Markenlexikon

Branche: Automobile

Audi

inkl. Auto-Union, DKW, Horch, NSU, Wanderer

Deutschland

HORCH (ZWICKAU): Der Maschinenbau-Ingenieur August Horch (1868 – 1951) hatte einige Jahre bei Karl Benz in Mannheim gearbeitet, bevor er 1899 in Köln-Ehrenfeld eine eigene Werkstatt eröffnete. 1900 kam sein erstes Auto auf den Markt. 1902 zog er nach Reichenbach/Vogtland um, und 1904 siedelte er seine Firma in Zwickau/Sachsen an; gleichzeitig wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Nebenbei betätigte sich August Horch auch als Rennfahrer, der mit seinen eigenen Autos mehrere Rennen gewann. Das Unternehmen arbeitete jedoch in den Anfangsjahren nicht sonderlich rentabel, weshalb der patriarchische Firmenchef, der sich partout an keinen vernünftigen Finanzplan halten wollte, mit seinen Geldgebern ständig aneinander geriet.

AUDI (ZWICKAU): 1909 wurde er schließlich vom Aufsichtsrat aus seiner eigenen Firma entlassen. Kurz darauf gründete er mit finanzieller Unterstützung einiger befreundeter Unternehmer in Zwickau eine neue Firma. Da der Name Horch als Automarke schon vergeben war, kam der damals zehnjährige Heinrich Fikentscher, der Sohn des Horch-Mitarbeiters Franz Fikentscher, auf die Idee, ihn ins Lateinische zu übersetzen (audio = hören, audi = höre bzw. horch), was 1910 zum Firmennamen Audi führte. Der erste Audi, Typ-A genannt, wurde sofort ein Erfolg. Nebenbei fuhr August Horch mit seinen neuen Fahrzeugen auch weiterhin erfolgreich Autorennen, was vor allem die Besitzer der Horch-Werke geärgert haben dürfte, da die Horchs den Audis stets unterlegen waren. In den 1920er Jahren wurden die Autos mit der »1« auf dem Kühler größer und luxuriöser, sie bekamen schöne Karosserien und starke Motoren – doch die wirtschaftlich desolaten Zeiten ließen diese Modellpolitik eigentlich nicht zu. August Horch, der zu diesem Zeitpunkt zwar noch im Aufsichtsrat von Audi saß, aber ansonsten in Berlin als Berater des Verkehrsministeriums tätig war, musste mit ansehen, wie auch seine zweite Firma dem Untergang entgegensteuerte. Schließlich wurden die Audi Werke 1928 von der Zschopauer Motorenfabrik J.S. Rasmussen AG (DKW) übernommen.

Horch
Horch

DKW (ZSCHOPAU): Der dänische Ingenieur Jörgen Skafte Rasmussen (1878 – 1964) gründete 1904 in Chemnitz ein Unternehmen, das zunächst Boiler, Heizgeräte und Kesselarmaturen herstellte. 1906 kaufte er in Zschopau-Dischautal eine leerstehende Textilfabrik, in die ein Jahr später auch der Firmensitz verlegt wurde. Während des 1. Weltkriegs produzierte das Werk Zündkapseln und Granatzünder. In dieser Zeit führte der von Rasmussen engagierte dänische Ingenieur Svend Aage Mathiesen Experimente mit Dampfkraftwagen durch, die jedoch nie realisiert wurden. Was blieb war die Abkürzung DKW (Dampf-Kraft-Wagen).

1918 erwarb Rasmussen die Rechte für den Bau eines kleinen Einzylinder-Zweitaktmotors, den der Ingenieur und Unternehmer Hugo Ruppe (1879 – 1949) als Spielzeugmotor entwickelt hatte und der eigentlich als Konkurrenzprodukt zu den damals verbreiteten Spielzeug-Dampfmaschinen gedacht gewesen war. Ab 1919 baute man die Spielzeugmotoren in vergrößerter Version als Hilfsmotor in verstärkte Fahrradrahmen ein, und diese Gefährte erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass man sie im Volksmund »Das Kleine Wunder« nannte. Aus den Motorfahrrädern wurden 1922 richtige Motorräder und 1927 war das Unternehmen, das zu dieser Zeit als Zschopauer Motorenfabrik J.S. Rasmussen AG firmierte, bereits weltgrößter Hersteller auf diesem Sektor. DKW-Chefkonstrukteur Hermann Weber entwarf Ende der 1930er Jahre die RT125, das meistgebaute deutsche Motorrad und das meistkopierte Motorrad der Welt.

Trotz des Erfolges bemühte sich der umtriebige Däne auch weiterhin um ein möglichst breites Fertigungsprogramm. 1922 gründete er die Frankenberger Metallwerke und ließ dort kleine dreirädrige Lieferwagen mit DKW-Motor herstellen (Framo). 1927 begann in Scharfenstein der Bau von Kühlschrank-Kompressoren (Das Kühl-Wunder). Seit 1918 hatte DKW auch immer wieder einzelne Automobile produziert, die jedoch erst 1928 über den Status eines Prototypen hinauskamen. Rudolf Slaby (1887 – 1953), dessen Berliner Firma SB Automobil-Gesellschaft (Slaby-Beringer) Rasmussen 1925 übernommen hatte, entwickelte 1927/28 das erste DKW-Automobil Typ P.

Eine Sensation war der DKW F1 von 1931, der als erstes Serienfahrzeug mit Frontantrieb in die Geschichte des Automobilbaus einging. Revolutionär war vor allem sein niedriger Preis (1.700 Reichsmark), der diesen zweisitzigen Kleinwagen zu einem Vorgänger des Volkswagens machte (»Das Kleine Wunder, außen Blech und innen Plunder«). Gebaut wurden die DKW-Fahrzeuge, die ausschließlich mit Zweitaktmotoren liefen, in den Audi Werken Zwickau (Wagen mit Frontantrieb), die Rasmussen 1928 übernommen hatte, und in einem DKW-Werk in Berlin-Spandau (Wagen mit Heckantrieb).

DKW
DKW

AUTO-UNION (CHEMNITZ): Die Weltwirtschaftskrise brachte jedoch Audi, DKW, Horch und die Automobilabteilung der Wanderer-Werke in Chemnitz/Siegmar in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, sodass sich diese Unternehmen auf Druck der sächsischen Landesregierung, die den guten Ruf des sächsischen Automobilbaus erhalten wollte, zur Auto-Union AG (Zwickau, ab 1936 Chemnitz) zusammenschlossen, was sich auch im Logo der neuen Firma, den vier Ringen, widerspiegelte. Neben der Sächsischen Staatsbank und der Industrie-Finanzierungs GmbH war DKW-Gründer Rasmussen größter Aktionär der Auto-Union. 1933 schied er jedoch im Streit mit dem neuen Management aus, verklagte die Auto-Union mehrmals und bekam schließlich eine Abfindung von 1,6 Millionen Reichsmark. 1947 kehrte er nach Dänemark zurück. Die Auto-Union produzierte nun Fahrzeuge der Marken Audi (Mittelklasse), DKW (Motorräder, Kleinwagen), Horch (Luxuslimousinen, Lastwagen) und Wanderer (gehobene Mittelklasse).

WANDERER-WERKE (CHEMNITZ): Der Mechaniker und Radrennfahrer Johann Baptist Winklhofer (1859 – 1949) und der Werkzeugschlosser Richard Adolf Jaenicke (1858 – 1917) gründeten 1885 in Chemnitz die Firma Chemnitzer Velociped-Depôt Winklhofer & Jaenicke, die sich zunächst mit dem Verkauf und der Reparatur von Fahrrädern beschäftigte. Zum Jahreswechsel 1885/86 begannen sie auf einem neuen Fabrikgelände mit der fabrikmäßigen Herstellung eigener Hochräder, was 1887 zur Umfirmierung in Chemnitzer Veloziped-Fabrik Winklhofer & Jaenicke führte. Der Markenname Wanderer entstand in Anlehnung an die englische Fahrradmarke (und spätere Automarke) Rover. Als Hochräder Ende der 1880er Jahre unmodern wurden, begann Wanderer mit der Produktion von Niederrädern. Nachdem die alten Räume zu klein geworden waren, zog die Firma 1895 in ein neues Werk in Schönau bei Chemnitz um. 1895 wurde das Unternehmen mit Hilfe der Dresdner Bank in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Wanderer Fahrradwerke, vorm. Winklhofer & Jaenicke AG).

Da die damaligen Fräsmaschinen nicht den Anforderungen der Gründer entsprachen, begann Wanderer 1899 mit der Herstellung eigener Fräsmaschinen, die auch an andere Kunden verkauft wurden. Bald darauf kamen weitere Produkte dazu, u.a. Motorräder (1902), Schreibmaschinen (1903; Marke Continental) und Rechenmaschinen (1909). 1905 begann das Unternehmen mit der Konstruktion verschiedener Automobil-Prototypen; die Serienfertigung des Wanderer W1 5/12 PS (Puppchen) begann 1912. Der offene, zweisitzige Tourenwagen blieb in verschiedenen Varianten bis 1926 in Produktion. 1927 nahm Wanderer ein neues Autowerk im Chemnitzer Vorort Siegmar in Betrieb. 1930/31 entwarf Ferdinand Porsches neues Konstruktionsbüro in Stuttgart für Wanderer sein erstes Automobil, den Luxus-Sportwagen Wanderer W14 12/65 PS.

1929 erwarb der böhmische Ingenieur František Janeček (1878 – 1941) die Herstellungsrechte für ein 500-Kubikzentimeter-Motorrad von Wanderer, das zunächst als Janeček-Wanderer auf den Markt kam, dann aber in Jawa umgetauft wurde. Als Wanderer die Motorradproduktion 1930 ganz einstellte, kaufte Jawa auch einen Teil der Maschinen, die für die Herstellung der Motorräder nötig waren.

Wanderer
Wanderer

Unter der Regie der Auto-Union entstanden u.a. die Mittelklassefahrzeuge Wanderer W21 (1933 – 1936) und Wanderer W22 (1933 – 1938) – beide wurden von Porsches Konstruktionsbüro entwickelt – sowie der Wanderer W24, mit knapp 22.500 Exemplaren das meistgebaute Wanderer-Automobil. 1941 stellte die Auto-Union kriegsbedingt die Produktion der Wanderer-Personenwagen ein.

Zwischen 1933 und 1939 wurden in den Horch-Werksanlagen auch die von Ferdinand Porsche entwickelten Grand-Prix-Rennwagen der Auto-Union gebaut, die auf den internationalen Rennstrecken zu den schärfsten Gegnern der »Silberpfeile« von Mercedes-Benz zählten. Während des 2. Weltkriegs mussten die Werke für die Rüstung arbeiten (u.a. Panzermotoren, Kettenfahrzeuge, Militärmotorräder).

1946 wurde der Auto-Union-Konzern, dessen Hauptwerke allesamt im Osten Deutschlands lagen (Chemnitz, Zschopau, Zwickau), verstaatlicht und in der Industrieverwaltung Fahrzeugbau (IFA) mit anderen Fahrzeugherstellern zusammengefasst. In den 1950er Jahren gingen daraus Firmen wie der Trabant-Hersteller Sachsenring (Audi- und Horch-Werke Zwickau), MZ (DKW-Motorradwerk Zschopau), Barkas (Framo Hainichen, Wanderer Siegmar, Motorenwerk Chemnitz), Werkzeugmaschinenkombinat Fritz-Heckert (Wanderer Siegmar), Optima Büromaschinenwerk (Wanderer/Continental Büromaschinenfertigung in Schönau) und Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt (Wanderer Büromaschinenfertigung). Im Westen Deutschlands gründete die Winklhofer-Familie 1948 ebenfalls eine neue Wanderer Werke AG (München), die im Laufe ihrer Existenz (bis 2010) u.a. Fahrräder, Mopeds, Fräsmaschinen, Werkzeugmaschinen und Büromaschinen (Exacta Continental; daraus entstand 1968 durch den Verkauf an Heinz Nixdorf die spätere Computerfirma Nixdorf) produzierte. Von 1981 bis 2010 war Wanderer eine reine Finanzholding, die verschiedene Beteiligungen hielt (u.a. Böwe Schneide- und Kuvertiersysteme/Reinigungstechnik, Bell & Howell, Kittel Autoteile, Fislage Verpackungsmaterialien, Merseburger Verpackung, Immobilien). Unter der Marke Wanderer werden seit 1998 wieder Fahrräder hergestellt, zunächst von der Zwei plus zwei GmbH (die Wanderer Werke fungierten nur als Lizenzgeber der Marke Wanderer) und seit 2017 von der Hercules GmbH (Köln).

AUTO-UNION (INGOLSTADT): 1949 kam es in Ingolstadt zur Neugründung der Auto-Union. Im Aufsichtsrat der neuen Firma saß u.a. Horch- und Audi-Gründer August Horch. Das Kapital kam größtenteils von dem Kölner Bankhaus Salomon Oppenheim Jun. sowie von Direktoren und Ingenieuren der alten Auto-Union (u.a. Richard Bruhn, Carl Hahn). Zunächst stellte man nur preiswerte Zweitaktautos und -motorräder her, die als DKW und Auto-Union in den Handel kamen. Die Marken Audi, Horch und Wanderer wurden nicht mehr verwendet.

Der Versuch die Marke Horch wiederzubeleben scheiterte 1953 an der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeit. Der damalige Auto-Union-Chef Richard Bruhn nutzte das einzige Exemplar, das gebaut wurde, noch einige Jahre als Dienstwagen. 2008 wurde das Fahrzeug in Texas entdeckt und nach Ingolstadt zurückgebracht. Die letzte Horch-Modellreihe, die Oberklasse-Limousine Horch P 240, baute das Zwickauer IFA-Horch-Werk von 1955 bis 1959. Nachdem die Auto-Union in Ingolstadt jedoch Einspruch gegen die Verwendung der Marke Horch erhoben hatte, wurde dieses Fahrzeug ab 1957 als Sachsenring P 240 verkauft.

Noch im Gründungsjahr begann in Ingolstadt und einem ehemaligen Rheinmetall-Borsig-Werk in Düsseldorf die Produktion des Kleinlasters DKW F89 L und des Motorrads DKW RT-125. Der erste Nachkriegs-Pkw war der schon 1939 entwickelte DKW F9, dessen runde Karosserieform mit einigen Modifikationen bis 1963 in Produktion blieb (1950 DKW F89, 1953 DKW F91, 1955 DKW F93, 1957 Auto-Union 1000).

Von 1955 bis 1968 baute die Auto-Union für die Bundeswehr den Geländewagen DKW Munga. 1959 kam der moderne Kleinwagen DKW Junior (ab 1963 Auto-Union F11/12) auf den Markt und 1963 die Mittelklasse-Limousine DKW F102. Das gelungenste Modell war jedoch der in Kleinserie gebaute Auto-Union 1000 Sp, der stark an das Design des Ford Thunderbird angelehnt war. Von 1958 bis 1965 fertigte die Baur Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH in Stuttgart 5.000 Coupés, dazu noch einmal 1.640 offene Roadster. Die rund 240 Exemplare des Sportwagens DKW 3=6 Monza wurde von 1956 bis 1958 bei den Firmen Dannenhauer & Stauss (Stuttgart), Massholder (Heidelberg) und Robert Schenk (Stuttgart-Feuerbach) gebaut.

Fehlendes Kapital, zunehmende Probleme mit dem technisch veralteten Zweitaktmotor und ein zu kleines Modellprogramm führten 1958 dazu, dass der Industrielle Friedrich Flick (Buderus, Daimler-Benz, Dynamit-Nobel, Maxhütte, Maybach) eine Mehrheitsbeteiligung an der Auto-Union erwarb, die er 1958 an Daimler-Benz weiterreichte. Gleichzeitig entstand aus dem Zusammenschluss der Motorradmarken DKW, Victoria und Express die Zweirad-Union Nürnberg. Glücklich wurden die beiden ungleichen Partner jedoch nie. Die großen Mercedes-Limousinen und die kleinen DKW mit ihren stinkenden und lauten Zweitaktmotoren passten einfach nicht zusammen.

Schließlich verkaufte Daimler-Benz die Auto-Union und das Werk in Ingolstadt zwischen 1964 und 1966 an die Volkswagen AG; Daimler behielt nur das Werk Düsseldorf und die Rechte an dem ungenutzten Markennamen Horch, da man eine neue Konkurrenz im Oberklasse-Bereich fürchtete (inzwischen gehört die Marke wieder Audi). Die Zweirad-Union wurde an den lokalen Konkurrenten Fichtel & Sachs/Hercules Werke verkauft, der die Marke DKW noch bis Ende der 1970er Jahre auf einigen ausländischen Märkten (u.a. Italien, USA, Großbritannien) für Hercules-Motorräder verwendete (z.B. die Hercules/DKW W 2000 mit Wankelmotor).

1965 kam auch das Aus für die Automarke DKW. Die neuen Fahrzeuge mit Viertaktmotor trugen nun wieder den traditionellen Namen Audi, den vor allem Journalisten ins Spiel gebracht hatten; das alte Ringlogo behielt man jedoch bei. Der erste neue Audi war 1965 der Audi 72 (1965 – 1969), eine Weiterentwicklung des DKW F102 (1964 – 1966). Diesen ersten Audi gab es in verschiedenen Varianten: Audi 60 (1968 – 1972), Audi 75 (1969 – 1972), Audi 80 (1966 – 1969), Audi Super 90 (1966 – 1972), Audi Variant (Kombi; 1966), Audi 80 Variant (1966 – 1968), Audi 60 Variant (1968 – 1972), Audi 75 Variant (1968 – 1972), Audi Super 90 Variant (1969 – 1972) und Audi 100 (1968 – 1976).

1969 übernahm Volkswagen die NSU Motorenwerke AG aus Neckarsulm und schloss beide Unternehmen zur Audi NSU Auto-Union AG mit Sitz in Neckarsulm zusammen.

NSU (NECKARSULM): Christian Gottlob Schmidt (1844 – 1884) und Heinrich Stoll (1847 – 1900) gründeten 1873 in Riedlingen an der Donau eine Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen. Schon drei Jahre später schied Stoll aus dem Unternehmen wieder aus und Schmidt verlegte den Firmensitz 1880 nach Neckarsulm in eine frühere Säge- und Gipsmühle. Nach dem Tod Schmidts wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Neckarsulmer Strickmaschinen-Fabrik AG). Über Fahrräder (ab 1886) und Motorräder (ab 1901) kam das Unternehmen, das ab 1892 unter dem Kürzel NSU (für Neckarsulm) auftrat und sich 1897 in Neckarsulmer Fahrradwerke AG umbenannte, 1906 zum Automobilbau. Die Produktion von Strickmaschinen war schon 1892 eingestellt worden. Zunächst stellte NSU dreirädrige Fahrzeuge und kleine Lieferwagen (Sulmobil) her sowie Nachbauten des belgischen Autoherstellers Pipe (NSU-Pipe). Während des 1. Weltkriegs produzierte das Unternehmen, das sich nun Neckarsulmer Fahrzeugwerke AG nannte, auch Armeelastwagen. Hauptprodukte blieben aber noch lange Zeit Fahrräder und Motorräder. Vor dem 1. Weltkrieg war NSU neben DKW einer der weltgrößten Motorradhersteller.

1925 errichtete NSU in der benachbarten Stadt Heilbronn eine neues Autowerk. Der Zusammenschluss mit der bankrotten Berliner Karosseriebaufirma Schebera (1926) zur NSU Vereinigte Fahrzeugwerke AG führte jedoch zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit Hilfe des italienischen Fiat-Konzerns und der Dresdner Bank wurde 1929 die NSU Automobil AG gegründet, die die neuen Werksanlagen in Heilbronn übernahm. Die dort gefertigten Fahrzeuge – alles Fiat-Abkömmlinge – kamen als NSU-Fiat auf den Markt. NSU Neckarsulm gab die Autoproduktion 1932 auf und widmete sich ganz den Zweirädern (Motorräder, Motorfahrräder, Motorroller). 1938 kam es erneut zu einer Umfirmierung, diesmal in NSU Werke AG; ab 1960 nannte sich das Unternehmen dann NSU Motorenwerke AG. In den 1950er Jahren war NSU wieder der größte Motorradhersteller der Welt. In dieser Zeit gewannen NSU-Motorräder auch zahlreiche Titel und Weltrekorde. In den frühen 1960er Jahren, als die Motorradwelle aufgrund erschwinglich gewordener Automobile allmählich abebbte, zog sich NSU aus der Produktion von Zweirädern zurück; 1963 wurde zunächst die Motorrad-Produktion beendet, 1965 auch die der Motorfahrräder.

NSU
NSU

1953 begann NSU erneut mit der Entwicklung eines Automobils. Anfangs waren das nur dreirädrige Kabinenroller mit einem Motorradmotor, aber schon 1957 wurde daraus ein vollwertiger Kleinwagen. 1958 nahm NSU die Autoproduktion mit dem NSU Prinz (1958 – 1973) wieder auf, was jedoch zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen mit Fiat führte. Schließlich benannte Fiat die NSU Automobil AG 1959 in Neckar Automobilwerke AG um, verwendete das Markenzeichen NSU aber noch bis 1966. Anschließend kamen die Fiat-Fahrzeuge in Deutschland für zwei Jahe als Neckar auf den Markt und 1973 stellte das Unternehmen die Fiat-Produktion in Heilbronn schließlich ein. In Heilbronn blieb aber die deutsche Vertriebsgesellschaft von Fiat.

Den heckangetriebenen Prinz gab es in verschiedenen Ausstattungsvarianten und zwei Modellgenerationen: der rundlichere Typ 40 (Prinz I, II, III, 30, 30E) wurde von 1958 bis 1962 gebaut, der größere und kantigere Typ 47 (Prinz 4, Prinz 4S, Prinz 4L) von 1961 bis 1973. Das Karosserie-Design des Typ 47 lehnte sich an das des Chevrolet Corvair der ersten Generation an (1959 – 1969), dessen Gürtellinie von einer umlaufenden Sicke dominiert wurde. Auch der Fiat 1300 und der sowjetische ZAZ-966/968 Saporoshez hatten dieses Design-Merkmal, das eigentlich mehr zur Erhöhung der Steifigkeit dient, übernommen. Unter dem Namen Prinz wurden auch das Coupé Sport-Prinz (1959 – 1967) sowie bis 1967 der Prinz 1000 (NSU 1000) und der Prinz 1000 TT (NSU TT/1200 TT) vermarktet.

Das zweisitzige Cabrio NSU Spider (1963 – 1967) war das erste Serienauto der Welt mit einem Wankel-Motor (Verbrennungsviertakt-Otto-Motor mit Dreh- oder Kreiskolben), der in den 1950er Jahren von dem deutschen Ingenieur Dr. Felix Wankel (1902 – 1988) entwickelt und 1957 erstmals erfolgreich getestet worden war. Die Wankel-Motoren waren im Vergleich zu Hubkolbenmotoren leiser, kleiner und leichter.

Der NSU 1000 mit Vierzylinder-Heckmotor (1963 – 1972) wurde zu einem der beliebtesten Autos der späten 1960er Jahre und die Sportversionen (NSU Prinz 1000 TT, NSU TT/1200 TT, Prinz 1000 TTS/NSU 1000 TTS) erwiesen sich auch im internationalen Motorsport als überaus erfolgreich.

Ein Meilenstein der Automobilgeschichte war der NSU RO80 (1967 – 1977) mit Doppelrotor-Wankelmotor. Die formschöne Limousine mit ausgeprägter Keilform war ihrer Zeit technisch weit voraus. Die anfänglichen Kinderkrankheiten (vor allem Motorschäden) und hohe Entschädigungszahlungen an unzufriedene Käufer, brachte das Unternehmen jedoch in ernste Schwierigkeiten, die zur Übernahme durch Volkswagen/Auto-Union führten. Die Marke NSU gab Audi 1977 mit dem Produktionsende des RO80 auf. Der letzte von NSU entwickelte Pkw K 70 kam als VW K 70 (1970 – 1975) auf den Markt. Die geplante Schließung des NSU-Werkes in Neckarsulm konnte 1975 durch einen Protestmarsch der Beschäftigten von Neckarsulm nach Heilbronn verhindert werden.

Audi
Audi

AUDI (INGOLSTADT): In der ersten Hälfte der 1970er Jahre kam die neue Audi-Generation auf den Markt; einige Modelle gab es in modifizierter Version auch als VW: 1972 der Audi 80 B1 [VW Passat] (1972 – 1978), 1974 der Audi 50 [VW Polo] (1974 – 1978) und 1976 der Audi 100 C (1976 – 1982). Das berühmteste Auto aus Ingolstadt war der allradgetriebene Audi Quattro von 1980, der dreimal die Rallye-WM gewann. Später rüsteten VW und Audi auch andere Modelle mit dem Quattro-Antrieb aus. Der Audi 100 C3 (1982 – 1991) erhielt ab September 1985 eine vollverzinkte Karosserie. Mit dem Audi 100 2.5 TDI (1989) brachte Audi nach dem Fiat Croma 2000 Turbo D i.d. (1986) und dem Austin Montego MDi (1988) als erster deutscher Hersteller einen PKW mit Diesel-Direkteinspritzung auf den Markt (Turbocharged Direct [Diesel] Injection). Ein weiteres Highlight aus dem Hause Audi war 1998 der TT, den es als Roadster und Coupé gab.

In den 1990er Jahren stellte Audi die Typenbezeichnungen um: die neuen Modelle mit Aluminium-Karosserie hießen ab 1994 Audi A4 (80), Audi A6 (100) und Audi A8 (V8). 1996 folgte noch der Kompaktwagen Audi A3, 2000 der Minivan Audi A2, der jedoch schon 2005 wegen zu geringer Verkaufszahlen wieder vom Markt genommen wurde, und 2010 der Kleinwagen Audi A1, der technisch mit dem VW Polo V verwandt ist. Mit dem Audi Q7 (ab 2005), der auf dem VW Touareg/Porsche Cayenne basiert, brachte Audi erstmal ein SUV auf den Markt. Inzwischen gibt es mit dem Audi Q5 (seit 2008) und dem Audi Q3 (seit 2011; Kompakt-SUV) noch zwei weitere Sport Utility Vehicles. Seit 2005 produziert Audi in Neckarsulm den Mittelmotor-Sportwagen Audi R8, dessen Namensgebung an den gleichnamigen Rennwagen, der bei dem Sportwagen-Langstreckenrennen »24 Stunden von Le Mans» zwischen 2000 und 2005 fünf Siege erringen konnten, erinnern soll.

Die Audi NSU Auto Union AG (Neckarsulm) wurde 1985 in Audi AG (Ingolstadt) umbenannt, sodass auch der Firmenname NSU verschwand. Das Xetra-Börsenkürzel (ETR) der Audi AG lautet jedoch weiterhin NSU, da der Zusammenschluss der Auto-Union GmbH und der NSU Motorenwerke AG rechtlich nur eine Umbenennung der NSU AG war. Die 1985 gegründete Audi-Tochter NSU GmbH ist heute für die Traditionspflege (Sammlung von historischen Fahrzeugen und Dokumenten der Audi-Vorgängerfirmen) sowie für den Erhalt der Namens- und Markenrechte zuständig.

1998 erwarb Audi den italienischen Sportwagenhersteller Lamborghini. Mit der Übernahme des italienischen Motorradherstellers Ducati (Bologna) kehrte Audi 2012 zu seinen Ursprüngen zurück; DKW und NSU hatten lange Zeit zu den führenden Motorradherstellern der Welt hehört.

Audi-Produktionsstätten gibt es in Aurangabad (Indien), Bratislava (Slowakei), Brüssel (Belgien), Changchun (China), Győr (Ungarn), Heilbronn (Deutschland), Ingolstadt (Deutschland), Neckarsulm (Deutschland) und São José dos Pinhais (Brasilien).

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 31.10.2019 | 21:44