Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Buddah Records

USA

Der Sänger Arthur Marcus (Artie) Ripp (* 1940) hatte 1957 mit mehreren Freunden eine Gruppe mitgegründet, die bei der Plattenfirma ABC-Paramount Records als Background-Sänger eingesetzt wurde, u.a. bei dem Paul-Anka-Hit »Diana«. Ein Jahr später veröffentlichten sie unter dem Bandnamen The Four Temptations ebenfalls bei ABC-Paramount ihre erste Single »Cathy«. Da der Erfolg ausblieb, löste sich die Band schon bald wieder auf und Artie Ripp wechselte ins Musikbusiness. Zunächst arbeitete bei dem New Yorker Tanzlehrer, Musikverleger und Label-Eigner George Goldner (End Records, Gee Records, Goldisc Records, Gone Records, Rama Records, Roulette Records, Tico Records), wo er das Geschäft von der Pike auf lernte. 1961 ging er zu Nevins/Kirshner Associates (Aldon Music, Dimension Records) und 1962 wurde er Vizepräsident von drei neuen Unternehmen, die der Musikverleger Aaron Goldmark gerade gegründet hatte (Armada Music, Goldie Records, Fredella Music).

1964 gründete Artie Ripp zusammen mit Hy Mizrahi und Phil Steinberg in New York die Firma Kama Sutra Productions, die Aufnahmen für andere Plattenfirmen wie Red Bird Records (George Goldner, Jerry Leiber, Mike Stoller), United Artists Records, CBS Columbia und MGM Records produzierte (u.a. die The Shangri-Las). Nachdem der frühere MGM-Records-Manager Art Kass zu Kama Sutra gewechselt war, wurde aus der Produktionsfirma 1965 ein Label (Kama Sutra Records). Zu dieser Zeit unterzeichnete Kama Sutra mit der Rockband The Lovin' Spoonful einen Produktionsvertrag, der bald darauf in einen Plattenvertrag mündete.

Als das Management von Kama Sutra merkte, dass der Vertriebsvertrag mit MGM das Wachstum des Labels behinderte, gründeten sie mit Buddah Records eine weiteres Label, dessen Vertrieb Kama Sutra Records selbst übernahm. An der Finanzierung soll auch der italo-amerikanische Mobster John (Sonny) Franzese von der New Yorker Mafia-Familie Colombo beteiligt gewesen sein. Kama Sutra Records beendete den Vertriebsvertrag mit MGM 1969 und trat nun selbst als Vertriebspartner kleiner Label auf, u.a. Charisma Records (Genesis, Monty Python), Curtom Records (Curtis Mayfield), Hot Wax Records (Holland-Dozier-Holland), T-Neck Records (Isley Brothers) und Sussex Records (Bill Withers).

General Manager von Buddah Records wurde der 24-jährige Neil E. Bogart, der zuvor schon leitende Positionen bei MGM Records/Cameo-Parkway Records innegehabt hatte. Bogart richtete den Fokus des neuen Labels auf die zu dieser Zeit populäre Bubblegum-Popmusik, die die früheren Cameo-Parkway-Musikproduzenten Jerry Kasenetz und Jeff Katz (Super K Productions) entwickelt hatten. Kasenetz/Katz stellten u.a. die Bands 1910 Fruitgum Company (»Simon Says«) und Ohio Express (»Yummy Yummy Yummy«) zusammen, deren Vermarktung Buddah Records übernahm. Eine weitere Buddah-Bubblegum-Band waren The Lemon Pipers (»Green Tambourine«) aus Großbritannien, die allerdings nicht von Kasenetz/Katz betreut wurde. Unter der Führung von Bogart brachte Buddah über 100 Singles in die Charts. Kurzzeitig kam Buddah Records 1968 mit seinen Verkaufszahlen in die Sichtweite der Majorlabels (die Firma stand bei den Sinle-Verkäufen in den USA an 7. Stelle).

Genau zu dieser Zeit verkauften Ripp, Mizrahi und Steinberg das Label an den Projektor-Hersteller Viewlex. Artie Ripp gründete 1970 die Produktionsfirma Family Productions, die 1971 Billy Joel unter Vertrag nahm, und Bogart 1973 Casablanca Records. Zum größten Erfolg für Buddah Records entwickelte sich von 1973 bis 1978 die Soul-/Funk-Band Gladys Knight & The Pips (»Midnight Train To Georgia«, »I've Got To Use My Imagination«, »Best Thing That Ever Happened To Me«, »On And On«). Weitere erfolgreiche Singles, die bei Buddah herauskamen waren u.a. Melanie – »Lay Down (Candles In The Rain)«(1970), Melanie – »What Have They Done To My Song Ma« (1970), Steve Goodman – »City Of New Orleans« (1972), Curtis Mayfield – »Super Fly« (1972), Andrea True Connection – »More, More, More« (1976) und Chic – »Dance, Dance, Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah«)(1977).

Nachdem Viewlex 1976 Pleite gegegangen war, erwarb Art Kass Buddah Records. Den Vertrieb der Buddah-Platten übernahm nun Arista Records. Kama Sutra wurde erst 1981 unter dem Namen Sutra Records neugegründet und bestand noch bis 1993. Ab 1983 gab es keine neuen Veröffentlichungen von Buddah Records mehr. Art Kass verkaufte den Buddah-Katalog 1986 an die Rechteverwertungsfirma Essex Entertainment, die ihn 1993 an BMG (Bertelsmann Music Group) weiterreichte. 1998 rekativierte BMG das Label kurzeitig (bis 2002); die Schreibweise wurde nun in Buddha Records geändert. Der Katalog gehört infolge der BMG-Übernahme durch Sony (2008) heute zu Sony Music.

Text: Toralf Czartowski

Buddah Records Logo
Letzte Änderung der Seite: 17.04.2020 | 00:26