Markenlexikon

Branche: Tabak

British American Tobacco (BAT)

Großbritannien

Der Tabakbaron James Buchanan (Buck) Duke (1856 – 1925) hatte es sich im späten 19. Jahrhundert in den Kopf gesetzt, das nordamerikanische Tabakgeschäft und möglichst auch das weltweite unter seine Kontrolle zu bringen. Mit Massenfertigung (er hatte 1884 die Exklusivrechte an der ersten Zigarettendrehmaschine – 1880 von James Bonsack entwickelt – erworben) und agressiver Preispolitik entfachte er einen gnadenlosen Konkurrenzkampf zwischen den Tabakproduzenten. Schließlich konnte er die meisten davon überzeugen, unter seiner Leitung eine gemeinsame Firma zu gründen. Das Ergebnis war 1890 die American Tobacco Company mit Sitz in Durham/North Carolina, ein Zusammenschluss der Tabakhersteller W. Duke & Sons, F.S. Kinney, Allen & Ginter, William S. Kimball und Goodwin. Nach weiteren Übernahmen (u.a. 1895 D. Ritchie & Co., 1898 Drummond Tobacco, 1899 Liggett & Myers, 1899 R.J. Reynolds, 1905 W.T. Blackwell/Lucky Strike, 1907 Butler & Butler/Pall Mall, 1910 P. Lorillard) war American Tobacco um die Jahrhundertwende der größte US-Tabakkonzern.

Gleichzeitig begann das Unternehmen seine Finger nach Europa auszustrecken. Doch die Briten stellten dem US-Monopol 1901 ein eigenes entgegen: die Imperial Tobacco Company, ein Zusammenschluss der 13 führenden britischen Tabakhersteller (u.a. W.D. & H.O. Wills; Lambert & Butler; John Player & Sons). Schließlich einigten sich beide Gesellschaften darauf, dass sie in ihrer jeweiligen Einfluss-Sphäre die Oberhoheit behielten, während sie gemeinsam für den Export ihrer Tabakprodukte auf die internationalen Märkte 1902 die British American Tobacco Company (BAT) gründeten, wobei die Besitzverhältnise klar machten, wer das Sagen hatte: American Tobacco besaß 70 Prozent der BAT-Anteile und Imperial Tobacco 30 Prozent.

1911 stutzte die US-Kartellbehörde den maßlosen Konzern jedoch auf eine erträgliche Größe zurecht. Übrig blieben eine verkleinerte American Tobacco Company sowie R.J. Reynolds (Camel, Salem, Winston), P. Lorillard (Kent, Newport) und Liggett & Myers (Chesterfield, L&M, Lark). Von seiner Beteiligung an BAT musste sich American Tobacco ebenfalls trennen. BAT ging nun vollständig in britischen Besitz über. American Tobacco blieb mit seinen Hauptmarken Pall Mall und Lucky Strike bis in die 1950er Jahre der führende US-Tabakkonzern.

BAT erwarb in der Folgezeit zahlreiche internationale Tabakfirmen, u.a. 1914 Souza Cruz aus Brasilien, 1925 die britische Ardath Tobacco Company (Marke: State Express 555), 1927 die Brown & Williamson Tobacco Company aus Louisville/Kentucky (Marken: Viceroy, Raleigh), 1932 die Haus Bergmann Cigarettenfabrik aus Dresden (Gildehof, Haus Bergmann Privat), 1956 Benson & Hedges Overseas, die Auslandsgesellschaft der britischen Firma Benson & Hedges, und 1966 die niederländische Zigarrenfabrik Henri Wintermans. Weitere BAT-Zigarettenmarken waren/sind u.a. Gold Dollar (ab 1931), Kool (ab 1933; Brown & Williamson), HB (ab 1955; Haus Bergmann), Kurmark (ab 1953), Orienta (ab 1954), Simon Arzt (ab 1957; in Lizenz des gleichnamigen ägyptischen Warenhaus-, Handels- und Tabakunternehmens), Simona (ab 1959; Simon Arzt), Belair (ab 1960; Brown & Williamson), Krone (ab 1964; Simon Arzt), Kim (ab 1970; Simon Arzt), Auslese (ab 1974; Simon Arzt), Barclay (ab 1980; Brown & Williamson), GPC (ab 1985; Brown & Williamson) und Capri (ab 1987; Brown & Williamson). Außerdem erwarb BAT 1977 die internationalen Herstellungs- und Vetriebsrechte für die Lorillard-Marke Kent und 1978 die Exportrechte für die American-Tobacco-Marke Lucky Strike. 1994 übernahm BAT das komplette Tabakgeschäft von American Brands/American Tobacco (Carlton, Lucky Strike, Misty, Pall Mall, Tareyton) und integrierte es in die Brown & Williams Tobacco Corporation. American Brands war 1970 als Holdinggesellschaft für die verschiedenen Beteiligungen der American Tobacco Company gegründet worden.

In den 1960er Jahren begann BAT damit diverse branchenfremde Unternehmen aufzukaufen (u.a. 1964 Tonibell Manufacturing, 1967 Yardley of London, 1970 Wiggins-Teape, 1971 Horten Kaufhäuser, 1973 Gimbel Brothers/Saks-Fifth Avenue, Supermercados Peg-Fag, 1977 Juvena of Switzerland, 1978 Appleton Papers, 1984 Eagle Star, 1985 Hambro Life Assurance, 1988 Farmers Group). 1972 wurde die Aufteilung der Märkte durch Imperial Tobacco (Großbritannien, Irland) und BAT (weltweit) durch neue Handelsrichtlinien der Europäischen Gemeinschaft beendet, was dazu führte, dass Imperial Tobacco seine BAT-Anteile bis 1980 verkaufte. 1976 schlossen sich die British American Tobacco Company und die Tobacco Securities Trust Company zur Holdinggesellschaft BAT Industries zusammen. Nach einem gerade noch abgewehrten Übernahmeversuch durch ein Investorenkonsortium verkaufte BAT seine Beteiligungen nach und nach wieder. Die Zurich Group (Schweiz) übernahm 1997 das Versicherungs- und Finanzgeschäft, das Papiergeschäft wurde 1999 als eigenständige Aktiengesellschaft WigginsTeape-Appleton aus dem Konzern ausgegliedert. Das Kosmetikgeschäft (Germaine Monteil, Juvena, Yardley) war schon 1985 an die Beecham Group verkauft worden. Seit 1998 heißt das Unternehmen wieder British American Tobacco plc.

1999 kam es zum Zusammenschluss mit dem britischen Konkurrenten Rothmans International (Cartier, Dunhill, Golden American, Lord Extra, Lux, Peer, Peter Stuyvesant, Rothmans, Winfield).

Ein Jahr später übernahm BAT die noch fehlenden Anteile an dem kanadischen Nahrungsmittel- und Tabakkonzern Imasco Limited (Imperial and Associated Companies), inkl. Imperial Tobacco of Canada mit den Marken Cameo, Casino, Colts, Du Maurier, House of Lords, Matinée, Old Chum, Player's, Reas Havana und White Owl. BAT hatte den führenden kanadischen Tabakhersteller 1908 gegründet (Zusammenschluss der BAT-Tochterfirmen American Tobacco Co. of Canada und Empire Tobacco Company zur Imperial Tobacco Company of Canada) und besaß noch etwa 41 Prozent an Imasco.

2004 schloss BAT seine US-Tochter Brown & Williamson (Barclay, Belair, Capri, Carlton, GPC, Kool, Lucky Strike, Misty, Pall Mall, Raleigh, Viceroy) mit der R.J. Reynolds Tobacco Company (Camel, Doral, More, Salem, Winston) zusammen. BAT war an dem neuen Unternehmen Reynolds American Inc. zunächst mit 42 Prozent beteiligt. 2017 erwarb BAT auch die restlichen Anteile. Reynolds American hatte zwei Jahre zuvor gerade die Lorillard Tobacco Company (Kent, Newport Menthol) übernommen.

Größter BAT-Aktionär ist die luxemburger R & R Holdings S.A., die der südafrikanischen Holdinggesellschaft Remgro Limited und der Schweizer Compagnie Financière Richemont AG gehört. Die wichtigsten BAT-Marken sind Lucky Strike, Pall Mall, Kent, Dunhill, Rothmans King Size, Newport, Kool, Benson & Hedges (Afrika, Asien, Australien), Peter Stuyvesant, John Player Gold Leaf, State Express 555, Viceroy und HB.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49