Markenlexikon
Der Münchener Verlag Kindler & Schiermeyer brachte im August 1956 die Zeitschrift Bravo (Untertitel: Die Zeitschrift für Film und Fernsehen) heraus. Als Erfinder gelten der Verleger Helmut Kindler (1912 – 2008 und der Journalist Peter Boenisch (1927 – 2005), der spätere Chefredakteur der Bild-Zeitung (1961 – 1971), der Bild am Sonntag (1965 – 1979) und der Welt (1978 – 1981) sowie Sprecher der Kohl-Regierung (1983 – 1985).
Auf dem ersten Cover war die Schauspielerin Marilyn Monroe abgebildet. Ab März 1957 änderte sich der Untertitel in »Die Zeitschrift mit dem jungen Herzen – Film, Fernsehen, Schlager«, im August 1957 fiel er dann ganz weg. Bis 1960 stieg die Auflage auf über eine halbe Million Exemplare, 1966 überstieg sie die Millionengrenze.
1965 wurde Kindler & Schiermeyer vom Axel Springer Verlag (Bild, B.Z., Hamburger Morgenpost, Hörzu, Welt) gekauft und 1967 mit der Jugendzeitschrift OK zusammengeschlossen. Wegen der Studentenproteste gegen den Springer-Konzern und der anschließenden Untersuchungen des Kartellamtes zur Konzentration der Meinungsmacht einzelner Presseunternehmen verkaufte Springer den Verlag Kindler & Schiermeyer (Bravo, Eltern, Jasmin, Twen) 1968 an den Druckereibesitzer und Verleger Hans Weitpert, der die Bravo noch 1968 an den Heinrich Bauer Verlag (Kicker, Neue Post, Neue Illustrierte, Quick, Revue, TV Hören und Sehen) weiterverkaufte.
Die Bravo richtete sich inhaltlich an Teenager im Alter von zwölf bis neunzehn Jahren, und bei dieser Zielgruppe genoss die Zeitschrift besonders in den 1970er, 1980er und 1990er Jahren eine außergewöhnlich hohe Beliebtheit. Die großen Starposter (Bravo-Starschnitt) hingen in jedem Jugendzimmer und die Rubrik Dr. Sommer, die sich der Beziehungs- und Sexualberatung widmete, hat bis heute Kultstatus. Die Dr.-Sommer-Texte wurden von 1969 bis 1984 hauptsächlich von dem Arzt, Psychotherapeuten und Schriftsteller Dr. med. Martin Goldstein (1927 – 2012) geschrieben. Daneben gab es ein ganzes Team, das die wöchentlich Tausenden Briefe beantwortete.
Mit knapp 1,6 Millionen Exemplaren erreichte die Bravo 1991 die höchste Auflage ihrer Geschichte. Ab Ende der 1990er Jahre ging sie jedoch stark zurück. 2015 wurde die wöchentliche Erscheinungsweise auf zweiwöchentlich umgestellt und 2020 auf monatlich.
Neben der Hauptzeitschrift gab es zeitweise noch Bravo-Ableger wie Bravo Poster (1973 – 1976), Bravo Girl (1988 – 2023), Bravo Sport (seit 1994), Bravo Screenfun (1997 – 2009) und Bravo Hiphop Special (2005 – 2012). Der Leserpreis Bravo-Otto wird seit 1957 jährlich in verschiedenen Kategorien vergeben. Von 1985 bis 2007 lief auf verschiedenen Fernsehsendern die Musiksendung Bravo TV (Sat.1, RTL II, ZDF, ProSieben). Ab 1992 veröffentlichte Bravo regelmäßig Musiksampler mit aktuellen Chart-Hits (Bravo Hits). 2001 ging die Website Bravo.de online.
Text: Toralf Czartowski