Markenlexikon

British Aircraft Corp. (BAC)

Großbritannien

In den späten 1950er Jahren übte die britische Regierung großen Druck auf die heimischen Flugzeughersteller aus, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen, wenn sie weiter staatliche Aufträge bekommen wollten; ähnlich wie es auch in Frankreich praktiziert wurde. So entstanden um 1959/1960 zwei Gruppen: Hawker-Siddeley (Avro, Blackburn Aircraft, De Havilland Aircraft, Folland Aircraft, Hawker Aircraft) und die British Aircraft Corporation (BAC; Bristol Aircraft, English Electric Aviation, Hunting Aircraft/Percival Aircraft, Vickers-Armstrong Aircraft). Das neue Unternehmen befand sich zunächst im Besitz von Vickers (40 Prozent), English Electric (40 Prozent) und Bristol Aircraft (20 Prozent).

Bristol Aero Engines schloss sich 1959 mit Armstrong-Siddeley Motors, der Flugmotorenabteilung von Hawker-Siddeley, zusammen (Bristol-Siddeley Engines). Bristol-Siddeley erwarb 1961 noch De Havilland Engine und Blackburn Engines, ging dann aber 1966 selbst im Rolls-Royce-Konzern auf. Damit befand sich die gesamte britische Flugmotorenindustrie in einer Hand. Die Bristol-Hubschraubersparte ging 1960 in den Besitz von Westland Helicopters über

BAC fertigte noch einige Flugzeug-Modelle der Vorgängerfirmern weiter (English Electric Lightning, Hunting/Percival BAC-167 Strikemaster, Vickers 950 Vanguard, Vickers Viscount) oder brachte sie zur Serienreife (Hunting 1-11/BAC 1-11 One Eleven, Vickers VC10, Concorde).

PANAVIA TORNADO: Um für die Luftstreitkräfte Großbritanniens, Deutschlands und Italiens ein allwettertaugliches Mehrzweck-Kampfflugzeug zu entwickeln (als Nachfolger für die US-amerikanische Lockheed F-104G Starfighter), bildeten die drei Flugzeugfirmen British Aircraft Corporation (42,5 Prozent; ab 1977 British Aerospace, seit 1999 BAE Systems), Messerschmitt-Bölkow GmbH (42,5 Prozent; ab 1969 Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH) und Aeritalia S.p.A. (15 Prozent) im März 1969 die Panavia Aircraft GmbH. Die Triebwerke wurden von den in der Turbo-Union zusammengeschlossenen Firmen Rolls-Royce, MTU und Fiat Aviazione entwickelt, die Bordkanonen von IWKA/Mauser und die Elektronik von Elliott. Den ersten Prototypen Panavia 200 P-01 baute MBB, der Jungfernflug fand im August 1974 statt.

Panavia Tornado
Panavia Tornado

1976 taufte man den bis dahin nur MRCA (Multi-Role-Combat-Aircraft) genannten Schwenkflügel-Jet in Tornado um. Die Serienproduktion begann 1979. Die ersten Maschinen wurden 1982 ausgeliefert. Bis zum Produktionsende 1993 entstanden in den drei Montagewerken Warton, Manching und Turin insgesamt 992 Tornados, die als Jagdbomber, Aufklärer und Abfangjäger eingesetzt werden. Nachfolger des Tornado ist der Eurofighter Typhoon, der von den selben Firmen bzw. deren Nachfolgegesellschaften (Airbus Group, BAE Systems, Leonardo) gebaut wird. Die Panavia Aircraft GmbH (Hallbergmoos), die für die Organisation die Instandhaltung, Nachrüstung und Reparatur der Tornado-Flotte zuständig ist, gehört heute zu den Unternehmen Airbus Group (42,5 Prozent), BAE Systems (42,5 Prozent) und Leonardo (15 Prozent).

SEPECAT JAGUAR: Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt war die SEPECAT Jaguar (zusammen mit der Société Anonyme des Ateliers d’Aviation Louis Breguet), ein Angriffsflugzeug für die Luftstreitkräfte Großbritanniens und Frankreichs, das von 1968 bis 1981 produziert wurde. Exportkunden waren u.a. Ecuador, Indien, Nigeria und Oman. Die Abkürzung SEPECAT steht für das Unternehmen Société Européenne de Production de l'Avion d'Ecole de Combat et d'Appui Tactique (Europäische Gesellschaft zur Herstellung des Schul- und taktischen Unterstützungsflugzeugs).

BRITISH AEROSPACE: Nachdem die weltweite Ölkrise in den frühen 1970er Jahren den großen Airlines bei der Flugzeugbeschaffung Zurückhaltung auferlegte und selbst die prestigeträchtige Concorde kaum Käufer anlockte, kamen die europäischen Hersteller zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. 1976 nahm sich die britische Regierung des Problems im eigenen Lande an und verstaatlichte Hawker-Siddeley und die British Aircraft Corporation (BAC 1-11 One-Eleven, Concorde, Tornado). 1977 schlossen sich Hawker-Siddeley Aviation (Flugzeugbau), Hawker-Siddeley Dynamics (Lenkwaffen, Raumfahrtsparte), die British Aircraft Corporation und Scottish Aviation (Handley Page, Jetstream) zum Luft- und Raumfahrtkonzern British Aerospace (BAe) zusammen.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 08.04.2020 | 14:24