Markenlexikon
George Herman Babcock (1832 – 1893) beschäftigte sich zunächst mit der Entwicklung von Druckmaschinen. Zusammen mit seinem Vater entwickelte er eine polychromatische Druckmaschine, die drei Farben gleichzeitig drucken konnte. Sehr erfolgreich wurde auch eine von Babcock entwickelte Druckmaschine für den Akzidenzdruck, die die Firma Pawcatuck aus Westerly/Rhode Island herstellte. Daneben gab er ab 1851 auch die Wochenzeitung The Literary Echo heraus. Während des amerikanischen Bürgerkriegs arbeitete er bei Mystic Iron, einem Schiffbauunternehmen aus Mystic/Connecticut. Anschließend wurde Babcock Chefzeichner bei der Hope Iron Company in Providence/Rhode Island.
Hier erfand er zusammen mit seinem Jugendfreund Stephen Wilcox (1830 – 1893) den Sektionalkessel (Teilkammerkessel, Wasserrohrkessel) zur Dampf- oder Heißwassererzeugung. Im Gegensatz zum herkömmlichen Großwasserraumkessel wurden die Rauchgase in Verdampferrohren geführt. Diese Anordnung, die die Heizflächen vergrößerte und so einen besseren Wirkungsgrad erzielte, ermöglichte darüber hinaus trotz Massenfertigung eine individuelle Anpassung der Dampfleistung, indem die Anzahl der Rohrreihen verändert wurde. 1867 erhielten Babcock und Wilcox auf diesen Wasserrohrkessel ein Patent.
Zur Auswertung des Patents gründeten Babcock und Wilcox 1867 in Providence/Rhode Island die Firma Babcock & Wilcox, die sich in den nächsten Jahrzehnten zu einem weltweit führenden Hersteller von Dampferzeugern entwickelte. In mehreren Ländern entstanden Tochtergesellschaften (1891 London, 1898 Berlin).
Neben konventionellen Kesseln produziert Babcock & Wilcox auch nukleare Dampferzeuger, Nukleartechnik, sowie Kernreaktoren für Kernkraftwerke und Atom-U-Boote. In der Anlage Y-12 National Security Complex, die dem Energieministerium der USA untersteht, stellt Babcock & Wilcox zusammen mit dem Bechtel-Konzern hochangereichertes Uran für zivile und militärische Zwecke her.
Die britische Tochtergesellschaft wurde 1975 unabhängig von der US-Mutter und 1982 als Babcock International an der Londoner Börse platziert. 1995 verkaufte Babcock International die Bereiche Kesselherstellung und Energiedienstleistungen an das japanische Unternehmen Mitsui Engineering and Shipbuilding. Babcock International ist heute auf die Verwaltung komplexer Anlagen und Infrastrukturen spezialisiert. Die Deutschen Babcock & Wilcox Dampfkessel-Werke mit Sitz in Oberhausen (ab 1976 Deutsche Babcock, ab 1999 Babcock-Borsig), die bis 1975 mehrheitlich zum britischen Unternehmen Babcock & Wilcox gehörten, produzierten bis zur Insolvenz 2002 Dampferzeuger, Feuerungsanlagen, Gaspipeline-Ausrüstungen, Kesselhäuser, Kernreaktoren, Kernkraftwerkskomponenten und Schornsteine.
Text: Toralf Czartowski