Markenlexikon
Der dänische Ingenieur Jörgen Skafte Rasmussen (1878 – 1964), Gründer der Zschopauer Motorenwerke (DKW), rief 1922 die Frankenberger Metallwerke ins Leben, die zunächst Motorradzubehör produzierten. 1927 entwickelte die Firma einen dreirädrigen Transporter (TV 300), dem in den nächsten Jahren weitere drei- und vierrädrige Modelle folgten. Ab 1933 wurde das Werk schrittweise nach Hainichen verlegt. 1934 kam es zur Umbenennung der Firma in Framo-Werke (Framo = FRAnkenberger MOtorenwerke). Große Verbreitung fanden die Dreivierteltonner-Modelle Framo V 500 (ab 1939) und V 501 (ab 1941), die es als Kasten- und Pritschenwagen gab. Beide besaßen vier Räder und einen Zweizylinder-Zweitaktmotor (zeitweise auch einen Doppelkolbenmotor). Daneben produzierte Framo in den 1930er Jahren auch einige Pkw-Modelle (Stromer FP 200, Piccolo VH 200, Piccolo VH 300).
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Framo-Werk enteignet und verstaatlicht. Der letzte Framo-Geschäftsführer Hans Werner Skafte Rasmussen (1906 – 1945), der Sohn des Gründers, wurde von den Sowjets im Juni 1945 festgenommen und in das Internierungslager Toszek (Polen) gebracht, wo er nach wenigen Wochen im Alter von 39 Jahren an allgemeiner Entkräftung und Ruhr verstarb.
1949 lief die Produktion der Pritschenvariante des Framo V 501/2 mit Doppelkolbenmotor wieder an. Nachdem man 1951 den Doppelkolbenmotor durch den Dreizylinder-Zweitaktmotor des IFA F9 ersetzt hatte, lautete die Modellbezeichnung V 901. Von diesem Modell gab es auch Kasten-, Kleinbus-/Kombi-, Kofferaufbau- und Krankenwagen-Varianten. Die Karosserien kamen teilweise aus den Karosseriewerken Baalberge, Döbeln und Halle/Saale. Der V 901/2 (ab 1954), der 1957 den Namen Barkas (punisch Blitz) erhielt, hatte ein verbreitertes Fahrerhaus, eine modernere Frontpartie und einen geringfügig verlängerten Radstand. 1957 wurde das Unternehmen in Barkas-Werke umbenannt und ein Jahr später mit dem Motorenwerk Karl-Marx-Stadt und dem Fahrzeugwerk Karl-Marx-Stadt zusammengeschlossen.


1961 ging der Barkas B 1000 mit einer Nutzlast von einer Tonne in die Serienproduktion. Die Karosserie wurde in einem Werk in Karl-Marx-Stadt gefertigt, der Dreizylinder-Zweitaktmotor und das Getriebe kamen aus dem Motorenwerk Karl-Marx-Stadt, die Endmontage erfolgte in Hainichen, einem Ort rund 26 Kilometer nordöstlich von Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt). Den B 1000 gab es als Kastenwagen, Kofferwagen, Kleinbus und Pritschenwagen sowie mit bis zu vierzig verschiedenen Aufbauten und Ausstattungen (Feuerwehrfahrzeug, Krankenwagen, Militärfahrzeug, Polizeieinsatzfahrzeug, Postfahrzeug, Wärme-Isolierfahrzeug etc.). Daneben fertigten Fremdfirmen auch spezielle Umbauten (Abschleppwagen, Gefangenentransporter, Rundfahrtenbus, Sattelschlepper, Wohnmobil). Eine Weiterentwicklung des B 1000 zum B 1100 kam zwischen 1969 und 1972 nicht über den Prototypen-Status hinaus.
Ab 1988 produzierte das Barkas-Motorenwerk in Karl-Marx-Stadt VW-Viertaktmotoren in Lizenz, die in den letzten Varianten der Pkw-Typen Trabant und Wartburg sowie im Barkas zum Einsatz kamen. Die Produktion des Barkas endete 1991. Der Versuch, die gesamten Produktionsanlagen nach Russland zu verkaufen, scheiterte an den hohen Transportkosten. Die bereits gepackten vierzig Großcontainer wurden daraufhin verschrottet. Das Werk in Chemnitz wurde 1992 von Volkswagen übernommen.
Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Pixabay.com, Public Domain