Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Bellaphon

Deutschland

Der Maschinenbau-Ingenieur Branislav (Branco) Zivanovic (1923 – 1993) kam 1956 als politischer Flüchtling von Jugoslawien nach Deutschland, wo er zunächst als Autowäscher arbeitete. 1961 gründete er eine Importfirma, aus der 1963 das Plattenlabel Bellaphon mit Sitz in Frankfurt am Main hervorging. Seine Frau Jutta Riedel betrieb ein Plattengeschäft in Frankfurt/Main. Bellaphon beschäftigte sich zunächst damit, Vertriebsabkommen mit kleineren US-Plattenlabels (u.a. Chess Records, Fantasy Records, Milestone Records, Sun Records) zu schließen und alte Platten von Künstlern wie Carl Perkins, Chuck Berry, Creedence Clearwater Revival (CCR), Elvis Presley, Ike & Tina Turner, Jerry Lee Lewis, Joan Baez, Johnny Cash, Roy Orbison, T-Bone Walker oder Neil Diamond in Deutschland erneut zu vermarkten. Ab den 1970er Jahren, als das Unternehmen bereits mehrere europäische Niederlassungen besaß, nahm man auch einige deutsche und österreichische Künstler der unterschiedlichsten Genres unter Vertrag (Die Flippers, Die Amigos, Wolfgang Ambros, Franz Lambert, Die Toten Hosen). Der Vertrieb für andere in- und ausländische Labels, u.a. Bacillus Records aus Frankfurt/Main (Ganymed, Karthago, Krokodil, Nektar, Omega, Steamhammer), Barclay aus Frankreich, Boardwalk aus den USA (Joan Jett & The Blackhearts), Casablanca Records aus den USA (Kiss) oder Eastern Bloc Records aus Großbritannien (Loveland) blieb jedoch noch lange Zeit das Hauptstandbein von Bellaphon. Nach dem Tod des Gründers führte seine Frau das Unternehmen weiter. Neben dem Hauptlabel gehören inzwischen auch Bacillus Records (seit 1972; gegründet 1971 von Peter Hauke) und L&R Records (seit 1986; gegründet 1979 von den Konzertveranstaltern Horst Lippmann and Fritz Rau) zu Bellaphon, außerdem der Musikverlag Bellver Music.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 16.04.2020 | 21:11