Markenlexikon

Branche: Bauindustrie

Bechtel

USA

Warren Abraham Bechtel (1872 – 1933), Sohn deutscher Einwanderer, arbeitete zunächst als reisender Musiker. Später, als er geheiratet hatte, wurde er Farmer in Oklahoma. Nachdem seine Ranch 1898 Pleite gegangen war, gründete in Oakland/California eine Baufirma, die sich am Bau der Eisenbahn beteiligte. 1919 stieg Bechtel mit dem Bau des Klamath Highway in Kalifornien in den Straßenbau ein. 1921 erhielten Warren, sein Bruder Arthur und George Colley Sr. den Auftrag für den Bau des Caribou Water Tunnel (California). 1925 stiegen seine Söhne Warren Jr., Stephen Davison und Ken in die Firma ein. Ein Jahr später erhielt die W.A. Bechtel Company den Auftrag für den Bau des Bowman Lake Dam in Kalifornien. Der Durchbruch kam 1931, als sich Bechtel neben fünf anderen Baufirmen am Bau des Hoover-Staudamms (1931 – 1936) beteiligte. Während des 2. Weltkriegs baute Bechtel in einer eigens errichteten Werft auch Frachtschiffe und Öltanker für die U.S. Navy.

Weitere Großprojekte waren die San Francisco-Oakland Bay Bridge (1933 – 1936), die Trans-Arabian Pipeline vom Persischen Golf zum Mittelmeer (1946; damals mit 1.600 Kilometern die längste Pipeline der Welt), der weltweit erste kommerzielle Kernreaktor Dresden-1 in Illinois (1957 – 1960), das San Francisco's Bay Area Rapid Transit System (1959 – 1972), die Flughäfen von Riad in Saudi-Arabien (1974) und Amman in Jordanien (1975), die Trans-Alaska Pipeline (1973 – 1977) und der James Bay Hydro Complex im Nordwesten von Quebec, Kanada (1972 – 1985). Das bislang größte Bechtel-Projekt war der Aufbau der saudi-arabischen Stadt Jubail (Al Jubayl) – zuvor ein kleines Fischerdorf am Persischen Golf – mit einem dazugehörigen petrolchemischen Komplex (1977 – 2007).

Die Bechtel-Familie, der das Unternehmen bis heute gehört, verfügte zu allen Zeiten über enge Beziehungen zu vielen US-Regierungen, vor allem zu der von Ronald Reagan, George Bush und George W. Bush, ebenso zur saudischen Königsfamilie und zur Bin-Ladin-Familie, die eines der größten Bauunternehmen Saudi-Arabiens besitzt (Scheich Mohammed Bin Ladin gründete die Saudi Bin-ladin Group 1931). Der Wirtschaftswissenschaftler George Shultz, der in zwei US-Regierungen mehrere politische Ämter innehatte (1968 – 1970 Arbeitsminister, 1972 – 1974 Finanzminister, 1973 – 1974 Sonderberater Präsident Nixons, 1982 – 1989 Außenminister unter Präsident Reagan), war von 1974 bis 1982 Bechtel-Präsident. Auch Ronald Reagans Verteidigungsminister Caspar Weinberger (1981 – 1987) kam von Bechtel; von 1975 bis 1980 war er Vizepräsident des kalifornischen Baukonzerns. Bis heute gehört Bechtel zu den eifrigsten Spendern der Republikanischen Partei, was sich letztlich positiv bei der Vergabe von umfangreichen Regierungsaufträgen bemerkbar macht.

Neuere Bauprojekte von Bechtel waren u.a. der Big Dig, ein städtebauliches Großprojekt in Boston (1991 – 2006), der Eurotunnel (1986 – 1994), eine Chemie- und Kunststoff-Fabrik im Irak (1988 – 1990), deren Bau aber wegen der Irak-Invasion in Kuwait unterbrochen wurde, der Hong Kong International Airport (1990 – 1998), die U-Bahn in Athen (1992 – 2003), der Jorge Chávez International Airport in Lima/Peru (2001 – 2005), die Tacoma Narrows Bridge im US-Bundesstaat Washington (2002 – 2008) und die U-Bahn von Riad/Saudi-Arabien (2014 – 2019).

Die Bechtel Corporation besteht aus vier Bereichen: Infrastructure (Straßen, Brücken, Schienenanlagen, Häfen, Flughäfen, Kraftwerke), Mining and Metals (Bergwerksanlagen, Hüttenwerke), Oil, Gas and Chemicals (Anlagen zur Öl- und Gasverarbeitung, Pipelines, Petrolchemische Fabriken) sowie Nuclear, Security and Environmental (Nuklearwaffenlabore, Urananreicherungsanlagen, Chemiewaffenentsorgungsanlagen).

Der Hauptsitz der Bechtel Corporation befindet sich in San Francisco; Niederlassungen gibt es u.a. in Brisbane (Australien), Calgary (Kanada), Dubai (Emirate), Frederick/Maryland (USA), Houston/Texas (USA), London (Großbritannien), New Delhi (Indien), Reston/Virginia (USA), Santiago (Chile), Shanghai (China), Taipei (Taiwan) und Washington/D.C. (USA).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 17:07