Markenlexikon

Branche: Medien

Bertelsmann

Germany

Im Juli 1835 gründete der Drucker Carl Heinrich Bertelsmann (1791 – 1850) in Gütersloh einen Verlag (C. Bertelsmann Verlag) mit angeschlossener Buchdruckerei. Bis zu seinem Tod wurden hier 69 Bücher gedruckt, hauptsächlich christliche Literatur, Schulbücher sowie Sagen und Märchen. Später erweiterte man das Verlagsprogramm um Geschichte, Kultur, Philosophie und Pädagogik. Das meiste Geld verdiente Bertelsmann jedoch mit den Märchen der Gebrüder Grimm. Der Aufstieg zum Weltkonzern begann erst nach dem 2. Weltkrieg unter Reinhard Mohn, der die Geschäftsführung des Verlags 1947 übernahm (Johannes Mohn hatte 1881 in die Bertelsmann-Familie eingeheiratet und das Verlagshaus nach dem Tod des Gründersohns Heinrich Bertelsmann 1887 übernommen).

1950 gründete Bertelsmann einen Buchclub (Lesering), der erstmals zusammen mit dem Buchhandel betrieben wurde. Bis dahin standen Buchclubs nur einzelnen Interessengruppen zur Verfügung. Der »Lesering« wandte sich dagegen an ein breites Publikum. Der Ansturm war so groß, dass Bertelsmann kaum noch mit dem Druck der Bücher nachkam. Der bis dahin mittelständische Verlag musste kräftig expandieren, um alle Kundenwünsche erfüllen zu können. 1952 wurde eine eigene Lexikon-Redaktion eingerichtet. Bald kam man auf die Idee, das Buchclub-Konzept auch auf die Musikbranche zu übertragen, was zur Gründung des Presswerkes Sonopress (1957) und der Plattenfirma Ariola (1958) führte.

Ab den 1960er Jahren wuchs Bertelsmann durch Beteiligungen und Aufkäufe zu einem weltweit tätigen Medienkonzern heran. 1964 erwarb Bertelsmann die Universum Film AG (UFA) und die UFA Theater AG (die UFA-Kinos wurden 1972 verkauft), 1969 eine 25-prozentige Beteiligung an dem Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern) – bis 1977 wurde diese Beteiligung auf 74,9 Prozent aufgestockt (Ende 2014 erfolgte die vollständige Übernahme), 1977 den Goldmann Verlag, 1979 die New Yorker Plattenfirma Arista Records, 1980 den US-Taschenbuchverlag Bantam Books, 1985 die Hansa Musik Produktion GmbH aus Berlin, 1986 den US-Verlag Doubleday & Company und RCA Records, die Musiksparte der RCA Corporation, was 1987 zur Gründung der Bertelsmann Music Group (BMG) führte, 1998 den US-Verlag Random House, der daraufhin mit Bantam-Doubleday-Dell zusammengeschlossen wurde, 2002 die britische Plattenfirma Zomba/Jive und 2003 den Wilhelm Heyne Verlag. Seit 1999 firmiert der Bereich Bertelsmann Industrie (Druckereien, Dienstleistungen) als Arvato AG (»Ar« = »ars« [lat. Kunst], »va« = Variation, »t« = Technik, »o« = Organisation). Die 1968 aus dem Zusammenschluss der Bertelsmann-Publikums- und Sachbuchverlage entstandene Verlagsgruppe Bertelsmann wurde 2001 in Verlagsgruppe Random House umbenannt.

In den 1980er und 1990er Jahren beteiligte sich die Bertelsmann-Tochter UFA Film- und Fernseh GmbH (gegründet 1984) an mehreren privaten deutschen Fernsehsendern (RTL, RTL II, Vox, Premiere) und schloss sich 1997 mit der luxemburger RTL-Betreibergesellschaft CLT (Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion) zur CLT-UFA S.A. zusammen. Nach der Übernahme des TV-Bereichs des britischen Medienkonzerns Pearson (Channel 5, Thames Television, Grundy) wurde CLT-UFA im Jahr 2000 in RTL Group umbenannt.

2004 schlossen Sony und Bertelsmann ihre internationalen Musikaktivitäten Sony Music Entertainment (Columbia, Epic) und BMG Entertainment (Ariola, Arista, BMG, Hansa, Jive, RCA, Zomba) in dem Jointventure Sony-BMG Music Entertainment (New York) zusammen, das sich zu je 50 Prozent im Besitz der Sony Corporation of America (New York) und der Bertelsmann AG befand. 2008 verkaufte Bertelsmann seine Sony-BMG-Anteile an Sony; das Unternehmen firmiert nun als Sony Music Entertainment Inc. Zwei Jahre zuvor hatte Bertelsmann bereits seinen Musikverlag BMG Music Publishing an Universal Music verkauft.

2009 gründete Bertelsmann gemeinsam mit dem US-Finanzinvestor KKR das Tochterunternehmen BMG Rights Management GmbH (Berlin), das Künstler und Autoren wie die Scorpions, Die Prinzen, Nena, Geier Sturzflug oder Sally Oldfield unter Vertrag hat. Kurz darauf erwarb BMG die beiden US-Musikverlage Crosstown Songs und Cherry Lane (u.a. Songrechte von Elvis Presley, John Denver, Quincy Jones, Hans Zimmer). Mit der Übernahme der britischen Chrysalis Group (u.a. Blondie, David Bowie, Billy Idol), die sich nach dem Verkauf ihrer Tonträgersparte 1989/1991 an den EMI-Konzern auf das Musikverlagsgeschäft konzentriert hatte, stieg BMG 2010 zu einem der führenden globalen Musikrechteverwerter auf; das Geschäft mit den Song-Urheberrechten gilt als zuverlässigere Geldquelle als der Verkauf von Tonträgern. 2013 übernahm Bertelsmann auch die KKR-Anteile an BMG Rights Management. Zur gleichen Zeit erwarb BMG von Universal Music das britische Plattenlabel Sanctuary Records (Anthrax, Black Sabbath, Europe, Helloween, Iron Maiden, Megadeth, Uriah Heep, Venom).

Die nichtbörsennotierte Bertelsmann AG (seit 1971 Aktiengesellschaft), die der 1977 gegründeten Bertelsmann-Stiftung (76,9 Prozent) und der Familie Mohn (23,1 Prozent) gehört, fungiert als Holdinggesellschaft für die Unternehmen RTL Group S.A. (Luxemburg; Radio- und TV-Sender, Film- und TV-Produktion), Random House Inc. New York (Buchverlage; u.a. C. Bertelsmann, Bantam-Dell, Ballantine Books, Blanvalet, Crown, Goldmann, Heyne, Knopf Doubleday, Monacelli Press, Plaza & Janés, Random House, Transworld), Gruner + Jahr AG Hamburg (Zeitschriftenverlag; Brigitte, Capital, Constanze, Financial Times Deutschland, Gala, Geo, P.M., Stern) und Arvato AG Gütersloh (Druckereien). Die Direct Group Gütersloh (Buchclubs, Buchhandelsketten) wurde 2012 aufgelöst.

2013 schlossen Bertelsmann und Pearson (Financial Times, The Economist Group, Pearson Education, Poptropica, eCollege) ihre Verlage Random House und Penguin Group (Penguin Books, Dorling Kindersley, Penguin Classics) zum größten Verlag der Welt zusammen; Bertelsmann besitzt an den neuen Unternehmen Penguin Random House 53 Prozent der Anteile, Pearson den Rest.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.06.2019 | 01:49