Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Bayer

Ursprungsland: Deutschland

Der Kaufmann Friedrich Bayer (1825 – 1880) und der Färbermeister Johann Friedrich Weskott (1821 – 1876) gründeten 1863 in Barmen bei Wuppertal eine Farbenfabrik, die zunächst Anilinfarbstoffe herstellte. 1885 entdeckte der Bayer-Chemiker Carl Duisberg den roten Farbstoff Benzopurin, der sich bald zum wichtigsten Produkt der Farbenfabrik entwickelte. 1888 stieg Bayer in die Produktion von pharmazeutischen Produkten ein. 1893 brachte das Unternehmen das erste synthetische Insektizid (Antinonnin) der Welt auf den Markt.

Ab der Jahrhundertwende wurde Bayer vor allem mit Schmerzmitteln wie Aspirin (ASS Acetylsalicylsäure; ab 1899) oder Heroin (Diacetylmorphin; ab 1898) weltweit bekannt. Heroin musste jedoch aufgrund des hohen Suchtpotenzials bereits in den 1920er Jahren in vielen Ländern wieder vom Markt genommen werden. Besonders in den USA hatte missbräuchlich verwendetes Heroin in zu hohen Dosierungen (geraucht oder intravenös gespritzt) zu steigenden Abhängigenzahlen geführt. Das Medikament selbst wurde in viel geringeren Mengen oral aufgenommen und gelangte deswegen nur langsam ins Gehirn. In Deutschland wurde Heroin erst 1971 offiziell verboten; Bayer hatte die Heroin-Produktion allerdings schon 1940 vollständig eingestellt.

1904 führte Bayer das Bayer-Kreuz als Warenzeichen ein; im selben Jahr wurde auch der Betriebssportverein TuS 04 Leverkusen (später TSV Bayer 04 Leverkusen) gegründet. 1912 verlegte Bayer seinen Firmensitz in die Nähe einer Arbeitersiedlung, die 1930 nach der Farbenfirma Carl Leverkus, die seit 1891 zu Bayer gehörte, in Leverkusen umbenannt wurde.

Bayer
Bayer

1925 schlossen sich die führenden deutschen Chemiekonzerne (Agfa, BASF, Bayer, Casella, Griesheim-Elektron, Hoechst, Kalle, Weiler ter Meer) zur I.G. Farbenindustrie AG (Frankfurt/Main) zusammen, wobei die Abkürzung I.G. für eine Interessengemeinschaft stand, die schon 1916 gegründet worden war. 1931 kam noch Dynamit-Nobel (Troisdorf) hinzu. Der I.G.-Farbenkonzern war mit seinen zahlreichen Werken (Bernburg, Bitterfeld, Böhlen, Frankfurt/Main, Krefeld-Hüls, Leverkusen, Ludwigshafen, Marburg, Marl, Merseburg/Leuna, Oppau, Schkopau, Uerdingen, Wiesbaden-Biebrich, Wolfen, Zeitz) damals das größte europäische Unternehmen und das viertgrößte der Welt (nach General Motors, U.S. Steel und Standard Oil). Im I.G.-Farben-Werk Leverkusten wurde 1926 der erste synthetische Kautschuk Buna (Butadien + Natrium), 1929 das erste synthetische Polyesterharz (Bayer Alkydal) und 1933 ein Lichtschutzfilter (Novantisolsäure), der sich erstmals dosiert anwenden ließ (Bayer Delial).

Von 1933 bis 1945 war die I.G. Farben stark in die Verbrechen der Nationalsozialisten involviert (Arisierungen, Beschäftigung von zehntausenden Zwangsarbeitern, Betrieb von Konzentrationslagern, Produktion des in den KZ-Gaskammern eingesetzten Giftgases Zyklon B, Rüstungsproduktion).

1945 wurde das Vermögen des I.G.-Farben-Konzerns durch die Alliierten beschlagnahmt. 1948 kam es zu einem Prozess gegen die wichtigsten Manager und Direktoren der I.G. Farben (die letzten wurden bereits 1951 begnadigt). Zwischen 1949 und 1952 entstanden mehrere Nachfolgefirmen.

Der Bayer-Konzern beschäftigte sich nach der Neugründung 1951 einerseits mit der Produktion von Industriechemikalien, Kunststoffen und Kunstfasern (Dralon, Perlon), andererseits mit der Herstellung von pharmazeutischen Produkten (Aspirin, Baygon, Canesten, Talcid) und Konsumgütern (Delial Sonnencreme). 1978 übernahm Bayer den US-Konkurrenten Miles Laboratories, der seit 1931 das in Nordamerika weitverbreitete ASS-Schmerzmittel Alka-Seltzer herstellte. Bis 1999 gehörte auch Agfa-Gevaert (Bürotechnik, Filme, Fototechnik, Medizintechnik, Reprotechnik) zum Bayer-Konzern.

Ab der Jahrtausendwende richtete sich der Bayer-Konzern vollkommen neu aus. Zahlreiche Geschäftsfelder wurden verkauft oder verselbstständigt (Agfa-Gevaert, Haushaltsinsektizide, Kunstfasern, Kunststoffe, Industrie- und Spezialchemikalien). Daraus entstanden teilweise neue Unternehmen wie Agfa-Gevaert (1999), Covestro (2015) und Lanxess (2005). Im Vordergrund standen nun das Life-Science-Geschäft: Medikamente für Menschen und Tiere sowie Pflanzenschutz (Saatgut, Pflanzenschutz, Schädlingsbekämpfung).

Bayer erwarb in der Folgezeit mehrere Unternehmen und Unternehmensbereiche aus diesen Geschäftsfeldern (2002 Aventis CropScience [vorm. Hoechst-Schering AgrEvo], 2004 OTC-Geschäft von Roche, 2006 Schering, 2014 Merck & Co. Consumer-Care, 2018 Monsanto).

Bayer
Bayer

Zu den bekanntesten Produkten von Bayer zählen Adalat (Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen), Adempas (Lungenhochdruck), Advantage (Floh-, Zecken-, Entwurmungsmittel), Aleve (Analgetikum), Alka-Selzer (Schmerzmittel), Aspirin (Schmerzmittel), Avalox/Avelox (Antibiotikum), Bain de Soleil (Sonnenschutz), Basta (Herbizid), Baygon (Insektizid), Bepanthen (Wundsalbe), Betaferon/Betaseron (Multiple-Sklerose), Canesten (Antimykotikum), Claritin (Allergien), Confidor (Insektizid), Dr. Scholl’s (Fußpflege), Elevit Pronatal (Vitaminpräparat), Eylea (Augen), Gaucho (Insektizid), Glucobay (Antidiabetikum), Kogenate (Blutgerinnung), Levitra (Erektile Dysfunktion), Liberty (Herbizid), Magnevist (Kontrastmittel), Mirena (Hormonspirale), Nativo (Fungizid), Nexavar (Krebsmedikament), Nunhems (Gemüsesaatgut), One-A-Day (Vitaminpräparat), Prosaro (Fungizid), Redoxon (Vitaminpräparat), Rennie (Magenmittel), Roundup (Breitbandherbizid), Seresto (Floh- und Zeckenhalsband), Stivarga (Krebs), Suprady (Nahrungsergänzungsmittel), Talcid (Magenmittel), Valette (Mikropille), Xarelto (Gerinnungshemmer), Xofigo (Krebsmedikament) und Yasmin/Yaz/Yasminelle (Kontrazeptiva).

Der 1997 auf den Markt gebrachte Cholesterin-Senker Lipobay (in den USA Baycol) musste 2001 wegen mehrerer Todesfälle in den USA und in Deutschland vom Markt genommen werden. Den Verhütungsmitteln Yasmin und Yasminelle wird ein erhöhtes Thrombose-Risiko angelastet.

Bayer betreibt Produktionsstandorte in Argentinien (Pilar, Zárate), Belgien (Antwerpen), Brasilien (Belford Roxo, Porto Alegre, São Paulo), China (Shanghai), Deutschland (Bergkamen, Berlin, Bitterfeld, Brunsbüttel, Dormagen, Grenzach, Krefeld-Uerdingen, Kiel, Leverkusen, Weimar, Wuppertal-Elberfeld), Frankreich (Fos-sur-Mer, Gaillard/Savoie, Marle-sur-Serre, Villefranche/Saone), Großbritannien (Norwich, Widnes), Italien (Filago, Garbagnate, Mussolente, Nera Montoroin), Kolumbien (Barranquilla, Cali), Mexiko (Lerma, Mexico City, Orizaba, Monterrey, Santa Clara), Spanien (La Felguera, Madrid, Tarragona, Zona Franca), Südafrika (Gauteng, Kwa-Zulu Natal), Thailand (Map Ta Phut), der Türkei (Gebze, Istanbul), den USA (Baytown/Texas, New Martinsville/West-Virginia) und Venezuela (Caracas, Maracay).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain

www.bayer.com