Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

BBC

Ursprungsland: Großbritannien

Die Marconi's Wireless Telegraph Company erhielt 1922 vom britischen General Post Office Sendelizenzen für die ersten beiden britischen Experimental-Radiostationen (2MT, 2LO). Die von dem italienischen Physiker und Ingenieur Guglielmo Marchese Marconi (1874 – 1937) gegründete Gesellschaft war damals das weltweit führende Unternehmen auf dem Gebiet der drahtlosen Kommunikation. Nachdem der Probelauf einige Monate lang reibungslos funktioniert hatte, gründeten mehrere in Großbritannien tätige Elektrokonzerne (AT&T/Western Electric, British Thomson-Houston, G.E.C., Hotpoint Electric, Marconi, Metropolitan-Vickers, Radio Communication Company) im Oktober 1922 die British Broadcasting Company (BBC).

Am 14. November 1922 strahlte die BBC vom Marconi House in London die erste Sendung über Mittelwelle aus. Generaldirektor des neuen Senders wurde der schottische Ingenieur John Reith, Programmdirektor und erster Moderator war Arthur Burrows. Bis 1926 wurden zahlreiche weitere Mittelwellensender und eine Langwellensendestation in Daventry errichtet, sodass das BBC-Programm nahezu auf der gesamten britischen Insel und in Nordirland empfangen werden konnte.

1927 wurde die BBC in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt und in British Broadcasting Corporation umbenannt; der Sender finanzierte sich jedoch weiterhin durch Werbung; erst 1937 wurden Rundfunkgebühren eingeführt. BBC-Chef Reith setzte von Anbeginn auf die drei Säulen Information, Bildung und Unterhaltung – in dieser Reihenfolge, ganz im Sinne der britischen Mittelschicht, an deren Sprache und Lebensweise man sich orientierte. Die Sprecher mussten die Nachrichten im Smoking vorlesen; die interne Selbstverpflichtung lautete: Die reine Wahrheit – verbreitet von Gentlemen. Außerdem achtete er streng darauf, dass die Regierung möglichst wenig Einfluss auf das Programm nahm.

Um auch die britischen Kolonien und die damaligen Commonwealth-Staaten (Australien, Kanada, Neuseeland, Südafrika) mit Informationen versorgen zu können, begann der BBC-Sender G5SW in Daventry Ende 1932 mit der regelmäßigen Ausstrahlung des Programms BBC Empire Service über Kurzwelle (Kurzwellensignale können aufgrund ihrer großen Reichweite nahezu auf der ganzen Welt empfangen werden).

Nachdem eine Forschungsgruppe der beiden Unternehmen Marconi und EMI ein vollelektronisches Fernsehsystem entwickelt hatte, strahlte die BBC ab 1936 ein reguläres Fernsehprogramm aus, das jedoch 1939 aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingestellt wurde (erst im Juni 1946 gab es wieder ein Fernsehprogramm). In dieser Zeit war die BBC, die inzwischen ihre Kurzwellenprogramme in mehreren Sprachen sendete (die erste weitere Sprache neben Englisch war 1938 Arabisch), die verlässlichste Informationsquelle der Welt, ganz besonders in Deutschland, wo das Hören des »Feindsenders« einer Todsünde gleichkam. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die BBC zum Vorbild für den Aufbau eines vom Staat unabhängigen Rundfunksystems in Westdeutschland. Auch in der DDR war das deutschsprachige Programm der BBC trotz der dort in weiten Teilen empfangbaren westdeutschen Rundfunk- und Fernsehprogramme als Informationsquelle sehr beliebt.

BBC
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Der BBC Empire Service (ab 1988 BBC World Service), der heute in vierzig Sprachen über Kurzwelle, UKW (in größeren Städten) und Satellit sendet, blieb auch nach dem Ende des Krieges die weltweit beste und angesehenste Nachrichtenquelle, vor allem in Ländern, in denen die nationalen Medien von den jeweiligen Regierungen kontrolliert und manipuliert wurden. Im Gegensatz zu den britischen BBC-Radio- und Fernsehprogrammen, die sich durch Gebühren und Lizenzen (Verkauf von Programmen, Büchern, DVDs) finanzieren, wird der BBC World Service von der britischen Regierung mit den nötigen Geldmitteln versorgt. Deswegen kam es besonders in Krisenzeiten (Suezkrise, Falklandkrieg) seitens der jeweiligen Regierungen immer wieder zu Versuchen, das Programm des Senders zu beeinflussen, was die BBC-Verantwortlichen jedoch jedes Mal konsequent zurückwiesen. Seit 1995 gibt es den Fernsehsender BBC World News, der sich als einziges BBC-Programm durch Werbung finanzieren darf. Das deutschsprachige Programm der BBC wurde 1999 aus Kostengründen eingestellt.

Die BBC betreibt eine ganze Reihe von Radio- und Fernsehsendern, die so gut wie alle Hörer- und Zuschauerwünsche abdecken (vierzehn Radioprogramme, fünfzehn Fernsehprogramme, achtzehn Auslandsprogramme). Daneben betreibt die BBC eine umfangreiche Website, auf der zahlreiche Radio- und Fernsehprogramme sowie Einzelsendungen abrufbar sind. Die BBC wurde auch durch ihre aufwendig produzierten Dokumentationen bekannt (Civilisation, The Nazis: A Warning from History, Life on Earth, Walking with Dinosaurs), die zahlreiche ausländische Sender in ihr Programm übernahmen. Daneben produzierte die BBC viele bekannte Programme, Fernsehserien, Fernsehfilme und Comedys, die ebenfalls erfolgreich im Ausland verkauft wurden (Cathy come home; Doctor Who; I, Claudius; House of Cards; Live Aid; Monty Python’s Flying Circus; Teletubbies; The War Game; Threads; Top of the Pops).

Die BBC ist die älteste und größte gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt. Obwohl in Großbritannien bereits seit 1955 private Fernsehsender und seit 1973 private Radiosender zugelassen sind, belegt die BBC auch heute noch die meisten verfügbaren Frequenzen und besitzt dadurch einen ungewöhnlich großen Einfluss auf dem britischen Rundfunkmarkt. Seit der Jahrtausendwende wurden die bis dahin analogen Programme auch über Antenne, Kabel und Satellit empfangbaren digitalen Formate umgestellt (DAB, DVB, DVB-S, DVB-T). 2004 stellte die BBC ihr umfangreiches Filmarchiv der Öffentlichkeit zur Verfügung; lediglich die kommerzielle Nutzung ist untersagt.

Wie die öffentlich-rechtlichen Sender in anderen Ländern, ist auch die BBC in den letzten Jahren wegen ihrer zentralistischen, bürokratischen und kostenintensiven Struktur sowie der links-liberalen Orientierung in die öffentliche Kritik geraten. Daneben gab es seit den 1990er Jahren einige handfeste Skandale beim BBC, die das lange gepflegte Image des Sender als eine über jeden Zweifel erhabene neutrale Nachrichtenquelle stark ankratzten (Ereignisse um den Whistleblower David Kelly, die zweifelhaften Recherchemethoden des BBC-Journalisten Martin Bashir, jahrzehntelanger Kindesmissbrauch des prominenten BBC-Moderators Jimmy Savile und die Vertuschungsversuche des BBC, Verharmlosung von Terrorismus und Falschinformationen zugunsten der Hamas, der irreführende Zusammenschnitt einer Rede Donald Trumps).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain

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