Tory Tordal: Taro Yagur – Kampf um Tanybur

Markenlexikon

Arcade Records

Ursprungsland: Großbritannien

Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Laurence Myers war ab 1962 Miteigentümer der Londoner Wirtschaftsprüfungs- und Buchhaltungsfirma Goodman, Myers & Co., die auch für den Musikproduzenten Mickie Most (Donovan, Herman’s Hermits, Jeff Beck, Lulu, Nancy Sinatra, The Animals) und den früheren Rolling-Stones-Manager Allen Klein tätig war. Gemeinsam mit dem Juristen und David-Bowie-Manager Tony Defries etablierte Myers 1970 die Managementfirma GEM, die sich 1972 mit der Toby Organisation, der Managementfirma der New Seekers, zusammenschloss (Gem Toby Organization). Unter dem Kürzel GTO gründete Myers 1973 die Filmproduktions-/Verleihfirma GTO Films und 1974 die Plattenfirma GTO Records (Billy Ocean, Donna Summer), die 1978 an CBS Records verkauft wurde.

1972 rief Myers das Plattenlabel Arcade Records ins Leben, das sich auf die Produktion und den Vertrieb von Hit-Zusammenstellungen (Best-of-Platten) spezialisierte, ähnlich wie der US-Konkurrent K-tel. Das erste Compilations-Album 20 Fantastic Hits – Various Artists kam im Sommer 1972 auf den Markt. Die Platten wurden sehr aggressiv im Fernsehen und Radio beworben und verkauften sich zum Teil sehr gut. Einige dieser Sampler schafften es sogar an die Spitze der Album-Charts (1976 The Best of Roy Orbison, 1977 40 Greatest Hits – Elvis Presley). Bald darauf entstanden Arcade-Niederlassungen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und Schweden.

Arcade
Arcade

1979 wurde Herman Heinsbroek, vormals Vizepräsident von CBS Music Benelux, Chef der niederländischen Niederlassung Arcade Records Benelux, der nun alle anderen Arcade-Landesgesellschaften untergeordnet wurden. 1982 musste die deutsche Arcade-Tochtergesellschaft Konkurs anmelden. 1984 übernahm Heinsbroek die Arcade-Gruppe vollständig. Laurence Myers wurde nach dem Arcade-Verkauf Theaterproduzent.

Das Unternehmen blieb noch bis in die späten 1990er Jahre mit seinen Hit-Zusammenstellungen (nun auf CD) erfolgreich, daneben betrieb es auch einen Videovertrieb (Arcade Video), einen Musikverlag (Arcade Music Publishing), mehrere Labels (Arcade, CNR Records, Indisc Records, Vanguard Classics), Fernsehsender (TMF), Radiosender (Concert Radio, Radio 10 Gold, Love Radio) und Musikgeschäfte (The Music Store). Herman Heinsbroek, der Arcade bis 1998 leitete, war 2002 eine kurze Zeit niederländischer Wirtschaftsminister.

Von 1996 bis 2000 gehörte Arcade zum Zeitungsverlag Koninklijke Wegener, im Jahr 2000 wurde WBG Beheer neuer Eigentümer. WBG schloss die Arcade Music Group mit der eigenen Plattenfirma Roadrunner Records zusammen und benannte die Firma ein Jahr später in CNR Music um. Arcade hatte CNR/Indisc Records 1993 erworben (CNR stand ursprünglich für den Gründer Cornelis Nicolaas Rood). In den 2000er Jahren gab es von CNR noch einige Versuche, das Label Arcade zu reaktivieren. 2006 wurde das 1979 von Cees Wessels in Amsterdam gegründete Rocklabel Roadrunner Records an Warner Music verkauft.

Text: Toralf Czartowski • Fotos: Unsplash.com, Public Domain