Markenlexikon

Branche: Musikindustrie

Apple Records

Großbritannien

Dass gute Musiker nicht zwingend auch gute Geschäftsleute sein müssen, bewiesen die Beatles-Mitglieder mit ihrer im Januar 1968 gegründeten Firma Apple Corps Limited, die ein viel größeres Spektrum um die Marke Beatles abdecken wollte, als ihre Vorgängerfirma Beatles Ltd. Benannt wurde das Unternehmen nach einem Gemälde des belgischen Malers René Magritte, auf dem ein Apfel mit der Aufschrift »Au revoir« abgebildet ist. Der Firmenname sollte ursprünglich Apple Core heißen, da diese Marke aber nicht mehr verfügbar war, behalf man sich mit Apple Corps, was so ähnlich klingt. Die meisten Geschäftsfelder wie Apple Electronic, Apple Films (Produktion mehrerer Beatles-Filme), Apple Books und Apple Retail (Mode-Boutiquen für Hippie-Mode) wurden bald wieder aufgegeben, da sie sich als unrentabel erwiesen. Lediglich das Plattenlabel Apple Records, der Musikverlag Apple Music und das Apple-Studio in der Savile Row Nr. 3 in London blieben bestehen.

Ab der Single »Hey Jude« (1968) erschienen alle folgenden Beatles-Platten auf dem Apple-Label. Allerdings behielt ihr bisheriger Vertragspartner EMI alle Rechte an den Aufnahmen und übernahm auch weiterhin die Pressungen und den Vertrieb. Lediglich an den Aufnahmen neuer Künstlern, die Apple Records unter Vertrag nahm, hielt die Firma alle Rechte (u.a. Badfinger, Billy Preston, Jackie Lomax, Mary Hopkin, Modern Jazz Quartet). Nachdem sich die Beatles 1970 aufgelöst hatten, veröffentlichten die ehemaligen Beatles-Mitglieder einige ihrer Soloplatten bei Apple Records und dem Sublabel Zapple. Das dauerte aber nur bis 1975, als die Beatles-Partnerschaft aufgelöst wurde. Zur gleichen Zeit schloss auch das Apple-Studio. Apple Corps ist heute nur noch eine Lizenzagentur für die Marke The Beatles und die Platten, die bei Apple Records einst erschienen sind oder die Songs, die Apple Music gehören. Eigentümer von Apple Corps sind nach wie vor die noch lebenden Ex-Beatles-Mitglieder Paul McCartney und Ringo Starr sowie die Nachkommen von John Lennon und George Harrison.

Bereits 1978 kam es zu einer Markenrechts-Klage von Apple Corps gegen den gerade erst gegründeten Computer-Hersteller Apple. Das Verfahren wurde 1981 eingestellt, nachdem Apple Computer der Beatles-Firma 80.000 US-Dollar gezahlt hatte und sich dazu bereiterklärte, nicht im Musikgeschäft tätig zu werden. Als Apple dann in den 2000er Jahren tatsächlich ins Musikgeschäft einstieg, kam es erneut zu mehreren Gerichtsverfahren. Schließlich einigten sich beide Seiten 2007 darauf, dass Apple Computer die vollen Rechte an der Marke Apple erhält und sie an Apple Corps lizensiert. Zum Dank startete Apple in seinem iTunes Store 2010 eine große Werbekampagne, die die Verfügbarkeit des gesamten Beatles-Katalogs ankündigte.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 21.11.2020 | 13:29