Markenlexikon

Branche: Chemie

Bakelite

USA

Der belgische Chemiker Dr. Leo Hendrik Baekeland (1863 – 1944) entwickelte 1907 in den USA einen synthetischen Hartkunststoff (Duroplastik) aus Phenol und Formaldehyd, der das weitverbreitete Schellack ersetzen sollte. Die Kondensationsreaktion dieser beiden chemischen Verbindung war zwar schon 1872 von dem deutschen Chemiker Adolf von Baeyer entdeckt worden, doch erst Baekeland gelang es mit Hilfe eines selbstentwickelten Autoklavs (gasdicht verschließbarer Druckbehälter für die thermische Behandlung von Stoffen im Überdruckbereich) schließlich, Phenol und Formaldehyd in einer beheizten Form zu einem Kunstharz zu verbinden, der unter Einwirkung von Wärme und Druck aushärtete. Das neue Material, das er Bakelite (in Deutschland Bakelit) nannte, war unlöslich, hitzebeständig, nicht stromleitend und vor allem kostengünstig herzustellen (Phenol fiel damals in großen Mengen als Abfallprodukt der Steinkohlendestillation an). Auf das Herstellungsverfahren bekam Baekeland mehrere Patente erteilt.

1909 gründete er in Yonkers/New York die General Bakelite Company, die die Herstellungsrechte an verschiedene Unternehmen überall auf der Welt vergab. Aus Bakelite, dem ersten industriell produzierte Kunststoff der Welt, wurden bald unzählige Artikel hergestellt, u.a. Radiogehäuse, Telefongehäuse, Haushaltsgeräte, Büroartikel, Stecker, Steckdosen, Lichtschalter, Teller, Scheibgeräte, Waffenbeschläge, Zündkapseln, Flugzeugpropeller, Isolationsmaterial, Sicherungen und Spielzeug, sodass der Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch überging. Um die mechanischen Eigenschaften und das Aussehen zu verändern, wurden dem Bakelit häufig auch Füllstoffe beigemengt, u.a. Textilreste, Holzreste, Gesteinsmehl oder Farbpartikel.

Nachdem sich Baekeland zur Ruhe gesetzt hatte, wurde das US-Unternehmen 1939 vom Chemiekonzern Union Carbide (gehört 2000 zu Dow Chemical) übernommen. Die 1910 von Baekeland und den Rüttgers-Werken in Erkner bei Berlin gegründete deutsche Bakelite Gesellschaft mbH (später Bakelite AG) besaß lange Zeit die Rechte an dem Namen Bakelit/Bakelite (außer in den USA und Kanada). Das Unternehmen betrieb mehrere Werke, u.a. in Iserlohn-Letmathe (ab 1952), Duisburg-Meiderich (ab 1957) und Frielendorf bei Kassel (1976), wo Phenol- und ab 1959 auch Epoxidharze produziert wurden. Die Rütgers AG verkaufte die Bakelite AG 2005 an das US-Chemieunternehmen Borden Chemical Inc. (USA), das diesen Bereich anschließend in das neue Unternehmen Hexion Specialty Chemicals Inc. eingliederte. Hexion ist nun einer der weltweit führenden Hersteller von duroplastischen Kunststoffen.

Leo Hendrik Baekeland wurde 1999 von der US-Zeitschrift Time auf die Liste der 20 größten Denker und Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts gesetzt. Wegen ihres besonderen Designs und Aussehens (Bakelit konnte nur in dunklen Farbtönen hergestellt werden) sind originale Produkte aus Bakelit heute teilweise gesuchte Sammlerstücke.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 14:44