
Der Lehrer und spätere Pfarrer David Buder lateinisierte seinen Nachnamen 1659 zu Buderus, was damals in höheren Kreisen weit verbreitet war. Sein Sohn Johann Wilhelm Buderus I (1690 – 1753) wurde 1717 zunächst kaufmännischer und technischer Leiter der Friedrichshütte bei Laubach-Ruppertsburg, die über einen Holzkohlenhochofen, einen Gießereibetrieb und zwei Eisenhämmer verfügte. Gründer und Besitzer der Friedrichshütte waren die Grafen zu Solms-Laubach. Johann Buderus steckte erhebliche eigene Finanzmittel in den Betrieb und 1731 übernahm er die Friedrichshütte schließlich als Pächter. Dies gilt als Gründungsjahr des Unternehmens Buderus.
Die Nachkommen des Gründers pachteten und kauften später zahlreiche weitere Hüttenbetriebe, Hammerwerke sowie Eisen-, Silber- und Kohlebergwerke in Hessen (Aßlar, Gießen, Hirzenhain, Leiningen-Westerburg, Lollar, Massen, Neuenschmidten, Oberndorf, Schellnhausen, Schupbach, Wächtersbach, Weiltal, Weilburg, Wetzlar). 1856 wurde die Buderus-Verwaltung erst nach Aßlar verlegt und als die Aßlarer Hütte 1859 stillgelegt worden war, schließlich nach Wetzlar.
1870 teilte die Buderus-Familie ihr Unternehmen nach internen Streitigkeiten auf: Buderus zu Audenschmiede Weiltal (Friedrich Ludwig August Buderus) und Gebrüder Buderus zur Main-Weser-Hütte Lollar (Richard und Georg Buderus II). Georg Buderus III und Hugo Buderus, die Söhne von Georg Buderus II, konzentrierten sich hauptsächlich auf das Gießereigeschäft. 1884 wandelten sie das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um (Buderus’sche Eisenwerke).
1891 schied auch Hugo Buderus aus dem Familienverbund aus und übernahm erst das Eisenwerk Hirzenhain und 1895 dann die Main-Weser-Hütte in Lollar in Privatbesitz. Das neue Unternehmen, das auch Dauerbrandöfen, Heizkesselglieder und Radiatoren herstellte, firmierte fortan als Eisenwerke Hirzenhain und Lollar, teilte sich aber bereits 1903 in die Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus und die Eisenwerke Lollar auf. Die Eisenwerke Lollar schlossen sich 1905 wieder mit den Buderus'schen Eisenwerken zusammen.
Um vom schwankenden Roheisenmarkt unabhängiger zu werden, begann Buderus um die Jahrhundertwende mit der Herstellung von Endprodukten aus Eisen (Gusseisenrohre, Spezialguss für Elektromotorengehäuse, Zement aus Schlacke). 1919 wurde Buderus Mehrheitseigentümer der Eisenwerke Hugo Buderus. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es zur vollständigen Eingliederung der Eisenwerke Hugo Buderus, sodass sich nun die meisten Unternehmen der Familie Buderus wieder unter einem Dach befanden. Ebenfalls 1919 erwarb Buderus die Westdeutschen Eisenwerke in Essen-Kray, wo ab den 1920er Jahren Badewannen aus Gusseisen hergestellt wurden. Gemeinsam mit Röchling entstand 1920 das Jointventure Stahlwerke Buderus-Röchling.
Während der beiden Weltkriege war Buderus stark in die Rüstungsproduktion eingebunden (Roheisenerzeugung, Granaten, Munition), was 1944 zur Bombardierung des Werksgeländes in Wetzlar durch die Alliierten führte. 1946 lief die Eisenproduktion in Wetzlar wieder an, die Gießereien nahmen ihren Betrieb 1948 auf. Die Bergwerke und Hüttenbetriebe befanden sich nun allerdings im Besitz des Landes Hessen, nur die Gießereien gehörten Buderus. Erst 1965 konnte Buderus diese Aktivitäten wieder zurückkaufen.
1956 erwarb der Industrielle Friedrich Flick (Auto-Union, Daimler-Benz, Dynamit-Nobel, Feldmühle, Maxhütte, Maybach) eine Mehrheit an den Buderus’schen Eisenwerken. 1958 kaufte Buderus die Burger Eisenwerke (Marke: Juno), den damals größten deutschen Hersteller von Heiz- und Kochgeräten, und 1965 die Stahlwerke Röchling-Buderus, die fortan als Edelstahlwerke Buderus firmierten. Nachdem die Burger Eisenwerke und die Hessischen Berg- und Hüttenwerke 1976/1977 vollständig in die Buderus’schen Eisenwerke integriert worden waren, benannte sich das Unternehmen 1977 in Buderus Aktiengesellschaft um.
Nach dem Verkauf des Flick-Konzerns an die Deutsche Bank (1985) wurde Buderus 1986 eine Tochtergesellschaft der neu geschaffenen Holding Feldmühle-Nobel, in der die verschiedenen Aktivitäten des Flick-Konzerns zusammengefasst waren. 1990 übernahm der schwedische Papierkonzern Stora den Feldmühle-Nobel-Konzern und veräußerte die Nichtpapieraktivitäten (Buderus, Dynamit-Nobel) 1992 an die Metallgesellschaft, die Buderus zwischen 1992 und 1994 an die Börse brachte. Zu dieser Zeit bestand Buderus aus den drei operativ tätigen Tochtergesellschaften Buderus Heiztechnik, Buderus Guss und Edelstahlwerke Buderus.
Um die Jahrtausendwende erwarb Bosch die Mehrheit der Buderus-Aktien. Buderus Heiztechnik wurde daraufhin erst in Bosch-Buderus Thermotechnik, dann in BBT Thermotechnik und 2008 schließlich in Bosch Thermotechnik umbenannt. Buderus Guss blieb ebenfalls bei Bosch. Die Edelstahlwerke Buderus verkaufte Bosch hingegen 2005.
Bosch Thermotechnik (Wetzlar) produziert in weltweit über zwanzig Werken Heizgeräte, Warmwasserbereiter, Solarthermiesysteme, Wärmepumpen, Großkessel und Blockheizkraftwerke. Vermarktet werden die Geräte hauptsächlich unter den Marken Bosch und Buderus.
Text: Toralf Czartowski