Markenlexikon

ARCO

Ursprungsland: USA

Charles Lockhart, William Warden und William Frew gründeten 1866 in Philadelphia/Pennsylvania die Atlantic Petroleum Storage Company, die sich zunächst nur mit dem Handel und dem Transport von Erdöl beschäftigte. 1870 errichtete die neugegründete Atlantic Refining Company die erste eigene Raffinerie in Philadelphia. Vier Jahre später verkauften die Gründer beide Unternehmen an die Standard Oil Company of Ohio (SOHIO).

Nach der Aufspaltung des Standard-Oil-Konzerns 1911 wurde die Atlantic Refining Company wieder selbstständig. Atlantic baute in den nächsten Jahrzehnten ein Tankstellennetz an der US-Ostküste auf; die erste Atlantic-Tankstelle entstand 1915 am Baum Boulevard von Pittsburgh. 1963 erwarb Atlantic die Hondo Oil and Gas Company, die vor allem in den Bereichen Exploration und Förderung von Erdöl tätig war. Damit verfügte das fusionierte Unternehmen nun auch über eigenes Öl.

Durch den Zusammenschluss mit der 1905 gegründeten Richfield Oil Corporation aus Los Angeles (1966) verlagerte sich der Fokus der Atlantic-Richfield Corporation (ARCO) auf die Westküste (Arizona, California, Nevada, Oregon, Washington) und nach Alaska, wo Richfield seit 1957 Öl förderte. 1969 erwarb Atlantic-Richfield die Sinclair Oil Corporation, musste aber aus wettbewerbsrechtlichen Gründen die Aktivitäten von Sinclair an der Ostküste an BP verkaufen. Ende der 1960er Jahre entwickelten Atlantic-Richfield und Exxon das Prudhoe-Bay-Ölfeld im Norden Alaskas, das neben dem East-Texas-Ölfeld über die größten Erdölreserven der USA verfügt. 1972 wurde der ARCO-Hauptsitz nach Los Angeles verlegt.

ARCO Atlantic-Richfield
ARCO Atlantic-Richfield

1977 übernahm Atlantic-Richfield den Bergbaukonzern Anaconda aus Butte/Montana, um dessen Know-how zum Abbau von Schieferöl nutzen zu können. Der Verfall des Ölpreises machte diese Hoffnung damals jedoch zunichte. Atlantic-Richfield stoppte die Produktion der Anaconda-Hütten 1980, wodurch auf einen Schlag über zwanzig Prozent der Bevölkerung von Butte/Montana arbeitslos wurde, und schloss die noch aktiven Anaconda-Minen in Montana 1982/1983.

Das gesamte Geschäft an der Nordostküste (Pipelines, Raffinerien, Tankstellen, Markenname Atlantic) verkaufte Atlantic-Richfield 1985 an John Deuss (Transworld Oil) und Shell, die Chemie-Aktivitäten 1998 an Lyondell Petrochemical (eine frühere ARCO-Tochter) und die Kohle-Sparte ebenfalls 1998 an die Arch Coal.

2000 wurde Atlantic-Richfield von BP übernommen und anschließend in BP West Coast Products umbenannt. 2013 verkaufte BP die Marke ARCO sowie das Refining- und Marketing-Geschäft in Südkalifornien an Tesoro (gehört seit 2018 zu Marathon Petroleum). ARCO-Tankstellen gibt es in den US-Bundesstaaten Arizona, California, Nevada, Oregon und Washington, außerdem in Mexiko.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain