Markenlexikon

Branche: Bildung

Berlitz

Deutschland

Über die frühen Jahre des Maximilian Delphinius Berlitz (1847 oder 1852 – 1921) ist bis heute wenig bekannt. Er soll entweder aus dem Schwarzwald-Dorf Mühringen (heute ein Stadtteil von Horb am Neckar) stammen oder aus Preußen. Sein ursprünglicher Name war vermutlich David Berlizheimer, sein Vater Löw oder Leopold arbeitete als Dorfkantor und jüdischer Religionslehrer in Markelsheim (heute ein Stadtteil von Bad Mergentheim). Maximilian absolvierte in Mergentheim eine dreijährige Lehre als Uhrmacher, bevor er 1870 in die USA auswanderte. Dort unterrichtete er zunächst als Privatlehrer Griechisch, Latein, Deutsch und Französisch. Wo und wie er diese Sprachen erlernt hat, ist nicht überliefert. Als Sohn eines Lehrers war es aber durchaus denkbar, dass er die genannten Sprachen einigermaßen beherrscht hat. Anschließend wurde er Professor für Deutsch und Französisch am Warner Polytechnic College in Providence/Rhode Island.

Als er einen Assistenten für Französisch brauchte, holte er den jungen Franzosen Nicholas Joly an seine Schule. Der sprach allerdings kein Wort Englisch, wie sich bei seiner Ankunft herausstellte. Zu allem Unglück wurde Berlitz zu dieser Zeit auch noch krank, sodass Joly die Schüler alleine unterrichten musste. Der fand einen Ausweg aus der vertrackten Situation, indem er Wörter auf fast spielerische Weise mit Hilfe von Gesten in der Zielsprache erklärte, ähnlich wie auch Kinder ihre Muttersprache von ihren Eltern lernen. Als Berlitz nach sechs Wochen wieder an die Schule zurückkehrte, war er überrascht, wie weit die Schüler mit der neuen Methode gekommen waren. Er musste sich eingestehen, mit der traditionellen Grammatik-Übersetzungs-Methode (Vokabeln pauken, Grammatik auswendig lernen, Texte übersetzen), hätte er das nicht erreicht. So entstand aus der anfänglichen Notlösung eine Lernmethode, der die Erkenntnis »Loqui loquendo discitur« (»Nur durch Sprechen lernt man sprechen«) zugrunde liegt.

Allerdings waren Joly und Berlitz keineswegs die Erfinder dieser sogenannten Direkten Methode oder Natural Method (in den USA), wie heute oft behauptet wird. Gottlieb Heness, ein deutscher Lehrer und Besitzer einer privaten Sprachschule, hatte sich schon 1867 in seinem Buch »Der Leitfaden für den Unterricht in der Deutschen Sprache« für die »natürliche Kommunikation als die zentrale Aktivität beim Sprachenlernen« ausgesprochen. Ebenso der Franzose Claude Marcel in seinem Werk »L'art de penser dans une langue étrangère« (1867) und der ebenfalls aus Frankreich stammende Lambert Sauveur, der mit Heness 1869 in Bosten die Sauveur-Heness School of Modern Languages eröffnete. Sauveur befürwortete den Einsatz von Grammatik und Übersetzungsübungen nur bei Schülern, die die jeweilige Sprache schon gut genug beherrschten. Für den Einsatz an öffentlichen Schulen mit ihrem Massenbetrieb und häufig unmotivierten Schülern eignete sich die Direkte Methode jedoch nicht; bereits 1910 wurde sie in den meisten europäischen Ländern wieder abgeschafft.

1878 und 1881 eröffnete Berlitz in Providence und Bosten zwei eigene Schulen, 1888 entstand in Berlin die erste Berlitz-Schule in Europa und zwischen 1900 und 1914 wurden weitere Schulen in Afrika, Asien und Lateinamerika eröffnet. Anfangs kamen vor allem Privatpersonen, die aus irgend einem Grund eine andere Sprachen lernen wollten oder mussten, in die Berlitz-Schulen. Der Boom setzte erst in den 1950er Jahren ein, als die Welt aufgrund des zunehmenden Flugverkehrs immer kleiner wurde. Vor allem international tätige Konzerne, die ihre Mitarbeiter ins Ausland schicken wollten, buchten die Berlitz-Kurse. Die Berlitz-Methode (Slogan: »Von Anfang an mittendrin«) wurde im Laufe der Zeit noch verfeinert, vor allem um einen Ausgleich zwischen flüssigem Sprechen und der Grammatik herzustellen. Ansonsten wird nach wie vor nur in der Zielsprache unterrichtet, meist von Muttersprachlern, wobei Dialoge im Vordergrund stehen. Die Grammatik soll durch aktives Sprechen und kurze Korrekturen durch den Lehrer nebenbei erlernt werden.

1966 gingen die Berlitz Schools of Languages in den Besitz des US-Verlags Macmillan über, der 1988 wiederum von dem britischen Medienkonzern Maxwell Communication übernommen wurde. Maxwell brachte das Unternehmen 1989 unter dem Namen Berlitz International an die New Yorker Börse. Von 1993 bis 2001 erwarb die japanische Fukutake Publishing Company (seit 1995 Benesse Corporation), ein Verlag für Fernunterrichtsprogramme und andere Lernmaterialien, die Mehrheit an Berlitz International. Heute gibt es weltweit rund 550 Sprachschulen; teilweise werden die Schulen auch auf Franchise-Basis betrieben.

Text: Toralf Czartowski

Berlitz Logo
Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 22:43