Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

BASF

Ursprungsland: Deutschland

Der Unternehmer Friedrich Engelhorn (1821 – 1902), Besitzer eines Juweliergeschäftes in Mannheim, gründete 1848 die Badische Gesellschaft für Gasbeleuchtung, die die Stadt Mannheim in Baden-Württemberg mit Leuchtgas versorgte. Um den bei der Herstellung von Leuchtgas anfallenden Steinkohlenteer nutzen zu können, gründete er 1865 ebenfalls in Mannheim die Badische Anilin- und Soda-Fabrik AG, die Teerfarbstoffe und Anilinfarben für die Textilindustrie produzierte. Bereits eine Woche nach der Firmengründung zog die BASF auf die andere Rheinseite nach Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) um; der Bürgerausschuss der Stadt Mannheim hatte sich zuvor wegen der zu erwartenden Abgase der Chemiefabrik gegen eine Ansiedlung des neuen Unternehmens in ihrer Stadt ausgesprochen. 1867 wurde der Betrieb in Ludwigshafen aufgenommen. Ludwigshafen ist heute das größte zusammenhängende Chemie-Areal der Welt. 1871 entwickelte BASF den roten Farbstoff Alizarin und 1897 gelang BASF-Chemikern erstmals die künstliche Herstellung des organischen Farbstoffs Indigo. 1913 stieg das Unternehmen in die Produktion von Stickstoffdüngemitteln ein; dazu wurde in Oppau bei Ludwigshafen die erste Ammoniaksynthese-Anlage der Welt in Betrieb genommen. 1916 errichtete BASF in der Nähe des Dorfes Leuna bei Merseburg eine zweite Fabrik zur Produktion von Ammoniak. Daraus entstand später das größte Chemiekombinat der ehemaligen DDR.

1925 schlossen sich die führenden deutschen Chemieunternehmen BASF, Friedrich Bayer & Co. (Leverkusen), Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning (Frankfurt-Höchst; inkl. der zuvor übernommenen Firmen Leopold Cassella und Kalle & Co.), Actiengesellschaft für Anilin-Fabrikation/Agfa (Berlin, Wolfen), Chemische Fabrik Griesheim-Elektron (Frankfurt/Main, Bitterfeld) und Chemische Fabriken vorm. Weiler ter Meer (Uerdingen) zusammen. Als Auffanggesellschaft diente die Badische Anilin- und Soda-Fabrik, die ihren Namen in I.G. (Interessen-Gemeinschaft) Farbenindustrie AG änderte und ihren Firmensitz nach Frankfurt am Main verlegte. 1926 kam noch die Dynamit Actien-Gesellschaft vorm. Alfred Nobel & Co. hinzu.

Die IG Farben war der damals größte Chemiekonzern der Welt. Der Konzern finanzierte maßgeblich die Nationalsozialisten, beschäftigte bis zu achtzigtausend Zwangsarbeiter (1944), betrieb seit 1941 das Konzentrationslager Auschwitz III Monowitz, und die IG-Farben/Degussa-Tochtergesellschaft Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung) produzierte das in den Gaskammern der Konzentrationslager eingesetzte Giftgas Zyklon B (Blausäure), das von dem Degesch-Chemiker Walther Heerdt 1922 als Schädlingsbekämpfungsmittel entwickelt worden war. Während des Zweiten Weltkriegs produzierten die BASF-Werke vor allem synthetisches Gummi (Buna), synthetisches Benzin (Kohlehydrierung) und Kunststoffe (Polystyrol, Polyvinylchlorid, Polyisobutylen, Polyvinylether, Polyethylen).

Andererseits entstanden in den zahlreichen IG-Farben-Werken (Bernburg, Bitterfeld, Böhlen, Frankfurt/Main, Krefeld-Hüls, Leverkusen, Ludwigshafen, Marburg, Marl, Merseburg/Leuna, Oppau, Schkopau, Uerdingen, Wolfen, Zeitz) so bahnbrechende Produkte wie 1927 der erste synthetische Kautschuk Buna (Butadien + Natrium), 1928 das erste Frostschutzmittel für Automobile (BASF Glysantin), 1929 das erste synthetische Polyesterharz (Bayer Alkydal), 1933 ein Lichtschutzfilter, der sich erstmals dosiert anwenden ließ (Bayer Delial), 1935 das erste Kunststoffband mit einer magnetisierbaren Eisenoxidbeschichtung (BASF Magnetophonband; gleichzeitig brachte AEG-Telefunken das Tonbandgerät Magnetophon auf den Markt), 1936 die Kunststoffamilie der Polyurethane sowie der Agfacolor-Farbfilm, der erstmals eine wirklich befriedigende Qualität von Diapositiven bot und 1938 die synthetische Faser Perlon, die eine ähnliche Beschaffenheit hatte, wie die amerikanische Kunstfaser Nylon von Dupont.

BASF
BASF

1945 wurde das Vermögen des IG-Farben-Konzerns durch die Alliierten beschlagnahmt. 1948 kam es zu einem Prozess gegen die wichtigsten Manager und Direktoren der IG Farben (die letzten wurden bereits 1951 begnadigt). Zwischen 1949 und 1952 entstanden mehrere Nachfolgefirmen. Das Restvermögen verwaltete die IG Farbenindustrie AG i. A. (in Abwicklung) – u. a. das Auslandsvermögen (dessen Verbleib bis heute ungeklärt ist), das Westvermögen der im Osten Deutschlands gelegenen Betriebe sowie Ansprüche auf die enteigneten Vermögen in der DDR und Polen. 1951 brachte das BASF-Werk Ludwigshafen den sehr leichten Polystyrol-Hartschaum Styropor auf den Markt, der vor allem als Isolier- und Verpackungsmaterial Verwendung fand. Weitere Produkte der frühen Nachkriegszeit waren Nylon, Perlon, Polyethylen (PE) und Polyvinylchlorid (PVC).

1952 wurde die Badische Anilin- und Soda-Fabrik neugegründet (ab 1973 BASF Aktiengesellschaft). Ende der 1950er Jahre begann der Aufbau von Produktionsstätten im Ausland (Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Mexiko, Spanien, USA). 1965 erwarb BASF die Glasurit-Werke Max Winkelmann (Münster), eines der größten europäischen Lack-Unternehmen (heute BASF Coatings). Mit der Übernahme der Nordmark-Werke GmbH (Hamburg) begann 1968 der Aufbau einer eigenen Pharmasparte; zuvor hatte BASF nur Vorprodukte für die pharmazeutische Industrie hergestellt. Mit der Übernahme der Knoll AG (1975/1982) wurde dieser Bereich noch weiter ausgebaut. 2001 zog sich BASF mit dem Verkauf der Knoll AG an Abbott Laboratories (USA) aus dem Pharmasektor zurück.

Nachdem Philips 1963 die Compact-Cassette auf den Markt gebracht hatte, stieg BASF auch zu einem führenden Hersteller von Tonbandkassetten auf. 1966 wurde in Willstätt bei Kehl eine Magnetbandfabrik eröffnet. 1969 erwarben BASF und Sony von DuPont (USA) Lizenzen für das Chromdioxid-Verfahren, das der DuPont-Chemiker Norman L. Cox 1956 entwickelt hatte; beide Unternehmen brachten daraufhin die ersten HiFi-fähigen Chromdioxid-Compact-Cassetten auf den Markt. 1973 kamen Computer-Disketten dazu und 1977 Videokassetten. 1991 übernahm BASF den Magnetbandbereich von Agfa-Gevaert und gründete daraufhin die BASF Magnetics GmbH (Mannheim). Nachdem der Absatz aufgrund der neuen CD-Brenner stark zurückgegangen war, verkaufte BASF die BASF Magnetics GmbH mit Standorten in Ludwigshafen, Willstätt, München, Obenheim (Frankreich), Avranches (Frankreich), Manaus (Brasilien) und Jakarta (Indonesien) 1996 an den südkoreanischen Chemiekonzern Kohap, der die Firma 1997 in Emtec (European Multimedia Technologies/EMTEC Magnetics GmbH) umbenannte. Emtec verwendete die Marke BASF noch bis 2000, danach nur noch das frühere BASF-Logo.

Von den 1930er Jahren bis Mitte der 1970er Jahre und kurzzeitig in den 1980er Jahren betrieb BASF eine eigene Plattenfirma, die anfangs Klassikaufnahmen veröffentlichte (um die hohe Qualität des Magnetophonbandes zu demonstrieren), später aber auch zahlreiche Pop- und Schlagerplatten (Freddy Breck, Cindy & Bert, Ricky King, Bata Illic, Renate Kern, France Gall, Siw Malmkvist, Manuela, Peter Rubin, Bläck Fööss). Darüber hinaus bestanden Vertriebsabkommen mit Cornet (Heinz Gietz) und dem Krautrock-Label Pilz. Da BASF mit seiner Musikabteilung jedoch fünf Jahre lang Verluste eingefahren hatte, wurde sie 1976 geschlossen.

1969 erwarb BASF den Winterschall-Konzern (Erdöl, Erdgas, Kali, Petrochemie). Aus dem Zusammenschluss des Kali-Bereiches von Wintershall mit der Salzdetfurth AG und der Burbach-Kaliwerke AG entstand 1970 das Unternehmen K+S (Kali und Salz), an dem BASF lange Zeit die Mehrheit hielt.

Seit der Jahrtausendwende übernahm der inzwischen weltgrößte Chemiekonzern verstärkt Spezialchemieunternehmen, die als weniger konjunkturanfällig gelten als die Hersteller von Massenchemikalien (Bauchemie, Elektronikchemikalien, Fahrzeugkatalysatoren, Plastic Additives, Coating Effects, Water and Paper Treatment). 2008 wurde die BASF Aktiengesellschaft in eine Europäische Gesellschaft (Societas Europaea) umgewandelt, sodass das Unternehmen nun als BASF SE firmiert.

Der Konzern besteht aus den Bereichen Pflanzenschutz und Ernährung (Fungizide, Herbizide, Insektizide, Pigmente, Säuren, Vitamine), Chemikalien (petrochemische Grundprodukte, Weichmacher, Elektronikchemikalien, Leime, Harze, Amine, Diole, Vorprodukte für Farben, Fasern, Feinchemie), Kunststoffe (Polystyrol, Polyurethane, Schaumpolystyrol, PVC, Styrol-Kunststoffe, synthetische Fasern), Veredelungsprodukte (Farbstoffe und Prozesschemikalien für Leder, Pigmente, Druckfarben und Druckplatten, Fahrzeug- und Industrielacke sowie Bauanstrichmittel, Veredelungspolymere, Grundstoffe für Anstrichmittel für Lacke und Klebstoffe) sowie Öl und Gas (Exploration, Förderung und Transport sowie Speicherung und Handel mit Erdgas und Erdöl).

Die wichtigsten BASF-Werke befinden sich in Ludwigshafen, Münster, Schwarzheide, Antwerpen (Belgien), Port Arthur/Texas (USA), Freeport/Texas (USA), Geismar/Louisiana (USA), Altamira (Mexiko), Kuantan (Malaysia) und Nanjing (China).

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Pixabay.com, Public Domain

www.basf.com