Markenlexikon

Branche: Alkoholika

Becherovka

Tschechien

In dem westböhmischen Kurort Karlovy Vary (Karlsbad) gibt es zwölf Thermalquellen und eine 13., aus der jedoch kein Wasser sprudelt, sondern ein weltbekannter Magenbitter. Manche Kurbesucher sehen das so: am Tage trinkt man sich an den zwölf heißen Mineralquellen gesund und abends an der 13. Quelle fröhlich. Selbst die Kurverwaltung hat das anerkannt; als vor nicht allzulanger Zeit eine wirkliche 13. Thermalquelle entdeckt wurde, bekam sie die Nummer 12b.

Kredenzt hatte den Likör 1807 der englische Arzt Dr. Frobing aus 20 Kräutern, Mineralwasser und Weinalkohol. Hergestellt wurde er von dem Apotheker Josef Vitus Becher (1769 – 1840), der seit 1805 in Karlsbad eine Apotheke betrieb. In den Handel kam er zunächst unter Namen wie Carlsbad English Bitter, Carlsbad Bitter, English Bitter, Original Karlsbader Becherbitter und ab 1881 als Becherovka. 1841 übernahm der Gründersohn Jan (Johann) Becher die Firma, die heute auch seinen Namen trägt (Jan Becher – Karlovarská Becherovka a.s.).

1945 wurde das Unternehmen verstaatlicht; nur die deutsche Tochtergesellschaft Johann Becher OHG Likörfabrik (Köln), die sich im Besitz von Hedda Baier-Becher (1914 – 2007) befand, blieb davon unberührt. Diese Firma, die 1971 von Underberg übernommen wurde, stellte weiterhin Karslbader Becher mit dem charakteristischen blau-gelben Etikett her. 1985 kam es zwischen der deutschen und der tschechischen Firma zu einem Abkommen, in deren Folge die Johann Becher OHG keinen eigenen Likör mehr herstellte und dafür die deutschen Vertriebsrechte des originalen Becherovka erhielt. 1994 kündigte die tschechische Firma den Vertrag, woraufhin die Johann Becher OHG die Produktion ihres Karlsbader Becher-Likörs wieder aufnahm.

1997 beteiligte sich die tschechische Firma SALB, die zum französischen Spirituosenkonzern Pernod-Ricard gehörte, mit 35 Prozent an der tschechischen Herstellerfirma (2001 wurde der Anteil auf 59 Prozent aufgestockt). 2000 übernahm Pernod-Ricard auch die deutsche Tochtergesellschaft, sodass sich die Marke Becherovka bzw. Karlsbader Becher nun wieder in einer Hand befindet.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 17:05