Markenlexikon
David Lawrence Geffen (* 1943) und Elliot Roberts (1943 – 2019) arbeiteten in den 1960er Jahren bei der Künstleragentur William Morris in Beverly Hills, bevor sie sich mit einer eigenen Agentur selbstständig machten (Lookout Management). Lookout betreute u. a. Crosby, Stills and Nash, Jackson Browne, Joni Mitchel und Laura Nyro. Da sie für Jackson Browne keine Plattenfirma finden konnten, riet ihm Atlantic-Gründer Ahmet Ertegun dazu, eine eigene zu gründen. So entstand 1970 in Los Angeles Asylum Records – sozusagen als Zufluchtsort (engl. Asylum) für »obdachlose« Musiker (ohne Vertrag), die noch keine Unterkunft (Plattenfirma) gefunden hatten. Atlantic Recording, damals schon eine Tochtergesellschaft des Warner-Bros.-Konzerns, übernahm den Vertrieb der Asylum-Platten.
Schon kurz nach der Gründung nahm Asylum Joni Mitchell, Steve Goodman und Tom Waits unter Vertrag. Durch Jackson Browne lernte Geffen auch Glenn Frey, Don Henley, Bernie Leadon und Randy Meisner kennen, die in der Begleitband von Linda Ronstadt spielten. Gemeinsam gründeten die vier daraufhin die Country-Rockband The Eagles, die zu einer der prägendsten Country- und Rockbands der 1970er Jahre aufstieg. 1973 nahm Asylum auch Linda Ronstadt unter Vertrag. Jackson Browne, einer der besten Songwriter aller Zeiten, schrieb gemeinsam mit Glenn Frey auch den Eagles-Hit »Take It Easy«.
1973 verkauften Geffen und Roberts Asylum Records an den Medienkonzern Warner Communications (Atlantic Records, Elektra Records, Warner Bros. Records, WEA), der das Label Asylum mit Elektra zusammenschloss (Elektra/Asylum Records); beide wurden dadurch zu Großaktionären des Warner-Konzerns. Geffen blieb bis 1975 Chef von Elektra/Asylum Records, dann wechselte er in Führungsetage von Warner Bros. Records. 1980 gründete er eine weitere Plattenfirma (Geffen Records), außerdem 1994 die Filmproduktionsfirma DreamWorks (gemeinsam mit Steven Spielberg und Jeffrey Katzenberg).
1976 nahm Elektra/Asylum Bob Dylan unter Vertrag, der für Asylum allerdings nur zwei Alben produzierte, bevor er zu seiner ursprünglichen Plattenfirma CBS/Columbia zurückkehrte. Etwa zur gleichen Zeit startete Warren Zevon durch Vermittlung von Jackson Browne seine Karriere bei Asylum. Die größten Stars neben Jackson Browne waren jedoch The Eagles, die bis zu ihrer Auflösung 1980 sieben überaus erfolgreiche Alben bei Asylum veröffentlichten (1972 »Eagles«, 1973 »Desperado«, 1974 »On The Border«, 1975 »One Of These Nights«, 1976 »Hotel California«, 1979 »The Long Run«).
In den 1980er Jahren wurde das Label Asylum immer seltener verwendet. Einige der wenigen Künstler, deren Platten weiterhin bei Asylum erschienen, waren Jackson Browne (1983 »Lawyers In Love«, 1986 »Lives In The Balance«) und Linda Ronstadt (1980 »Mad Love«, 1982 »Get Closer«, 1983 »What's New«, 1984 »Lush Life«, 1986 »For Sentimental Reasons«). 1989 kam es zur Umbenennung von Elektra/Asylum Records in Elektra Entertainment. 1992 reaktivierte Elektra Entertainment Asylum für einige Jahre als reines Country-Label.
2003 verkaufte der Mutterkonzern Time-Warner die Warner-Musiksparte – seit 1990 Warner Music – an eine Investorengruppe, die das Unternehmen in Warner Music Group umfirmierte.
2004 wurde Asylum erneut reaktiviert. Zunächst übernahmen Warner Bros. Records und die Atlantic Records Group (Atlantic Records, Atco Records, East West Records, Elektra Records) den Vertrieb. Von 2006 bis 2009 gehörte das Label zur Independent Label Group (Asylum Records, Cordless Recordings, East West Records, Rykodisc), von 2009 bis 2013 zu Warner Bros. Records und seit 2013 zu Atlantic Records UK. 2011 unterschrieb der britische Singer-Songwriter Ed Sheeran einen Vertrag bei Asylum. Der erste Nummer-1-Hit seit Jahrzehnten gelangte dem Label 2012 mit dem Titel »Feel The Love« von Rudimental. Seit 2017 gibt es Asylum Records als Teil der Atlantic Records Group auch in den USA wieder.
Text: Toralf Czartowski