Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Barclay Records

Frankreich

Eddie Barclay (eigtl. Édouard Ruault; 1921 – 2005) begann seine Karriere als Barpianist in Paris. Seine ersten Plattenaufnahmen machte er 1942 für das Label Disques Swing. Drei Jahre später gründete Barclay zusammen mit seiner Frau Nicole eine eigene Plattenfirma (Blue Star), die zunächst seine Live-Aufnahmen, die er mit seiner Band in seinem eigenen Nachtclub spielte, veröffentlichte. Barclay lieferte die fertigen Platten mit seinem Motorroller aus. Blue Star war vor allem ein Jazz-Label, das u.a. Tyree Glenn & His Orchestra und Django Reinhardt unter Vertrag hatte. 1946 erwarb er von dem amerikanischen Armee-Radiosender AFN (American Forces Network) ein Aufnahmestudio (Technisonor Studio). Daneben gehörte Barclay zu den Organisatoren des Festival International 1949 de Jazz und war Mitbegründer des Jazz Magazine.

1954 gründete er wieder zusammen mit seiner Frau ein weiteres Label (Disques Barclay bzw. Barclay Records), das die auch die Aktivitäten von Blue Star weiterführte. Barclay blieb zunächst dem Jazz verbunden, aber ab Mitte der 1950er Jahre etablierte sich das Label mit Künstlern wie Dalida (ab 1956), Henri Salvador (ab 1958), Charles Aznavour (ab 1959), Brigitte Bardot (ab 1961), Jacques Brel (ab 1961), Françoise Hardy (ab 1962), Mireille Mathieu (ab 1965) oder Juliette Gréco (ab 1972) auch zu einem führenden Label für das französische Chanson. 1957 nahm Barclay ein neues 1800 Quadratmeter großes Tonstudio in der Pariser Rue Hoche 9 in Betrieb. Eddie Barclay selbst blieb neben der Unternehmer- und Produzententätigkeit mit seiner 20 Mann starken Jazzband, dem Eddie Barclay Orchestra, auch weiterhin als Musiker tätig.

Von 1957 bis 1961 arbeitete der amerikanische Jazz-Trompeter Quincy Jones als Arrangeur und musikalischer Leiter für Barclay Records. Jones wurde später als Musikproduzent (Jackson Five, Michael Jackson, u.a. »Thriller« und »Bad«, USA for Africa's »We Are the World«, Lesley Gore), Arrangeur (Billy Eckstine, Dinah Washington, Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Nana Mouskouri, Peggy Lee, Sarah Vaughan) und Filmmusik-Komponist (»In der Hitze der Nacht«, »Ironside – Der Chef«, »Mackenna’s Gold«, »Getaway«, »Die Farbe Lila«, »The Bill Cosby Show«) weltbekannt. 1961 kehrte er in die USA zurück und wurde dort Vizepräsident von Mercury Records – neben Atlantic, Buddah und Verve einer der Vertriebspartner von Barclay.

Mitte der 1960er Jahre gehörte Barclay neben Pathé-Marconi (EMI), Philips, CBS und Vogue zu den führenden französischen Plattenlabels und der 1964 gegründete Musikverlag Nouvelles Editions Barclay war der größte unabhängige Musikverlag Frankreichs. 1978 verkauften die Gründer ihre Firma an die Philips-/Siemens-Tochter PolyGram (Casablanca, Deutsche Grammophon, Fontana, Mercury, Metronome, MGM Records, Philips, Polydor, Phonogram, RSO, Verve, Vertigo). Aus MCA/Universal und PolyGram ging 1998 die Universal Music Group hervor, der das Label heute gehört.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 12.11.2020 | 23:39