Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Aspirin

Ursprungsland: Deutschland

Die Bayer Farbenfabriken aus Barmen bei Wuppertal begannen 1888 mit der Herstellung von pharmazeutischen Produkten. 1893 brachte das Unternehmen das erste synthetische Insektizid der Welt auf den Markt (Antinonnin). 1897 wurde in den Bayer-Labors erstmals stabile, medizinisch nutzbare Acetylsalicylsäure synthetisiert (unreine ASS hatte der Franzose Charles Frédéric Gerhardt bereits 1853 synthetisiert).

Bis heute herrscht Unklarheit darüber, ob der Chemiker Felix Hoffmann (1868 – 1946) oder Arthur Eichengrün (1867 – 1949), ebenfalls ein Bayer-Chemiker, ASS entwickelt haben. Eichengrün, der während der Nazi-Herrschaft vierzehn Monate im KZ Theresienstadt gesessen hatte, schrieb 1949 einen Brief an den IG-Farben-Konzern, zu dem Bayer damals noch gehörte, in dem er behauptete, er habe die Verantwortung für die Planung und Koordination von ASS innegehabt. Hoffmanns Arbeit sei lediglich eine ausführende Tätigkeit gewesen.

ASS war ursprünglich als schmerzstillendes Mittel zur Behandlung von Rheuma-Patienten vorgesehen gewesen. Da der neue Stoff auch bei anderen Schmerzen eine erstaunliche Wirkung zeigte, brachte Bayer ASS 1899 unter dem Handelsnamen Aspirin (Acetyl + Spirsäure [= Salicylsäure] + in [damals eine beliebte Endung für chemische und pharmazeutische Präparate]) in die Apotheken. 1900 gab es Aspirin als eines der ersten Medikamente auch in Tablettenform – seit 1904 mit dem eingestanzten Bayer-Kreuz. Schon bald nach seiner Einführung galt Aspirin als das bekannteste Medikament der Welt (Slogan: Aspirin überwindet alle Schmerzen.), obwohl die Wirkung von ASS im Körper erst 1971 von dem britischen Biochemiker und Pharmakologen John Robert Vane (1927 – 2004) wissenschaftlich erklärt werden konnte.

Während des Ersten Weltkriegs, als sich die verfeindeten Staaten gegenseitig Unternehmen, Vermögen, Patente und Warenzeichen beschlagnahmten, wurde Bayer in mehreren Ländern enteignet (Amerika, Australien, Frankreich, Großbritannien, Südafrika). Alle Patente und Warenzeichen gingen dort in den Besitz anderer Unternehmen über (Rhône-Poulenc, Sterling Products). In Frankreich war der Markenname Aspirin bereits 1914 als gemeinfrei erklärt worden, da es sich um die Abkürzung einer wissenschaftlichen Bezeichnung handelte.

Die produktionstechnische Expertise von Bayer für die Herstellung von ASS war allerdings auch weiterhin gefragt; zwischen dem IG-Farben-Konzern, der Muttergesellschaft von Bayer, und Sterling Products (USA) gab es zu zahlreichen Kooperationen (Bayer stellte ASS in Deutschland her und lieferte es an Sterling), sodass Bayer noch bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit Aspirin auch auf dem amerikanischen Doppelkontinent und in den Commonwealth-Staaten gutes Geld verdiente.

Aufgrund der verschiedenen Hersteller und Markeninhaber, der unterschiedlichen Schreibweisen (Aspirina, Aspirine, Aspirin) und der teilweisen Gemeinfreiheit entwickelte sich der Name Aspirin in der Nachkriegszeit in vielen Ländern der Welt allmählich zu einem Gattungsbegriff für Schmerzmittel aller Art, ähnlich wie Jeep (für Geländefahrzeuge), Tempo-Taschentücher oder googeln (für die Internet-Suche).

1970 konnte Bayer die Aspirin-Markenrechte von Sterling in einigen Ländern zurückerwerben (Australien, Großbritannien), was vor allem daran lag, dass Aspirine dort ein verschreibungspflichtiges Medikament war und sich wegen der Konkurrenz von rezeptfreien Schmerzmitteln nicht mehr besonders gut verkaufte.

1978 kehrte Bayer nach Amerika zurück und übernahm den Konkurrenten Miles Laboratories (Hersteller des ASS-Schmerzmittels Alka-Seltzer), durfte dort aber auch weiterhin nicht unter seinem Namen auftreten. Erst 1994 konnte Bayer seine Markenrechte in den USA, Kanada und Puerto Rico durch den Kauf von Sterling-Winthrop zurückerwerben.

Text: Toralf Czartowski

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