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Branche: Medien

Baedeker

Deutschland

Die Ursprünge des Namens Baedeker gehen auf den Bielefelder Buchdrucker und Verleger Diederich Baedeker (1680 – 1716) zurück. Sein Enkel Zacharias Gerhard Diedrich Baedeker (1750 – 1800) gründete 1775 in Essen den G.D. Baedeker Verlag, der später von seinem Sohn Gottschalk Diederich Baedeker (1778 – 1841) weitergeführt wurde. Begründer der berühmten Baedeker-Reiseführer war der Buchhändler Karl Baedeker (1801 – 1859), der ältester Sohn von Gottschalk Diedrich Baedeker. 1827 gründete er in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung, die sich nach der Übernahme des Reisebuchverlags Friedrich Röhling (1832) auf die Herausgabe von internationalen Reiseführern spezialisierte. Der erste Baedeker-Band war 1835 eine Überarbeitung des Rheinreiseführers »Rheinreise von Mainz bis Cöln, Handbuch für Schnellreisende« des Historikers Johann August Klein, den der Röhling-Verlag erstmals 1828 publiziert hatte. Die dritte Auflage von 1839 bearbeitete Karl Baedeker persönlich. Statt der bisher üblichen Reiseliteratur, deren Inhalt meist aus Abenteuergeschichten oder nüchternen Beschreibungen bestand, schuf Baedeker einen praktischen Ratgeber, der nicht nur auf Sehenswürdigkeiten hinwies, sondern u.a. auch über Rastmöglichkeiten, Gasthäuser, Hotels, Verkehrsverbindungen, Fahrpläne und Preise informierte. Da der Verleger die Informationen an Ort und Stelle persönlich überprüfte, galten seine Reiseführer schon bald als absolut zuverlässig. Vorbild von Baedekers Reiseführern waren die roten »Handbooks for travellers«, die der englische Verlag John Murray ab 1836 herausgab.

Bald folgten weitere Bände über »Belgien« und »Holland« (1839), »Deutschland und der Oesterreichische Kaiserstaat« (1842), die »Schweiz« (1844), »Paris und Umgebung« (1855; Karl Baedekers letztes Werk als Autor), eine Ausgabe der »Rheinreise« in englischer Sprache (1861), »Palästina und Syrien« (1875), »Schweden und Norwegen« (1879), »Russland« (1883), »Nordamerika« (1893), »Canada« (1894), »Spanien und Portugal« (1897), »Mittelmeer« (1909), »Indien« (1914) und »Ägypten« (1928). Der Name Baedeker wurde im deutschsprachigen Raum zum Synonym für Reiseführer und die Genauigkeit des Verlegers auch bei Kleinigkeiten führte zu dem Ausspruch: »Könige und Regierungen können sich irren, aber nie Herr Baedeker« (urspr. aus der engl. Übersetzung der Operette »La Vie Parisienne« von Jacques Offenbach). 1872 zog der Baedeker-Verlag in die deutsche Verlags- und Buchhandelsmetropole Leipzig um, wo u.a. auch die Verlage von Reclam, Brockhaus und Meyer (Meyer's Lexikon) ihren Sitz hatten. Die Zerstörung des Leipziger Verlagsgebäudes infolge des Zweiten Weltkriegs bedeutete 1943 zunächst das Ende des Verlages.

1948 gründete Karl Friedrich Baedeker (1910 – 1979), ein Urenkel des Firmengründers, den Verlag im holsteinischen Malente neu (ab 1956 in Freiburg im Breisgau ansässig). 1951 etablierten Karl Friedrich Baedeker, der Baedeker-Redakteur Oskar Steinheil sowie der Verleger und Kartograph Kurt Mair (u.a. Shell-Straßenatlas) in Stuttgart einen weiteren Verlag (Baedeker's Autoführer-Verlag), der den Baedeker's Shell-Autoführer herausgab und ab 1979 die Baedeker Allianz-Reiseführer. Nach dem Tod Baedekers 1979 wurde der Freiburger Verlag von der Langenscheidt KG übernommen und der Autoführer-Verlag in Ostfildern-Kemnat bei Stuttgart, der seit 1972 hier ansässig war, ging in den Besitz von Mairs Geographischer Verlag über. 1987 schlossen sich beide Baedeker-Verlage zur Karl Baedeker GmbH (Ostfildern-Kemnat) zusammen. Seit 1997 gehört Baedeker vollständig zur Mair-Gruppe bzw. seit 2005 MairDumont-Gruppe (u.a. Marco-Polo-Reiseführer, Falk-Stadtpläne, Shell-Atlas, Allianz-Freizeitkarten, DuMont-Reiseführer, Kompass Wander- und Radwanderführern, HB-Bildatlanten). Inzwischen gibt es 150 deutschsprachige Baedeker-Bände.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 14:32